Prozess gegen Arzt aus Baden-Baden: Urteil am 6. Dezember

Baden-Baden (sga) – Im Missbrauchsprozess gegen einen Arzt aus Baden-Baden sind unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Plädoyers gehalten worden. Weiter bleiben einige Fragen ungeklärt.

Nach sieben Verhandlungstagen geht der Missbrauchsprozess gegen einen Baden-Badener Arzt dem Ende entgegen. Am 6. Dezember soll das Urteil verkündet werden. Foto: Volker Hartmann/dpa

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Nach sieben Verhandlungstagen geht der Missbrauchsprozess gegen einen Baden-Badener Arzt dem Ende entgegen. Am 6. Dezember soll das Urteil verkündet werden. Foto: Volker Hartmann/dpa

Sieben Verhandlungstage, stundenlange Anhörungen und mehrere Zeugen: Die Vorwürfe gegen einen Arzt aus Baden-Baden, die dabei erhoben wurden, sind schwer. Ob er sich tatsächlich an seinen Patientinnen vergangen hat, bleibt weiter ungeklärt. Das Urteil soll am 6. Dezember folgen.

Am Montag wurden nach geschlossener Beweisaufnahme die Plädoyers gehalten – unter Ausschluss der Öffentlichkeit und der Presse. Was Verteidiger Edgar Gärtner sowie die Staatsanwaltschaft forderten, blieb im Laufe des Tages unbeantwortet. „In dem laufenden Verfahren kann ich keine Auskunft geben“, antwortete Staatsanwalt Michael Klose auf BT-Nachfrage. Auch seitens des Landgerichts Baden-Baden blieb eine Antwort aus.

In dem Prozess gegen den 56-Jährigen sind viele Stimmen laut geworden, doch der Vorwurf blieb immer der gleiche: Ehemalige Patientinnen berichteten von Behandlungen, während denen es, teils immer wieder, zu sexuellen Übergriffen gekommen sein soll. Ausschlaggebend für das laufende Verfahren ist jedoch die Anzeige der Nebenklägerin, die dem Mediziner in einem Fall Vergewaltigung vorwirft.

Aussagen decken sich nicht

Doch was der 44-Jährigen in den Behandlungsräumen des Mannes widerfahren sein soll, der seit über 30 Jahren als Arzt tätig ist und seit 2008 eine Praxis in Baden-Baden führt, bleibt selbst während des Prozesses unklar – unter anderem, weil sich „ihre eigenen Aussagen widersprechen“, wie Verteidiger Gärtner immer wieder betonte. „Wir haben hier völlig verschiedene Versionen der mutmaßlichen sexuellen Handlungen.“

In der Tat unterscheidet sich das, was die 44-jährige Nebenklägerin unter anderem einem Freund aus Berlin (Der Arzt soll seinen Finger in ihre Vagina geführt haben) und einer engen Vertrauten (Der Arzt soll mit seiner Zunge in sie eingedrungen sein) erzählt haben soll. In einer Sache waren sich alle geladenen Zeugen hinsichtlich des Gedankengangs der Nebenklägerin aber einig: Die in Baden-Baden lebende und in Darmstadt arbeitende Frau mache sich bis heute schwere Vorwürfe, weil sie zu keinem Zeitpunkt in das Geschehene eingegriffen und somit dem Arzt nicht zu verstehen gegeben habe, dass die Handlungen gegen ihren Willen passieren.

„Ich habe nicht wirklich verstanden, wieso sie nicht aufgestanden und gegangen ist“, erinnerte sich ihr Freund aus Berlin. Er habe mehrfach mit ihr telefoniert, und sie soll bereits während der ersten Gespräche von einer „Nähe“ des Arztes erzählt haben. Als dieser sie geküsst haben soll, „hat sie sich überlistet gefühlt“, doch auch zu diesem Zeitpunkt nichts zu ihm direkt gesagt. Mit ihrem Ehemann habe sie bis heute nur wenig über das Geschehene gesprochen. Dafür hat sie allerdings einen Mitarbeiter der Ärztekammer Hessen kontaktiert und auch während eines Termins beim Hausarzt über den Vorfall geredet.

„Man ist immer extrem nah“

Nahezu deckungsgleich mit den Aussagen anderer ehemaliger Patientinnen war die Beschreibung der osteopathischen Griffe. Demnach soll der Arzt die Frauen immer dazu aufgefordert haben, sich bis auf die Unterhose zu entkleiden. Immer wieder demonstrierte der Angeklagte dem Gericht an einem Skelett die Griffe, die er an seinen Patientinnen angewandt haben soll: „Man ist immer extrem nah“, egal ob bei Mann oder Frau, und: „Es interessiert mich nicht, wer das ist – der Griff muss stimmen.“ Die Patientinnen hätten die Behandlung lediglich sexualisiert wahrgenommen, doch „hier geht es nicht um Gefühle, sondern um Tatsachen“. Und Tatsache sei, dass er niemandem gegenüber sexuell übergriffig geworden sei. „Ich bin sprachlos, das ist eine völlig andere Welt“, sagte der Mediziner.

Während des laufenden Prozesses haben sich laut Staatsanwaltschaft mehrere ehemalige Patientinnen des Arztes bei der Polizei gemeldet, die durch die Berichterstattung auf den Fall aufmerksam geworden sind. Laut dem Vorsitzenden Richter Wolfgang Fischer können diese Frauen jedoch nicht als Zeuginnen hinzugenommen werden, da die jeweiligen Ermittlungen noch laufen.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Gallenberger

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Erstellt:
29. November 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 52sec

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