Projekt eWayBW: „Eine lange und große Baustelle“

Murgtal (tom) – Im BT-Interview erläutert Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder die Bauarbeiten für die Oberleitungsteststrecke an der B462.

Als Murgtälerin kennt Sylvia Felder die B 462 bestens. Ihre Behörde, das Regierungspräsidium Karlsruhe, ist für die Abwicklung der eWayBW-Baustelle verantwortlich. Foto: Senger

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Als Murgtälerin kennt Sylvia Felder die B 462 bestens. Ihre Behörde, das Regierungspräsidium Karlsruhe, ist für die Abwicklung der eWayBW-Baustelle verantwortlich. Foto: Senger

Sylvia M. Felder aus Gernsbach ist seit April 2019 Regierungspräsidentin des Regierungsbezirks Karlsruhe. Ihre Behörde ist mit der Ausführung eines der größten Straßenbauprojekte in der Region befasst, der Einrichtung der Oberleitungsstrecke für das Pilotprojekt eWayBW. Im Gespräch mit BT-Redakteur Thomas Senger geht es aber nicht nur um das Großvorhaben eWayBW, sondern auch um Hochwasserschutz und Schulleiterstellen.

BT: Frau Felder: Sie wohnen in Gernsbach, Ihr Arbeitsplatz ist in Karlsruhe. Wie stark sind Sie persönlich von der Baustelle tangiert?

Sylvia Felder: Zu meinem Dienstsitz in Karlsruhe fahre ich morgens mit der Bahn, bei Terminen vor Ort im Regierungsbezirk nutze ich häufig den Dienstwagen. Das geht auch gar nicht anders, wenn man von Nagold bis Buchen unterwegs ist. Ansonsten bin ich von der Baustelle so wie auch alle anderen Menschen im Murgtal tangiert.

BT: In der Onlineveranstaltung zu eWayBW hat Verkehrsminister Winfried Hermann empfohlen, Fahrgemeinschaften zu bilden oder einen Shuttlebus zu nutzen. Was halten Sie davon? Für Sie selbst kann das sicher keine Alternative sein, oder?

Felder: Ich denke, dass dies schon viele Pendler im Murgtal machen, wie zum Beispiel die Benz-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter in Gaggenau oder Rastatt. Wir haben einen guten Stadtbahnanschluss, aber wenn es um „die letzte Meile“ geht, ist es eben oft einfach praktischer, mit dem Auto zu fahren, wenn man zum Beispiel auf dem Nachhauseweg noch etwas zu erledigen hat.

BT: Wie ist denn Ihre persönliche Einstellung zu diesem Projekt und seiner Durchführung im Murgtal?

Felder: Das Regierungspräsidium hat die Aufgabe, dieses landespolitische Projekt bestmöglich umzusetzen. Ich habe dafür die fachliche Verantwortung, die losgelöst von einer persönlichen Meinung ist.

BT: Sicher keine leichte Konstellation: Einerseits Ihre Partei, die CDU, die sich im Murgtal deutlich gegen das Vorhaben positioniert, andererseits sind Sie und Ihr Haus Ausführungsorgan des grünen Verkehrsministeriums.

Felder: Ich habe das Amt gewechselt und mit dem Wechsel des Amtes wechselt man nicht unbedingt die Meinung, aber die Verantwortlichkeit. Meine damalige Einschätzung als Landtagsabgeordnete ergab sich aus den regionalen Folgewirkungen, die auch Viele in der Bevölkerung sehen. Meine aktuelle Beamtenverpflichtung beinhaltet die behördliche Umsetzung des Projektes. Wir haben hier eine Riesenbaustelle und unsere Aufgabe im Regierungspräsidium ist es, diese gut zu managen, damit es möglichst wenige Probleme gibt.

BT: Im Murgtal erinnert man sich, wie es im Oktober 2016 beim Bau der Lärmschutzwand bei Ottenau wegen schlechter Ampelschaltungen zu stundenlangen Staus kam und sich alle Fahrzeuge durch die Gaggenauer und Ottenauer Hauptstraße quälen mussten. So etwas wollen die Leute nicht noch einmal erleben.

Felder: Der Abschnitt Ottenau ist genau die Stelle, die aus dem Projekt herausgefallen ist. Also haben wir dort die Belastungen der Ortsdurchfahrten nicht. Was bleibt, ist die vierspurige Strecke zwischen Rastatt und dem Unimog-Museum. Jede Baustelle ist eine Herausforderung und es braucht immer ein paar Tage, bis sich alles eingespielt hat. Unsere Planer werden das Geschehen beobachten und wenn nötig auch an den Signalanlagen nachbessern, sofern dies technisch möglich ist. Aber klar ist: Es ist eine lange und große Baustelle, die auf der Lebensader des Murgtals nicht ohne Belastung vonstattengeht.

Verlängerungsoption noch unsicher

BT: Ein Problem werden Schleichstrecken sein, wie der Radweg entlang der B 462 bei Oberndorf oder die Ortsdurchfahrten Gaggenau, Bad Rotenfels, Bischweier.

Felder: Wir geben keine offizielle Umleitungsempfehlung heraus, weil wir den Verkehr nicht in die Ortsmitten lotsen wollen. Wenn eine Vollsperrung nach einem Unfall erforderlich sein sollte, wird die Polizei entsprechend umleiten. Außerdem können die Rettungskräfte dann den für Baufahrzeuge vorgesehenen linken Fahrstreifen der gesperrten Richtungsfahrbahn nutzen.

