Projekt für ältere Obdachlose in Oos

Baden-Baden (nof) – Einsamkeit soll überwunden werden: Mit dem Förderprojekt „NIS“ sollen ältere Obdachlose in Oos unterstützt werden. Dafür sucht die Caritas noch ehrenamtliche Helfer.

Sozialarbeiterin Anna-Lena Klumpp stattet Johann Gauder in dessen neuer Unterkunft einen Besuch ab. Foto: Caritas

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Sozialarbeiterin Anna-Lena Klumpp stattet Johann Gauder in dessen neuer Unterkunft einen Besuch ab. Foto: Caritas

Rund 260 Menschen leben in der Kurstadt in einer obdachlosenrechtlichen Unterbringung. „Doch die Wohnungslosigkeit ist für viele gar nicht das Hauptproblem“, weiß Christian Frisch, Fachbereichsleiter der Caritas-Wohnungslosenhilfe. Vor allem ältere Obdachlose mit körperlichen Beeinträchtigungen „haben einen hohen individuellen Leidensdruck“.

Die räumliche Isolation und Perspektivlosigkeit dieser Menschen sei aufgrund des vorangeschrittenen Lebensalters besonders hoch, so Frisch. „Vor allem die Einsamkeit macht ihnen zu schaffen.“ Und die Zahl der Betroffenen ist groß: Etwa jeder Fünfte hat zum Zeitpunkt seiner Aufnahme in eine obdachlosenrechtliche Unterbringung das 51. Lebensjahr beendet. „Jahrelange Wohnungslosigkeit und widrige Lebensumstände aufgrund von Suchterkrankungen und psychischen Problemen schlagen auf die Gesundheit“, macht Frisch deutlich, dass viele seiner Klienten deutlich älter wirken, als sie tatsächlich sind. Umso mehr freut er sich, dass es der Stadt Baden-Baden gelungen ist, mit dem Projekt „Stadtteil Oos – NIS 2019“ des Landeswirtschaftsministeriums finanziell berücksichtigt worden zu sein. NIS steht dabei für nichtinvestive Städtebauförderung.

Ältere Wohnungslose sollen aktiviert werden

Das von der Caritas getragene Projekt soll dazu beitragen, die älteren Wohnungslosen, die bislang unter anderem in der Westlichen Industriestraße untergebracht waren, „zu aktivieren und in das gesellschaftliche Leben des Quartiers sowie der lokalen Gemeinschaft einzubinden“, skizziert Frisch die Ziele. Hierzu zähle auch eine Heranführung an ein selbstbestimmtes Leben im Rahmen eines Betreuten Wohnens, um eine obdachlosenrechtliche Unterbringung dauerhaft zu überwinden.

Dafür stellt die Caritas in der Ooser Bahnhofstraße Wohnraum nahe dem Caritasheim für Wohnungslose zur Verfügung. Zugangsberechtigt sei, wer das 55. Lebensjahr erreicht hat, eine körperliche Behinderung oder Beeinträchtigung aufweist und in einer städtischen Einrichtung obdachlosenrechtlich untergebracht ist.

„Unsere Kapazitäten reichen für etwa sechs Personen“, so Frisch. Betreut werden sie unter anderen von Sozialarbeiterin Anna-Lena Klumpp, die seit Mitte Februar für das Projekt aktiv ist, und kurze Zeit nach dem Erstkontakt mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen hatte: „Vor allem dadurch, weil die Zielgruppe des Projekts zum Personenkreis mit einem höheren Risiko für einen schweren Covid-19-Krankheitsverlauf gehört“, berichtet sie von ihren Erfahrungen: Das „Kennenlernen unter Corona-Schutzmaßnahmen stellte eine besondere Herausforderung dar.“ Ein Problem sei die Erreichbarkeit gewesen, blickt Frisch zurück. „Wir haben unsere Klienten erst mal mit gespendeten Handys ausgestattet.“ Die sozialtherapeutische Tätigkeit sei weitreichend: „Das reicht von der Beantragung des Pflegegrads bis hin zur Schuldnerberatung oder der Begleitung zu einem Arzt, wo viele schon seit Jahren nicht mehr gewesen sind“, zählt Frisch auf. Für die Menschen gehe es aber auch um soziale Kontakte. „Sie freuen sich, wenn sich endlich mal jemand für sie Zeit nimmt, mit ihnen spricht und ihnen zuhört.“

Ehrenamtliche ohne Berührungsängste gesucht

Und eben diese soziale Ebene wollen Frisch und Klumpp noch weiter ausbauen. „Wir suchen Ehrenamtliche ohne Berührungsängste, die sich einbringen möchten.“ Zum Plaudern oder mal als Begleitung beim Einkaufen oder Arztbesuch, zählt Frisch einige Möglichkeiten der Mitwirkung auf. Wer Interesse hat, kann sich unverbindlich mit Christian Frisch unter (0 72 21) 1 83 40 12 in Verbindung setzen. Von der Einbindung in das Alltagsgeschehen mit Hilfe Ehrenamtlicher erhoffen sich Frisch und Klumpp eine Sensibilisierung der Bürger für ihre Klienten und deren Lebenslage. „Langfristig wird damit auch ein gestärktes Quartierbewusstsein für die Bedürfnisse und Belange dessen Bewohner einhergehen“, so Frisch.

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Erstellt:
25. November 2020, 20:00 Uhr
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