Prozess gegen Bühler unterbrochen

Bühl (up) – Der Prozess gegen einen 31-Jährigen am Amtsgericht Baden-Baden wegen Körperverletzung muss unterbrochen werden. Der Grund: Daten einer Überwachungskamera müssen noch ausgewertet werden.

Der Angeklagte soll seine Ehefrau mehrfach geschlagen und Geld von ihr gefordert haben. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

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Der Angeklagte soll seine Ehefrau mehrfach geschlagen und Geld von ihr gefordert haben. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Das Schöffengericht am Amtsgericht hat am Mittwoch die Hauptverhandlung gegen einen 31 Jahre alten Mann aus Bühl unterbrochen. Der Grund ist, dass zunächst Aufnahmen von einer Überwachungskamera an einem Geldautomaten eingeholt werden müssen.
Dem Mann wird vorgeworfen, im Juli 2019 an zwei Tagen seine Ehefrau mehrfach geschlagen und einmal gezwungen haben, ihm Geld zu geben, um damit in eine Spielhalle gehen zu können.

Barfuß mit Kind zur Polizei geflohen

Der Mann gab außerdem an, er sei zu 50 Prozent schwerbehindert, weil er an paranoider Schizophrenie erkrankt sei. Im Jahr 2010 habe es begonnen, dass er Stimmen hörte und Visionen wahrnahm, berichtete er dem Gericht. Kurz zuvor sei er aus dem Gefängnis entlassen worden.

„Seit ich Medikamente nehme, habe ich keine Probleme mehr mit Aggressionen“, sagte er und gab an, zum Einschlafen zusätzlich Beruhigungsmittel einzunehmen. Mehrmals habe er sich zur Behandlung in psychiatrische Fachkliniken begeben. Zu den Vorwürfen äußerte er sich nicht.

Problematisch gestaltete sich zunächst die Vernehmung seiner Ehefrau, die in dem Verfahren als Nebenklägerin auftritt. Ihre Anwältin Susanne Cronauer teilte dem Gericht mit, ihre Mandantin sehe sich nicht in der Lage in Anwesenheit des Ehemannes auszusagen.

Dieser wurde daraufhin in ein Nebenzimmer gebracht, wo er der Vernehmung auf einem Monitor folgen konnte. Die Frau war im Zeugenstand dennoch sichtlich mitgenommen und fing mehrfach an zu weinen. Ihr Mann habe sie bedroht und angekündigt, ihr nach der Verhandlung etwas anzutun.

Die Hochzeit im Jahr 2014 hätten ihre Eltern arrangiert, dass ihr Mann psychisch krank ist, habe sie damals nicht gewusst, sagte das mutmaßliche Opfer aus. An einem der Tattage habe er sie mit der Faust ins Gesicht geschlagen, weil sie ihm das geforderte Geld verweigerte. „Ich hatte das Geld abgehoben, um das Essen meiner Kinder im Kindergarten bezahlen zu können“, übersetzte die Dolmetscherin der Frau. Grund sei gewesen, dass ihr Ehemann regelmäßig ihr Konto leer geräumt habe, deshalb habe sie das Geld nicht überwiesen.

Im Juni geht es weiter

Ihr Mann habe sie daraufhin mit der Faust ins Gesicht geschlagen und, nachdem sie hingefallen war, getreten. Erst als ihre Schwiegermutter und der Bruder des Angeklagten eingegriffen hätten, habe dieser von ihr abgelassen. Barfuß und mit einem ihrer Kinder an der Hand floh sie dann zur Polizei.

Die Beamten nahmen die Aussage der Frau auf, fertigten Fotos von den Verletzungen an und gingen dann mit ihr zurück in ihre Wohnung. Dort konnte sie noch einige Sachen packen und auch das zweite Kind in ihre Obhut nehmen. Die Polizei brachte dann alle drei in ein Frauenhaus.

Die jetzt bei einer örtlichen Bank angeforderten Aufnahmen einer Überwachungskamera sollen klären, ob und wie viel Geld sie abgehoben hat. Die Verhandlung gegen den 31-Jährigen wird im Juni fortgesetzt.

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Erstellt:
7. Mai 2021, 14:00 Uhr
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