Probleme im Sanierungsgebiet: Zuschuss abgelehnt

Bühl (BT) – Ein Wohnungseigentümer im Sanierungsgebiet Südlicher Stadteingang ist enttäuscht. Er bekommt keine Zuschüsse für die Modernisierung einzelner Wohnungen. OB Schnurr sagt: Das ist richtig.

Patrizierhaus: Das denkmalgeschützte Wohn- und Geschäftshaus in der Hauptstraße 29 wurde von 1895 bis 1896 gebaut. Foto: Ulrich Coenen

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Patrizierhaus: Das denkmalgeschützte Wohn- und Geschäftshaus in der Hauptstraße 29 wurde von 1895 bis 1896 gebaut. Foto: Ulrich Coenen

Vier Wohnungen in einem Kulturdenkmal mitten im Sanierungsgebiet südlicher Stadteingang besitzt Idris Cetin. In dieser Zeitung hat er im Dezember gelesen, dass dieses insgesamt achte Bühler Sanierungsgebiet bisher keine Erfolgsgeschichte ist. Das Interesse der Eigentümer, die ihre Immobilien mithilfe öffentlicher Zuschüsse instand setzen wollen, ist überschaubar.

Cetin wollte etwas tun. Schließlich ist das Haus Nummer 29 das prächtigste in der Hauptstraße und steht für den Wohlstand der Bühler Kaufleute nach der Stadterhebung 1835 und dem Anschluss an die Eisenbahn 1846. Cetin sieht in seinen Wohnungen einen erheblichen Sanierungsstau und stellte einen entsprechenden Antrag auf Fördermittel. „Der wurde leider abgelehnt“, berichtet er gegenüber dieser Redaktion und präsentiert den Brief aus dem Rathaus. „Eine sanierungsrechtliche Förderung ist nur möglich, wenn das komplette Gebäude saniert wird“, heißt es in dem Schreiben des Fachbereichs Finanzen – Beteiligungen – Liegenschaften.

Cetin ist enttäuscht. „Meine Wohnungen haben eine Elektroheizung, die ich durch eine Gasheizung ersetzen möchte“, berichtet er. Die Holzfenster seien undicht. Dadurch gelange Regen und Kälte in die Wohnungen. In einer Wohnung gebe es inzwischen Schimmel. Im Hinblick auf energetische Sanierungsmaßnahmen weist der Brief aus dem Fachbereich Finanzen – Beteiligungen – Liegenschaften immerhin auf eine andere die Möglichkeit der Förderung hin. Cetin solle deshalb Kontakt zum Klimaschutzmanager der Stadt aufnehmen.

Auf Nachfrage bestätigte Oberbürgermeister Hubert Schnurr (FW), dass die Entscheidung seiner Mitarbeiter korrekt ist. „Grundsätzlich können wird nur die Sanierung eines ganzen Gebäudes fördern, nicht aber einzelne Wohnungen“, erklärt er. Dies sei gesetzlich durch den Bund vorgegeben, die Kommune habe darauf keinen Einfluss. Schnurr hält dies aber für richtig. „Es macht nur Sinn, ein gesamtes Gebäude zu sanieren“, stellt er fest. „Es bringt nichts, in einzelne Wohnungen zu investieren, während das Gebäude insgesamt verfällt. Wohnungseigentümer müssen sich deshalb zusammenschließen, um Anspruch auf Subventionen zu haben.“

Im Fall der Hauptstraße 29 gibt es laut Schnurr aber ein weiteres Problem: „Herr Cetin hat lediglich zwei Gewerke beantragt, nämlich den Austausch der Fenster und die Erneuerung der Heizung. Für Zuschüsse müssen es aber nach den gesetzlichen Vorschriften grundsätzlich drei Gewerke sein.“

Proteste wegengeplanter Neubauten

Schnurr betont die Bedeutung des Kulturdenkmals Hauptstraße 29, das das Erscheinungsbild eines Patrizierhauses hat, für das Stadtbild und das Sanierungsgebiet. „Es wäre toll, wenn sich die Eigentümer zusammenschließen und das schöne Gebäude gemeinsam instand setzen.“ Dass nicht alle Wohnungseigentümer in einem Sanierungsgebiet mitmachen und eine Gebäudesanierung daran scheitert, ist für Schnurr ein Novum. „Es ist der erste Fall, an den ich mich erinnere“, meint er. „Glücklicherweise ist dies kein grundsätzliches Problem in unseren Sanierungsgebieten.“

Der OB setzt darauf, dass das Sanierungsgebiet nach dem Ende der Corona-Einschränkungen mehr „Drive“ erhält. „Wir führen Beratungsgespräche und planen eine Informationsveranstaltung für die Anwohner“, berichtet er.

Wie im Februar berichtet, gibt es im Sanierungsgebiet außerdem Anwohnerproteste wegen drei geplanter Neubauten in der zweiten Reihe an der Ostseite der Hauptstraße zwischen Bühlertalstraße und Robert-Koch-Straße. „Wir suchen nach einer Lösung mit dem Investor“, sagt Schnurr. Grundsätzlich sei die Nachverdichtung mit Flachdächern in der zweiten Reihe erwünscht. „Die Dimensionen der Neubauten sind natürlich von der Umgebung abhängig. Außerdem müssen die notwendigen Stellplätze nachgewiesen werden.“

Zum Thema:

Südlicher Stadteingang: Das Sanierungsgebiet ist 13,5 Hektar groß. Es erstreckt sich entlang der Hauptstraße von der Bühlotbrücke bis zur Robert-Koch-Straße und umfasst ebenfalls das alte Forsthaus. Auch das katholische Gemeindehaus, der Stadtgarten und die Eisenbahnstraße bis zur Herbert-Odenheimer-Straße gehören dazu. Der unmittelbare südliche Stadteingang im Anschluss an den Jäger-Kreisel ist allerdings nicht einbezogen.

Kernstück: In der südlichen Hauptstraße stehen zweigeschossige Bestandsbauten des 18. bis 19. Jahrhunderts neben dreigeschossigen flach gedeckten modernen Wohn- und Geschäftshäusern. Bei Neubauten entlang der Erschließungsstraßen im Sanierungsgebiet (auch in der Hauptstraße) schreibt die Satzung ein Satteldach vor.

Patrizierhaus: Das prächtigste Wohn- und Geschäftshaus Bühls aus dem 19. Jahrhundert steht im südlichen Abschnitt der Hauptstraße. Das dreigeschossige Haus mit der Nummer 29 orientiert sich am Vorbild des Manierismus des späten 16. Jahrhunderts. Es wurde 1895 bis 1896 vom Architekten Ludwig Kuen als Wohnhaus, Kontor und Ladengeschäft der Lederfabrik Karl Kuen errichtet. Sandsteindekorationen, zwei Portale, ein zweigeschossiger Erker und ein Satteldach mit Giebeln prägen den Bau.

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