Private Impfinitiative: Städtische Unterstützung vermisst

Rastatt (ema) – Viel Lob bekommt der Rastatter Krankenhausarzt Dietmar Paul für seine private Impfinitiative. Weniger gut weg kommt die Stadtverwaltung wegen der äußeren Umstände der Aktion.

Die Impfstation ist nicht mehr auf dem Aldi-Parkplatz (Foto), sondern mittlerweile in der Karlsruher Straße angesiedelt. Impfwillige müssen trotzdem im Freien ausharren.Konstantin Stoll

© kos

Die Impfstation ist nicht mehr auf dem Aldi-Parkplatz (Foto), sondern mittlerweile in der Karlsruher Straße angesiedelt. Impfwillige müssen trotzdem im Freien ausharren.Konstantin Stoll

Die private Impfinitiative des Rastatter Krankenhausarztes Dietmar Paul zieht weitere Kreise. Das Interesse von Bürgern stabilisiert sich auf so hohem Niveau, dass der Mediziner jetzt ein Team aufbauen will, um der Nachfrage besser gerecht zu werden. Nachdem Paul mit der Impf-Offerte vom Aldi-Parkplatz in der Lützowerstraße auf das Areal der Kfz-Prüfstelle GTÜ in der Karlsruher Straße umgezogen ist – die Teststation verbleibt auf der Fläche des Discounters –, erfährt der Arzt nicht nur viel Zuspruch. Ihm komme auch Kritik zu Ohren, die sich an die Stadtverwaltung richtet. Demnach ist ein Leserbrief des Rastatters Wolfgang Raub an die Redaktion offenbar keine Einzelmeinung. Er rügt, dass Paul auf dem Aldi-Parkplatz bei Winterwetter unter erschwerten Bedingungen in einem Zelt seinen Dienst verrichten müsse. Diese Eigeninitiative sei eigentlich einer „Verdienstmedaille“ würdig, schreibt Raub. Stattdessen sehe es bei der Impfstation so aus: „Für den komfortverwöhnten Deutschen ein Dritte-Welt-Szenario – und trotzdem stehen die Menschen für den Pieks Schlange.“ Raub ärgert sich, dass die Stadt hier nicht mehr Unterstützung leiste.

Alohra kommt nicht infrage

Paul bestätigte gegenüber unserer Zeitung, dass er um angenehmere Bedingungen für alle Beteiligten bemüht gewesen sei und deshalb Kontakt mit der Stadtverwaltung aufgenommen habe. Sein Vorschlag, im stillgelegten Hallenbad Alohra zu impfen, sei im Rathaus wegen des Gebäudezustands abgelehnt worden. Sollte sich das Impfangebot verstetigen, könne man eine räumliche Lösung finden, erfuhr Paul von der Verwaltung. Dort hieß es auf Nachfrage dieser Zeitung, es liege kein schriftlicher Antrag vor.

Zwar hat sich zumindest für das medizinische Personal die Situation am neuen Standort gebessert, weil in den Büroräumen von GTÜ geimpft wird. Doch die Impfwilligen müssen weiter draußen ausharren – immerhin 80 bis 100 Personen pro Tag, so Paul, der seine Arbeit stark gewürdigt sieht, was in Spenden von Gasflaschen bis hin zu Speis und Trank Ausdruck finde. Der Mediziner will noch mal auf die Stadt zugehen, um eine geeignetere Raumlösung zu finden.

Der Arzt wird zwar mit erweitertem Team nicht die tägliche Öffnungszeit verlängern. Aber im Blick hat er ergänzende Schwerpunktaktionen an Wochenenden und Feiertagen. Dann könne man auch sechs Stunden am Stück impfen.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.