Projekt stärkt die Vater-Kind-Bindung

Gernsbach (galu) – Männer mit Migrationshintergrund erleben auf dem Weidenhof soziale Integration mit ihrem Nachwuchs.

Wildnispädagoge Simeon Küper lässt den Kindern beim Projekt auf dem Weidenhof Platz für eigene Impulse und Ideen, was diese gerne annehmen. Foto: Verein „Pferde bewegen Menschen“

© BT

Wildnispädagoge Simeon Küper lässt den Kindern beim Projekt auf dem Weidenhof Platz für eigene Impulse und Ideen, was diese gerne annehmen. Foto: Verein „Pferde bewegen Menschen“

„Männer erleben soziale Integration mit ihren Kindern“, kurz MEIK, heißt das neue Integrationsprojekt des Diakonischen Werks des Evangelischen Kirchenbezirks Baden-Baden und Rastatt. In Kooperation mit dem Verein „Pferde bewegen Menschen“ findet es derzeit auf dem Weidenhof in Staufenberg statt. Dort hat am Freitag der erste Block des jeweils dreiwöchigen Angebots geendet.

Vollauf zufrieden mit dem ersten Durchlauf sind die beiden Zuständigen der Diakonie, Sabine Sudadze und Theresa Kräling. „Es ist ganz gut angelaufen, dafür, dass es große Startschwierigkeiten gab“, fassen die Beiden den zurückliegenden Block zusammen. Besonders die Corona-Pandemie habe für viele kleinere Probleme gesorgt. Bis zum zweiten Block im Juli wolle man noch an den entsprechenden Stellschrauben drehen, damit dann ein reibungsloser Ablauf möglich ist.

In den ersten zwei Wochen eines MEIK-Blocks stehen die Männer selbst im Vordergrund. Die Erwachsenen zwischen 18 und 50 mit Migrations- oder Fluchthintergrund sowie guter Bleibeperspektive sollen in der sogenannten Orientierungsphase zunächst ihre eigenen Fähigkeiten und sich selbst besser kennenlernen. Dazu werden die Teilnehmer auf dem Weidenhof in einen strukturierten Alltag eingebunden.

Die Tätigkeiten sind dabei vor allem aus den Bereichen Handwerk, sozial-ökologische Landwirtschaft, Tierpflege oder Hauswirtschaft – stets unter sozial- und arbeitspädagogischer Betreuung und Anleitung. So wurden im Rahmen des Projekts Fenster und Türen des Weidenhofs renoviert und kleinere Tischlerarbeiten erledigt.

Erlebniswoche mit vorwiegend wildnispädagogischen Angeboten

Die dritte Woche des Blocks, die Erlebniswoche, findet mit den Kindern der Teilnehmer statt und soll insbesondere die Vater-Kind-Bindung stärken, betonen die Veranstalterinnen. Dabei stehen vorwiegend wildnispädagogische Angebote im Fokus.

So konnten die Teilnehmer beispielsweise gemeinsam mit ihren Kindern selbst Holundersirup, Kräutersalz und Ringelblumensalbe herstellen, blickt Wildnispädagoge Simeon Küper zurück. Küper ist seit mehr als vier Jahren im Verein „Pferde bewegen Menschen“ aktiv und hat selbst eine Zeit lang dort gelebt. Wichtig sei ihm dabei gewesen, auch Platz für eigene Impulse und Ideen der Teilnehmer zuzulassen. Besonders die Kinder haben das dankbar angenommen und sich aktiv eingebracht, erzählt er im BT-Gespräch.

Das Projekt MEIK entstand 2020 über eine Ausschreibung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Gemeinsam mit Frauke Kess, Besitzerin des Weidenhofs und Vorsitzende des Vereins „Pferde bewegen Menschen“, reichte Sabine Sudadze das Angebot zur Förderung ein – und bekam diese als eins von drei Projekten bewilligt. Dabei war den beiden Frauen aufgefallen, dass es wenig Integrationsprojekte für Männer gibt und diese generell weniger häufig unterstützt würden. Somit war die Idee eines integrativen Angebots auf dem Gelände des sozial-ökologischen Landwirtschaftsbetriebs in Staufenberg geboren.

Zusammen mit Uwe Burkhardt übernimmt Kess vor allem die Projektleitung vor Ort in Zusammenarbeit mit den Pädagogen, während Sudadze und Kräling sich insbesondere um organisatorische Fragen kümmern. Das Projekt ist auf drei Jahre befristet. Im Optimalfall sollen vier Blöcke pro Jahr stattfinden. Dabei sind jeweils fünf bis acht Männer mit ihren Kindern (zwischen sechs und 14 Jahre alt) für drei Wochen auf dem Weidenhof.

Sofern es die Pandemie-Lage zulässt, findet der nächste MEIK-Block mit fünf Teilnehmern vom 19. Juli bis 6. August statt. Die Teilnahme ist kostenlos, Fahrdienste für die Teilnehmer können organisiert werden. Anmeldungen können per E-Mail an sabine.sudadze@diakonie.ekiba.de oder theresa.kraeling@diakonie.ekiba.de gesendet werden, alternativ ist eine telefonische Anmeldung möglich unter: (0 72 22) 5 02 77 23 (Sudadze) oder (0 72 22) 5 02 77 25 (Kräling).

Zusätzliche Informationen können direkt beim Diakonischen Werk des Evangelischen Kirchenbezirks Baden-Baden und Rastatt eingeholt werden per E-Mail an info@diakonie-bad-ra.de.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.