Prozess um Berghof-Brand: Ungepflegter Zustand

Bühl (nie) – Am dritten Tag im Prozess um den Brand der ehemaligen Berghof-Klinik bei Sand stand wieder die Frage im Fokus, welchen Zustand das Gebäude vor dem Brand hatte. Drei Zeugen waren geladen.

So sieht es heute aus: Das Dach der ehemaligen Berghof-Klinik ist vollständig ausgebrannt. Foto: Bernhard Margull

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So sieht es heute aus: Das Dach der ehemaligen Berghof-Klinik ist vollständig ausgebrannt. Foto: Bernhard Margull

In welchem Zustand war das Gebäude vor dem Brand? Diese eine Frage beschäftigte auch am Mittwoch wieder das Gericht im Falle des Feuers in der ehemaligen Berghof- Klinik nahe dem Kurhaus Sand, das im Jahr 2013 gelodert hatte.

Drei Zeugen sollten vor dem Baden-Badener Schöffengericht dazu beitragen, herauszufinden, ob der Hauptangeklagte die Versicherung hinters Licht führen wollte. Der 69-jährige Eigentümer der ehemaligen Klinik gegenüber dem Bärenfels beharrt nämlich darauf, dass das Gebäude kurz vor der Eröffnung als Hotel gestanden habe. Er verlangte Geld von der Versicherung, wollte rund 165.000 Euro zur Schadensregulierung, die Versicherung zahlte aber nicht – da sie Zweifel an den Angaben des Angeklagten hegte.

Schaden in Millionenhöhe

„Das war ein typisches leer stehendes Gebäude“, „kein klassisches Hotel“, wertete auch der Kriminalhauptkommissar, der damals als Sachverständiger zuständig war. Damals: Am 26. Juni 2013 war gegen 3.30 Uhr das Feuer zufällig von einer Streife der Polizei entdeckt worden, erinnerte sich der Kommissar im Zeugenstand. Die Feuerwehr war dann mit rund 150 Einsatzkräften an der Schwarzwaldhochstraße zu Gange, gegen 7.30 Uhr war das Feuer unter Kontrolle. Entstanden ist dabei ein Millionenschaden.

Doch wohl auch schon zuvor waren im Gebäude mehr Schäden als sanierte Räume vorhanden, so stellte es der Kriminalhauptkommissar dar, der am Brandtag und danach im „Hotel“ war. Man hätte zwar übernachten können, mutmaßt er, aber Geld habe man dafür definitiv keins verlangen können. Einige Zimmer hätten besser ausgesehen als andere, alte Wasserflecken seien an der Wand gewesen, Elektroschrott habe rund ums Gebäude gelegen. Weiter konnte der Zeuge berichten, dass ein Anfangsverdacht gegen den Angeklagten wegen Brandstiftung bestanden habe, unter anderem wegen dessen „finanziell brenzliger Lage“. Bewiesen werden konnte allerdings nichts.

Wasserschaden zu erkennen

„Können Sie sich daran erinnern?“, war wohl die Frage des gestrigen Tages: Vor allem die Verteidigung hakte immer wieder nach. Auch der Einsatzleiter der Feuerwehr Bühl stellte sich wacker den Fragen. Er sei auch schon vor dem Brand zu diversen Begehungen in dem Gebäude, das 1898 als Kurhotel Bärenstein eröffnet wurde, dann aber zerstört und wieder aufgebaut wurde, gewesen. Er sprach von einigen wenigen „Musterzimmern“ die im Stil der 70er Jahre eingerichtet gewesen seien, nach einem Wasserrohrbruch habe sich das gute Erscheinungsbild aber wieder verschlechtert. So hätten dann wieder Tapeten von den Wänden gehangen. Dass „Millionen Liter Wasser“ zum Löschen eingesetzt wurden, das konnte er nicht bestätigen, vielmehr habe man mit dem Löschwasser haushalten müssen, da es keinem direkten Wasserzugang gegeben habe. Zudem erinnerte er sich: Im Speisesaal war noch weihnachtlich dekoriert.

Wie gingen Fenster zu Bruch?

Klären wollten Gericht und Verteidigung auch, wie zahlreiche Fenster am Gebäude zu Bruch gekommen waren – ob sie schon vor dem Brand kaputt waren. Der letzte Zeuge, ein Feuerwehrmann der Freiwilligen Feuerwehr Bühl, der als einer der ersten am Einsatzort war, sagte: „Wir schlagen keine Fenster ein, wenn es nicht sein muss.“ Einige wenige Scheiben hätten zwecks Belüftung zerstört werden müssen, aber schon beim Eintreffen hätten Scherben rund um das Gebäude gelegen. Am Montag, 15. März, um 9 Uhr geht der Prozess weiter.

So hatte der Prozess im November begonnen, wurde dann aber ausgesetzt:
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Und so hat der Prozess im März wieder begonnen:
Versicherungsbetrug nach Brand des Berghofs?

1898 wird das Luftkurhotel Bärenstein eröffnet, kurz vor Ende des 2. Weltkriegs wird es bombardiert und zerstört.  Foto/Repro: Bernhard Margull

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1898 wird das Luftkurhotel Bärenstein eröffnet, kurz vor Ende des 2. Weltkriegs wird es bombardiert und zerstört. Foto/Repro: Bernhard Margull

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Erstellt:
11. März 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 44sec

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