Priorisierung bei PCR-Tests nur eingeschränkt möglich

Baden-Baden/Karlsruhe (naf) – Jeder hat weiterhin Anspruch auf einen PCR-Test, allerdings sollen Labore bei Engpässen priorisieren. Haben diese überhaupt genügend Informationen über die Getesteten?

Keine Infos zu Getesteten: Täglich werden Proben tausender Menschen untersucht. Mehr als den Ort, an dem sie getestet wurden, kennen die Labore dabei nicht.Foto: Bernd Weißbrod/dpa

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Keine Infos zu Getesteten: Täglich werden Proben tausender Menschen untersucht. Mehr als den Ort, an dem sie getestet wurden, kennen die Labore dabei nicht.Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Mit der Ankündigung einer neuen Teststrategie und der Priorisierung von PCR-Tests warf Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) in den vergangenen Tagen einige Fragen auf. Beantwortet wurden sie nun doch recht einfach. Seit der Gesundheitsministerkonferenz am Montag ist klar: In Sachen PCR-Test ändert sich nicht so viel wie gedacht.
Der Anspruch auf PCR-Tests zum Nachweis einer Corona-Infektion soll für alle Menschen bestehen bleiben, vorrangig aber für Personen aus dem Gesundheitswesen zur Verfügung stehen. Darüber hat Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) am Montag nach einer Videoschalte mit ihren Länderkollegen informiert. Heißt: Jeder, der einen PCR-Test machen möchte, kann das unabhängig jeglicher Gründe auch tun – muss gegebenenfalls aber mit längeren Wartezeiten bis zu seinem Ergebnis rechnen. Denn sollten die Kapazitäten doch einmal knapp werden, ist die Priorisierung Aufgabe der Labore, so Grimm-Benne. Menschen aus dem Gesundheitswesen hätten dann Vorrang. Doch wie sollen Labore deren Tests bevorzugen, wenn ihnen keine zusätzlichen Informationen zu den abgegebenen Proben vermittelt werden?

Labore erhalten Überweisungsscheine

„Wir bekommen die Proben zusammen mit einem Auftragsschein“, erklärt Hendrik Borucki, Sprecher der Bioscientia-Labore mit Standorten unter anderem in Karlsruhe und Freiburg. Überweisungsscheine von Arztpraxen und Krankenhausscheine könnten so von denen, der im Auftrag des Gesundheitsamts arbeitenden Testzentren, unterschieden werden. Dadurch könne man „mit einigen Unschärfen“ schlussfolgern, welche Proben von Gesundheitspersonal stammt – das sich vermutlich eher im Krankenhaus als in einer externen Station testen lässt. Die Labore kennen also nur den Auftraggeber, nicht aber die getestete Person. Detailliertere Priorisierungen sind somit nicht möglich. „Gäbe es auf dem Schein die Ankreuzmöglichkeit ,ich habe mit vulnerablen Gruppen zu tun‘, dann könnte uns das helfen“, sagt Borucki. Noch bleibt das aber nur ein Vorschlag.

Neue Rekorde von Woche zu Woche

Was am Montag beschlossen wurde, sei hingegen nicht ganz neu. „In einem gewissen Umfang waren in der nationalen Teststrategie schon immer Priorisierungen festgelegt, die wir immer wenn es nötig war genutzt haben“, erklärt der Sprecher. Momentan sei man aber an keinem Bioscientia-Standort so weit. Auch wenn sowohl die Anzahl der Proben als auch die Positivenrate „deutlich und messbar“ zugenommen haben. „Seit drei, vier Wochen gibt es von Woche zu Woche einen neuen Rekord“, die Kapazitätsgrenze rücke also näher. Während im Sommer noch ein bis zwei Prozent der durchgeführten Tests positiv waren und vor Weihnachten etwa 15 Prozent, liegt die Positivrate laut Borucki mittlerweile zwischen 30 und 40 Prozent.

Ähnliches berichtet Jürgen Schönit, Vorsitzender der Ärzteschaft Rastatt: „Wir machen sehr, sehr viele Tests und fast alle sind positiv.“ Getestet werden in seiner Praxis nur Personen mit positivem Antigentest. Mit dieser Selektionierung „kriegen wir es momentan gerade noch so hin“, eine Kontaktnachverfolgung sei nicht möglich. Trotz Engpässen hält der Arzt die PCR-Testung aber weiterhin für sinnvoll: „Nur so wissen wir wirklich, wo wir momentan stehen.“ Die klassische hausärztliche Medizin leide hingegen darunter. „Wir können sie fast nicht mehr aufrecht erhalten.“


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