Priester hoffen auf Kolleginnen

Baden-Baden (kli) – Die katholische Kirche hat derzeit viel aufzuarbeiten. Jetzt solidarisieren sich auch noch Priester mit Frauen, die ins Weiheamt streben. Unter ihnen der Waldbronner Torsten Ret.

Männersache: Die Priesterweihe – hier in Rottenburg vor Corona – ist Frauen in der katholischen Kirche untersagt.      Foto: Marc Herwig/dpa

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Männersache: Die Priesterweihe – hier in Rottenburg vor Corona – ist Frauen in der katholischen Kirche untersagt. Foto: Marc Herwig/dpa

Torsten Ret lässt sich nicht den Mund verbieten. Der Priester möchte über das Weiheamt für Frauen in der katholischen Kirche nachdenken. „Kirche muss sich weiterentwickeln“, fordert der Geistliche aus Waldbronn. Er solidarisiert sich mit den Frauen, die ins Priesteramt drängen, weil sie sich dazu berufen fühlen.

Ret ist einer von bundesweit 100 Männern der Kirche, die in einem neuen Sammelband („Frauen ins Amt“) ihre Unterstützung für Frauen am Altar öffentlich machen. Das Buch, das am 31. Januar im Herder-Verlag erscheint, ist als Antwort auf einen ersten Band zu verstehen, der im vergangenen Jahr in der katholischen Kirche für viel Wirbel gesorgt hat. Die Benediktinerin Philippa Rath hat darin Frauen zu Wort kommen lassen, die darunter leiden, ihre Berufung als katholische Priesterin nicht leben zu können, weil es die Kirche ihnen verbietet.

Nun melden sich die Männer zu Wort. Wie Torsten Ret. Die Pastoralreferentin Ruth Fehling aus Waldbronn hat bereits im ersten „Frauenband“ mitgeschrieben. Nun pflichtet Ret ihr bei und erklärt sich solidarisch mit ihrem Anliegen. „Die Kirche hat Maria Magdalena als Apostelin der Apostel erhoben. Die Frage ist: Wie inkonsequent ist das und wie ernst nimmt die Kirche diesen Titel?“, fragt er. Dass Frauen keine Priesterinnen werden dürfen, hält er daher für einen Widerspruch in sich.

Kernbestand des christlichen Glaubens

Für ihn ist die Frage der Berufung kein Randthema, sondern Kernbestand des christlichen Glaubens. Er stehe mit drei Frauen in Verbindung, die eine Berufung spüren. Um was es ihnen geht? „Nicht um Macht, sondern um Verkündigung und ihre priesterliche Haltung in Wort und Sakrament“, berichtet Ret. Und sie empfänden einen Schmerz, dass sie ihrer Berufung, die sie empfinden, nicht nachgehen dürfen. Das seien kirchentreue und loyale Frauen aus dem „inner circle“ der Kirche, die aber verärgert und enttäuscht sind.

Die Begründung, Frauen vom Weiheamt auszuschließen, überzeugt Ret nicht mehr. Jahrhundertelang habe man argumentiert, Jesus habe nur Männer berufen. „Aber warum erhebt man dann Maria Magdalena zur Apostelin der Apostel?“ Das Christentum habe sich doch von Anfang an weiterentwickelt, wie es in der Apostelgeschichte schon beschrieben werde. Geschildert wird dort der Streit unter den Aposteln, ob man beschnitten sein müsse oder nicht, um zur Jesus-Bewegung zu gehören. Da habe sich die frühe Kirche vom Judentum gelöst. „Die Kirche hätte sich damals nicht weiterentwickeln können, wenn sie nicht Mut gehabt hätte“, sagt Ret. Er lehnt daher Denkverbote ab.

Papst Johannes Paul II. war es, der 1994 die Diskussion über das Frauenpriestertum abgeräumt hat. Ein für alle Mal, wie er damals meinte. „Aber es kann doch nicht sein, dass wir nicht einmal mehr über diese Frage diskutieren können“, wundert sich Ret.

Ret wartet gelassen ab

Die Kirche könne sich nicht das Recht herausnehmen, den einen die Berufung zu ermöglichen und sie den anderen abzusprechen.

Und was jetzt? Was folgt auf die Solidaritätsaktion der Männer? Ret wartet gelassen ab. „Es heißt immer, wenn die Kirche Frauen als Priester zulasse, führe das zu einer Kirchenspaltung. Das dürfte eine laute Spaltung werden, mit heißen Diskussionen. Aber wenn sich nichts bewegt, ist es halt eine leise Kirchenspaltung, die wir jetzt schon haben. Weil nämlich Frauen, die sich bisher engagiert haben, aus Frust austreten.“ Seine haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen erzählten ihm von Kirchenaustritten ihrer Töchter und Enkeltöchter. Und sie hätten keine Argumente mehr für den Verbleib. Ret hat jedenfalls keine Angst vor einer Kirchenspaltung, denn „Angst ist ein schlechter Ratgeber“.

Im Dekanat Karlsruhe äußere er klar seine Meinung und sehe sich auch solidarisch unterstützt, viele Priester im Dekanat dächten ähnlich.

Eine Art Öffnungsklausel

Ret plädiert für eine Art Öffnungsklausel, also dass nationale Ortskirchen Priesterinnen zulassen können. Er nennt es die katholische Weite, das Sowohl-als-auch. Klar werde es Länder und Kontinente geben, die einen solchen Weg nicht mitgehen möchten. Aber das verunsichere ihn nicht.

Er jedenfalls würde sich sehr über Kolleginnen freuen. Aus seiner Sicht wäre das auch richtig so. Ret erinnert an einen Schriftgelehrten namens Gamaliel, der in der Apostelgeschichte auftritt. Dieser habe dem Hohen Rat dereinst ins Gewissen geredet, und dessen Position wendet Ret nun sinngemäß auf die Frauenfrage an: „Ist das Vorhaben von Menschen erdacht, so wird es untergehen; ist es aber von Gott, so wird es Bestand haben.“

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Erstellt:
30. Januar 2022, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 14sec

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