Es ist richtig, dass bei den jüngsten Baumaßnahmen an der B 462 öfter der parallele Radweg von Oberndorf bis zum Unimogmuseum widerrechtlich befahren wurde. Wir stehen derzeit in Gesprächen mit den Gemeinden und der Verkehrsbehörde, durch welche Maßnahmen dies unterbunden werden kann. Eine Möglichkeit wäre beispielsweise die Aufstellung von Betonelementen oder mobilen Absperrschranken.

BT: Was meinen Sie heute: Wenn es eine Nachfolgenutzung geben könnte, sollten die Masten dann bleiben?

Felder: Das ist eine politische Entscheidung und liegt nicht in meiner Befugnis. Aber klar ist, dass wir dann ein Planfeststellungsverfahren brauchen würden, welches mindestens ein Jahr Zeit benötigt. Allein die dafür notwendige Umweltverträglichkeitsprüfung dauert mindestens eine Vegetationsperiode, eventuelle Einwendungen gegen das Projekt sind da noch nicht berücksichtigt.

BT: Im Blickpunkt steht bislang vor allem der Bauabschnitt eins zwischen L 67 und L 77 mit Verlängerungsoption um 600 Meter.

Felder: Die Verlängerungsoption ist die große Kurve bei Kuppenheim. Deren Elektrifizierung ist im Moment technisch nicht realisierbar. Die Firma Siemens entwickelt auf einem Testgelände derzeit die vorhandene Technik weiter.

BT: Worin besteht das technische Problem?

Felder: Da die technische Umsetzung der Firma Siemens obliegt, kann ich dazu keine Aussage treffen.

BT: Die technische Infrastruktur des Pilotprojekts ist durchaus beeindruckend.

Felder: Für beide Bauabschnitte sind insgesamt 196 Masten geplant, jeder davon ist rund elf Meter hoch. Die Oberleitungstechnologie kommt ja aus dem Bahnbau. Im Straßenverkehr werden jedoch zwei Fahrdrähte benötigt. Wir haben also eine Modifikation vom Schienenverkehr für die Straße. Daher rührt die notwendige Breite und deshalb kann der Sicherheitsabstand für die Arbeiter nur gewährleistet werden, wenn während der Bauzeit eine Fahrbahn komplett gesperrt wird.

BT: Technische Herausforderungen, damit hat Ihr Haus auch bei einem anderen Thema zu tun: dem Hochwasserschutz. Das RP ist für Gewässer erster Ordnung zuständig, zum Beispiel die Murg. Wenn wir auf das ehrgeizige Projekt Pfleiderer-Areal in Gernsbach blicken, so tangiert die Entwicklung des im Untergrund kontaminierten Areals die Hydrologie in wesentlichem Umfang. Womit befassen sich Ihre Mitarbeiter derzeit?

Felder: In Gaggenau und Gernsbach geht es darum, den Hochwasserschutz an der Murg zu verbessern. Die Hochwassergefahrenkarten zeigen für Gaggenau und Gernsbach teilweise ab fünfzigjährlichen Hochwasserereignissen eine Hochwassergefährdung durch die Murg. Unser Landesbetrieb Gewässer im Regierungspräsidium Karlsruhe ist intensiv damit beschäftigt, entsprechende Lösungen für einen bestmöglichen Schutz der Bevölkerung vor Hochwasser zu finden. Besonders komplex gestaltet sich die durch hohe Altlasten bedingte Situation für eine notwendige Gewässeraufweitung im Bereich Pfleiderer-Areal. Hier müssen wir weitere Untersuchungsergebnisse abwarten.

BT: Wie ist der Stand derzeit?

Felder: In Gaggenau wird aktuell eine Machbarkeitsstudie zur „Herstellung des Hochwasserschutzes an der Murg im Stadtgebiet Bereich Schillerbrücke bis Pegel Rotenfels“ erarbeitet. In Gernsbach wurde die Machbarkeitsstudie bereits letzten November fertiggestellt. Hier prüfen wir gerade mit oben genannten weiteren Untersuchungen, ob die Umsetzung einer Hochwasserschutzkonzeption, bestehend aus mehreren Teilmaßnahmen, möglich und zielführend ist. Eine Teilmaßnahme ist dabei die Gewässeraufweitung im Bereich Pfleiderer-Areal.

BT: Sehr viel schneller, schon zum Beginn des neuen Schuljahrs, sollen entscheidende personelle Weichenstellungen Murgtäler Schulen erfolgt sein: Was können Sie für die Realschule Gernsbach, Goethe-Gymnasium, Carl-Benz-Schule und Grundschule Hörden bekanntgeben?

Felder: Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir die Schulleitungsstellen zum neuen Schuljahr besetzen und wie bisher auch eine gute Schulversorgung im Murgtal gewährleisten können.

Ab Samstag: Überleitung

Für den Bau der Oberleitung wird ab Samstag, 13. Juni, bis 21. August der Verkehr auf der B 462 in Richtung Freudenstadt zwischen den Anschlussstellen L 67 Kuppenheim und L 77 Oberndorf auf die Gegenfahrbahn übergeleitet. Beide Anschlussstellen bleiben voll funktionsfähig. Beim Anschluss der K 3714 nach Bischweier ist die Abfahrt B 462 nicht möglich. Wer nach Bischweier will, kann an der nächsten Anschlussstelle wenden und in Gegenrichtung von der B 462 nach Bischweier abfahren.


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