Prüfungen für Blasmusiker in Sinzheim

Sinzheim (ahu) – Die Sinzheimer Realschule war am Wochenende das Mekka für 158 junge Blasmusiker, die das Jungmusikerleistungsabzeichen (JMLA) beim Blasmusikverband Mittelbaden ablegten.

Verbandspräsident Tobias Wald (MdL, Mitte) überzeugt sich von der Leistung der 13-jährigen Vivienne Schulz vom MV Sinzheim. Foto: Alois Huck

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Verbandspräsident Tobias Wald (MdL, Mitte) überzeugt sich von der Leistung der 13-jährigen Vivienne Schulz vom MV Sinzheim. Foto: Alois Huck

Am Samstag wurde für 112 Nachwuchsmusiker die Prüfung für das Bronze-Abzeichen in Theorie und Praxis abgenommen, am Sonntag waren 46 „Silberlinge“ dran.

Neben den Jugendlichen legten auch zwei Erwachsene das Abzeichen in Bronze ab. „Die Prüfung für Erwachsene war vor zwei Jahren zum ersten Mal möglich“, erklärte Tobias Wald (MdL), Präsident des Blasmusikverbandes. Er nahm etliche Stunden die Gelegenheit wahr, mit Vereinsverantwortlichen und Dirigenten ins Gespräch zu kommen und freute sich über die zahlreichen Teilnehmer, die mit ihren Mentoren aus dem ganzen Verbandsgebiet gekommen waren. „Bedingt durch die Pandemie musste 2020 die Abnahme des JMLA ausfallen. Damit sich die Teilnehmerzahl etwas beschränkt, um den Corona-Bestimmungen zu entsprechen, wurde die Prüfung auf zwei Tage erweitert“, erläuterte Wald.

Der Blasmusikverband besteht aus vier Bezirken. Aus dem Bezirk Baden-Baden hatten sich 25 Prüflinge, aus dem Bezirk Hardt 33, aus dem Bezirk Murgtal 39 und aus dem Bezirk Yburg-Windeck 61 Prüflinge angemeldet.

Die Prüfung für das Abzeichen in Gold hatten verbandsweit nach einwöchiger Vorbereitung in der Akademie des Bundes Deutscher Blasmusikverbände in Staufen 2020 sieben und 2021 acht Musikerinnen und Musiker abgelegt. Wer das seltene goldene Abzeichen besteht, ist in den Vereinen ein musikalischer Leistungsträger und hat gleichzeitig das Rüstzeug für die Dirigentenausbildung in der Tasche.

Realschule bewährt sich als Prüfungsort

35 Prüfer, darunter etliche Dirigenten und Vizedirigenten sowie erfahrene Jugendleiter mit Zusatzausbildung waren nach perfekt ausgearbeiteten Plänen auf die rund 15 Prüfungsräume verteilt. Weitere Helfer, auch aus dem Präsidium des Verbandes, sorgten in den Fluren und den Treppenhäusern dafür, dass die Jungmusiker ungestört ihr Pensum absolvieren konnten. Monatelang hatten die Musikvereine ihre Prüflinge in Theorie und Praxis auf die JMLA-Prüfung vorbereitet. Etliche Vereine führten simulierte Prüfungen durch, um dem Nachwuchs die Prüfungssituation zu zeigen und das Lampenfieber zu mindern.

Der reibungslose Ablauf der Prüfung erfordert eine hohe organisatorische Vorbereitung. Doch die erfahrenen Verbandsjugendleiterinnen Svenja Krimmel und Beate Schmidt, sowie die Schriftführerin Tanja Riedinger und die mit der Geschäftsführung betraute Beate Ziegler stemmten dies mit vereinten Kräften.

Theoretische und praktische Prüfung

Die Sinzheimer Lothar-von-Kübel-Realschule habe sich seit vielen Jahren als Prüfungsort bewährt, sind sie einer Meinung mit Tobias Wald – und der Gemeinde Sinzheim und der Schulleitung dafür dankbar.

