Prozess in Rastatt: Pfleger räumt Übergriffe ein

Rastatt (BNN) – Ein Pfleger soll im Klinikum Rastatt zwei Männer missbraucht haben, die ihm als Patienten wehrlos ausgeliefert waren. Am Montag hat der Prozess gegen den 35-Jährigen begonnen.

Prozessauftakt: Der angeklagte Pfleger muss sich seit Montagvormittag vor dem Amtsgericht Rastatt wegen sexueller Nötigung und schwerer Körperverletzung verantworten. Foto: Holger Siebnich

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Prozessauftakt: Der angeklagte Pfleger muss sich seit Montagvormittag vor dem Amtsgericht Rastatt wegen sexueller Nötigung und schwerer Körperverletzung verantworten. Foto: Holger Siebnich

Der Pfleger, der sich im Klinikum Rastatt an zwei männlichen Patienten vergangen haben soll, hat sich zum Auftakt des Prozesses vor dem Amtsgericht Rastatt weitgehend geständig gezeigt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 35-Jährigen vor, im vergangenen Jahr zwei Männer sexuell missbraucht zu haben. Das erste mutmaßliche Opfer berichtete im Zeugenstand, wie groß sein Leidensdruck auch noch eineinhalb Jahre später ist.

Die Taten sollen sich im März und Juli 2020 ereignet haben. Staatsanwalt Martin Rützel fasste die Vorwürfe zusammen. Demnach habe der Pfleger im ersten Fall einen Patienten, der nach der Einnahme von Schmerzmitteln wehrlos gewesen sei, zunächst unter der Dusche des Krankenzimmers missbraucht.

In derselben Nacht habe er den schlafenden Mann erneut heimgesucht und ihn gegen dessen Willen mit der Hand masturbiert. „Er nutzte die hilflose Situation des Patienten aus“, sagte Rützel.

Das zweite mutmaßliche Opfer sei im Sommer wegen Bandscheibenproblemen in der Notfallaufnahme des Krankenhauses gelandet. Der Mann sei nicht in der Lage gewesen, sich selbstständig zu bewegen. Ihm habe der Pfleger Medikamente gegeben, die nicht verordnet gewesen seien. Dann habe er den wehrlosen Patienten am Rücken massiert und später oral befriedigt.

Angeklagter offenbar geständig

In einem Gespräch mit der Klinikleitung hatte der Angeklagte die Vorwürfe zunächst bestritten. Im Lauf der Ermittlungen änderte er nach Angaben der Staatsanwaltschaft seine Strategie und erklärte, die Handlungen seien im Einvernehmen mit den Patienten geschehen.

Vor Prozessbeginn zeigte er sich aber offenbar doch geständig. Das Schöffengericht unter der Vorsitzenden Angelika Binder entschied sich daher, einen Großteil der Zeugen wieder abzubestellen. Ursprünglich sollten elf Personen aussagen, darunter Mitarbeiter des Klinikums Mittelbaden und der Polizei. Am Montag geladen waren schließlich nur noch die beiden Patienten.

Öffentlichkeit zeitweise ausgeschlossen

Wie genau die Sichtweise des Angeklagten heute auf die Taten ist, blieb zum Prozessauftakt für die Besucher offen. Auf Antrag seiner Rechtsanwältin Elisa Moch schloss das Gericht für seine Aussage die Öffentlichkeit aus. So erfuhren die Beobachter auch keine Details über das bisherige Leben des Krankenpflegers, der von 2011 bis 2017 und erneut ab 2020 im Klinikum Mittelbaden beschäftigt war. Ihm droht neben einer Haftstrafe auch ein Berufsverbot.

Michael H., das erste mutmaßliche Opfer, tritt im Prozess als Nebenkläger auf. Seine Forderung auf Schmerzensgeld in Höhe von mindestens 5.000 Euro hat der Angeklagte anerkannt.

Wie sehr Michael H. bis heute unter dem Vorfall leidet hatte er bereits im September gegenüber unserer Redaktion geschildert. Im Zeugenstand machte er deutlich, dass er noch immer unter Schlafstörungen leide. „Ich wache immer zwischen 3 und 4 Uhr auf und bin oft schweißgebadet. Teilweise stehe ich auch im Raum und schreie herum.“ Auch seine Ehefrau und seine kleine Tochter litten unter den Zuständen. Ein Psychotherapeut hat ihm eine posttraumatische Belastungsstörung attestiert.

Der Prozess wird am Montagnachmittag mit der Vernehmung des zweiten Patienten fortgesetzt.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Holger Siebnich

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Erstellt:
22. November 2021, 14:28 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 39sec

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