Pro und Contra zu Corona-Regeln über die Feiertage

Berlin (bms) – Kontaktbeschränkungen an Weihnachten und Silvester – für die einen sind die Regelungen zu streng, für die anderen müssten sie noch härter sein. Ein Pro und Contra:

Weihnachten wird dieses Jahr anders: Aber über das Ausmaß an Corona-Regeln wird gestritten. Foto: Sebastian Willnow/dpa

© dpa

Weihnachten wird dieses Jahr anders: Aber über das Ausmaß an Corona-Regeln wird gestritten. Foto: Sebastian Willnow/dpa

Pro: Die Debatte um den richtigen, also angemessenen Corona-Lockdown treibt in Deutschland seltsame Blüten, schon seit den ersten Ausbrüchen. Biergärten, Baumärkte, Bundesliga, Mallorca-Urlaub, Skisaison. Um all das wurde mit sehr viel Herzblut gerungen. Viel weniger wurde über die Todesopfer geredet, auch nicht jetzt, da jeden Tag so viele Menschen an Covid-19 sterben wie bei einem Jumbo-Absturz. Jetzt geht es um Weihnachten und Silvester, um „Feiertage im Kreis der Familie“. Auch der Großfamilie.

Totaler Lockdown ist einzige Möglichkeit

Angesichts der bundesweit hohen Infektionsrate und der erschreckenden Sterbezahlen wäre ein totaler Lockdown derzeit eigentlich die einzig richtige Maßnahme, um die Menschen effektiv auseinanderzuziehen und die Zahlen schnell wieder zu senken. Inklusive Ausgangssperren und Reiseverboten. So wie in den Nachbarländern. Aber in Deutschland schreckt man davor zurück, wegen der Akzeptanz und auch wegen der wirtschaftlichen Folgen. Wenn Schulen, Arbeitsstätten und Geschäfte aber sakrosankt sind, dann sollte man wenigstens nicht noch zusätzliche und unnötige Risiken eingehen. Genau das aber geschieht, wenn zehn Leute aus bis zu zehn Haushalten plus Kinder in einer womöglich kleinen Wohnung vom 23. Dezember bis zum 27. Dezember feiern dürfen. Wenn sie wollen, sogar durchgehend bis Silvester und Neujahr. Dazu kommen die entsprechenden Reisebewegungen

Feiertage als Superspreader-Ereignis

Auf diese Weise könnten die anstehenden Feiertage zum Superspreader-Ereignis werden, durch das viele weitere Leute krank werden und etliche sterben. Schmeckt da die Gans, kommt da Stimmung auf? Oh du Fröhliche? Alle Bundesländer sollten dem Beispiel Berlins folgen. Fünf Leute aus zwei Haushalten, plus Kinder. Das verringert auch an den Festtagen die Zahl der Kontaktmöglichkeiten effektiv. 2020 ist sowieso kein Feierjahr und wird auch keines mehr. Vergessen wir es also. Es ist schon stille Nacht. Werner Kohlhoff

Contra: Kanzleramtsminister Helge Braun hat zuletzt häufiger von seinem fiktiven „Onkel Karl“ gesprochen, um die Corona-Problematik auf den Punkt zu bringen. Neulich im Fernsehen wieder: Wenn es eine Regel gebe, die dazu führe, „dass Onkel Karl jetzt garantiert an Weihnachten nicht mit am Tisch sitzt“, dann würde das von den Menschen nicht verstanden. Helge Braun hat recht.

„Ein herber Schlag“

Weihnachten doch noch im verschärften Lockdown zu feiern, wäre ein herber Schlag gegen die Bereitschaft der Bürger, sich nach quälend langen Monaten weiter an die Corona-Regeln zu halten. Nicht jeder findet Weihnachten bedeutsam. Es bleibt aber das wichtigste, christliche Familienfest in diesem Land. Das kann man nicht ignorieren. Zumal schon zahlreiche Menschen der Vorgaben überdrüssig sind, weil die Politik nur noch scheibchenweise auf die Pandemie reagiert. Dass die Ferien vorgezogen und damit verlängert werden, soll ja Bürgern ermöglichen, vor dem Fest Kontakte einzuschränken und in eine vorsorgliche Quarantäne zu gehen. Auch ist für Weihnachten und Silvester keine Partyfreigabe erteilt worden.

Trotz Lockerung Vorsicht walten lassen

Es besteht in den meisten Ländern die Kontaktbeschränkung, wonach maximal zehn Erwachsene sich treffen dürfen. Die Menschen sind sensibel genug, um zu begreifen, dass man trotz der Lockerung Vorsicht walten lassen muss. Speziell gegenüber älteren Familienmitgliedern. Von denen haben einige in den Corona-Monaten die vielleicht größte persönliche Last getragen, weil sie zum Alleinsein verdammt gewesen sind. An Weihnachten darf sich das nicht wiederholen. Wie so oft in der Pandemie gilt: Die Verantwortung jedes Einzelnen ist gefragt, die Regeln einzuhalten und auch im Familienkreis auf Abstand zu gehen. Damit weder Weihnachten noch Silvester zum Spreader-Event werden. Am 24. Dezember wird die Polizei bestimmt nicht vor der Tür stehen, um die Einhaltung zu überprüfen. An Silvester aber vielleicht schon. Hagen Strauß


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.