In mehreren Klassenräumen der Schule wurden an beiden Tagen zuerst die theoretischen Kenntnisse der Prüflinge abgenommen. Dabei ging es unter anderem um Musikkunde, Rhythmik und Gehörbildung. Viele Prüflinge hatten ein wenig Bammel vor der 15-minutigen praktischen Prüfung, die von einem Zweierteam abgenommen wurde.

Dabei ging es um Tonleiterspiel und Dreiklänge, „vom Blatt“ spielen, Tonkultur (Atmung-Stütze-Ansatz), Musikalische Gestaltung (Phrasierung-Artikulation-Dynamik), Rhythmische und Technische Genauigkeit. Auch waren zwei von vier Stücken aus den Literaturlisten vorzutragen, die in der Prüfungsvorbereitung geübt wurde.

Ralf Eichmann und Ralf Zuber nahmen der 14-jährigen Elena Fritz vom Musikverein (MV) Ottersdorf die Prüfung ab und gratulierten ihr. Seit vier Jahren spielt sie Klarinette. Ebenfalls seit vier Jahren spielt die 13-jährige Vivienne Schulz vom MV Sinzheim ein Instrument. Mit ihrem Horn begann sie in der Bläserklasse des Vereins zu musizieren, und Roswitha Friedel und Andreas Hatz konnten ihr gratulieren. Ebenfalls bestanden hat der zwölfjährige Mark Ertel vom MV Muggensturm. Bei einer Schnupperstunde des Vereins hatte er sich vor vier Jahren für das Horn begeistert.

Dass die musikalische DNA manchmal eine Generation überspringt, zeigt das Beispiel des 14-jährigen Jonas Lüders vom MV Muggensturm. Bei Cindy Huck und Heinrich Gutmann hatte er die Prüfung mit seiner Klarinette bestanden. Sein Opa Karl Schlechta war als Berufsmusiker 25 Jahre Soloklarinettist beim Südwestrundfunkorchester und jahrzehntelang Ausbilder beim MV Sinzheim und hatte etliche Sinzheimer Jungmusiker bis zum goldenen Abzeichen begleitet. Was bei den Töchtern nicht klappte, holten die Enkel nach, denn vor wenigen Tagen hatte auch Enkel Paul das goldene Abzeichen in Staufen bestanden. Die wohl jüngste JMLA Teilnehmerin für das Abzeichen in Bronze war die elfjährige Lena Rösinger vom MV Hügelsheim. Völlig ohne Lampenfieber bestand sie bei Bettina Kist und Markus Fahrner die Prüfung. „Sie hatte ihre Klarinette spielende Mutter als Vorbild und Lena ist unglaublich ehrgeizig“, meinte ihre begeisterte Ausbilderin Patricia Leppert-Frick.

Im Alter von 39 Jahren erfüllt sich der Schlagzeuger Tobias Seiler von den Oberbrucher Dorfmusikanten mit dem Erlernen eines Blasinstrumentes einen lange gehegten Wunsch. Foto: Alois Huck

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Im Alter von 39 Jahren erfüllt sich der Schlagzeuger Tobias Seiler von den Oberbrucher Dorfmusikanten mit dem Erlernen eines Blasinstrumentes einen lange gehegten Wunsch. Foto: Alois Huck

Viel Ehrgeiz war sicher auch für Ilona Huber (Jahrgang 1965) vom MV Iffezheim für die Teilnahme mit ihrem Horn und Tobias Seiler (Jahrgang 1972) mit seiner Posaune notwendig, um sich für die Prüfung fit zu machen. Seiler war viele Jahre Schlagzeuger bei den Oberbrucher Dorfmusikanten und hatte schon immer den Wunsch, ein Blasinstrument zu lernen. Als nun die JMLA-Prüfung auch für Erwachsene ermöglicht wurde, hatte er die Gelegenheit beim Schopf gepackt. Monika Gutmann und Sigi Detschermitsch gratulierten als Prüfer dem begeisterten Posaunisten.

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Erstellt:
9. November 2021, 14:00 Uhr
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