Produktionsstopp bei Daimler in Rastatt

Rastatt (fk) – Daimler stoppt seine Produktion in Rastatt bis zum 3. Mai und schickt die Belegschaft in Kurzarbeit. Grund sind fehlende Teile durch Lieferprobleme seitens der Zulieferer.

Mercedes-Produktion in Rastatt: Das Werk fährt bis Anfang kommenden Monats seine Fertigung herunter. Foto: Deck/dpa//BT-Archiv

© dpa

Mercedes-Produktion in Rastatt: Das Werk fährt bis Anfang kommenden Monats seine Fertigung herunter. Foto: Deck/dpa//BT-Archiv

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate muss der Autobauer Daimler seine Belegschaft im Rastatter Werk in Kurzarbeit schicken. Grund sind abermals fehlende Teile durch Lieferprobleme seitens der Zulieferer. Das geht aus einem internen Dokument hervor, das der Konzern am Dienstag an seine Mitarbeiter versandte und das dem BT vorliegt.
Demnach soll die Belegschaft schon am Mittwoch mit dem Abbau von Überstunden beginnen, offizieller Start der Kurzarbeit ist dem Dokument zufolge mit der Frühschicht am Freitag, 23. April. Mit diesen Maßnahmen samt Produktionsstopp reagiere man, so schreibt Daimler an seine Mitarbeiter in Rastatt, auf die weiterhin schwierige Liefersituation der Halbleiter. Dabei handelt es sich um elektronische Bauteile und Chips, die unter anderem für die Steuerelektronik der modernen Fahrzeuge unabdingbar sind.

„Können Produktion nicht aufrecht erhalten“

„Ohne diese Teile können wir die Produktion in Rastatt nicht aufrecht erhalten“, schreibt Daimler in dem Infopapier für seine Angestellten. Von offizieller Seite war weder vor Ort noch aus der Pressestelle in der Stuttgarter Konzernzentrale am Dienstag trotz mehrmaliger Nachfrage eine Aussage zu bekommen. Nach ersten, internen Informationen bezieht sich das Problem aber vorerst wohl nur auf den Standort Rastatt.

Dort wird dem internen Papier zufolge die Produktion von heute ab bis zum 3. Mai eingestellt. Nach BT-Informationen will der Autobauer in Rastatt allerdings bis zum 17. Mai nur mit reduzierter Arbeitskraft (50 Prozent Anwesenheit) weitermachen.

Im Daimler-Werk in Rastatt werden unter anderem die Mercedes A- und B-Klasse gebaut, aber auch sogenannte Kompakt-SUVs wie GLA und GLB. Dort laufen die Modelle mit klassischem Verbrenner vom selben Band wie die Fahrzeuge mit Plug-in-Hybridantrieb. Insgesamt sind dem 1992 gegründeten Werk 6.500 Beschäftigte zugeordnet.

Problematik trifft viele Hersteller

Die Chip- und Halbleiterprobelmatik trifft Daimler nicht allein. Im Interview der „Wirtschaftswoche“ erklärte der Fondsmanager Markus Golinski kürzlich: „Marktschätzungen gehen davon aus, das alleine im ersten Quartal die Produktion von rund einer Million Autos durch fehlende Sensoren und Microcontroller betroffen ist und sich die Lieferzeiten für diese Bauteile mehr als verdoppelt haben.“ Viele Chiphersteller hatten sich, nach einem coronabedingten Einbruch beim Autoabsatz letztes Jahr in Richtung Unterhaltungselektronik umorientiert und kommen nun genauso wie die Zulieferer nicht schnell genug mit der Produktion für die schnell wiedererstarkte Autobranche hinterher.

Zum Artikel

Erstellt:
20. April 2021, 20:22 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 09sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.