Puccini-Einakter im Badischen Staatstheater

Karlsruhe (sr) – Solange das Publikum nicht in die Oper kann, kommt die Oper per Livestream nach Hause: In Karlsruhe hatte „Gianni Schicchi“ Premiere, eine turbulente Komödie um einen Erbschleicher.

Oh Schreck: Das Testament des Erbonkels fällt ganz anders aus als erwartet: Szene aus der Karlsruher Inszenierung von Puccinis „Gianni Schicchi“. Foto: Felix Grünschloss/Badisches Staatstheater

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Oh Schreck: Das Testament des Erbonkels fällt ganz anders aus als erwartet: Szene aus der Karlsruher Inszenierung von Puccinis „Gianni Schicchi“. Foto: Felix Grünschloss/Badisches Staatstheater

Dante Alighieri hat ihn als Betrüger in die Hölle geschickt: Gianni Schicchi. Aber auf der Opernbühne verbrüdert sich dieser schlaue Gauner und Spötter aus Florenz mit seinem Publikum und darf auf mildernde Umstände hoffen, obwohl er sich die größten Brocken aus dem Erbe eines reichen Florentiners selbst zugeschanzt hat.

Giacomo Puccini hat sich für dieses Spätwerk von wenigen Zeilen aus Dantes „Göttlicher Komödie“ inspirieren lassen. „Gianni Schicchi“ ist der dritte und letzte Teil seines Tritticos, zu dem auch die Opern-Einakter „Il tabarro“ (Der Mantel) und „Suor Angelica“ gehören.

Die Divina Commedia des Jubilars Dante, dessen 700. Todestag 2021 gefeiert wird, hat zahllose nachfolgende Künstler inspiriert. In der Opernwelt ist neben Puccinis Einakter auch Rachmaninows Oper „Francesca da Rimini“ bekannt. Dieser tragischen Ehebrecherin aus dem fünften Höllengesang widmete auch Peter Tschaikowsky eine symphonische Dichtung, viele andere Komponisten haben das Sujet bearbeitet.

Gut gemachter Livestream

Das Badische Staatstheater präsentiert Puccinis heiteren „Gianni Schicchi“ jetzt als Livestream. Mit einem quirligen Ensemble und einer glänzenden Titelfigur – der Kammersänger Armin Kolarczyk edle musikalische Konturen und raffinierten Charme verleiht – inszeniert Anja Kühnhold diesen burlesken Wirbel. Sarah Kirsch hat dafür ein Bühnenbild geschaffen, das auf mehreren Ebenen raffinierte Hingucker bietet.

Die listig trauernde Familie wird vom Testament des Onkels kalt erwischt: Ein Kloster soll erben. Da muss der kühl kalkulierende Gianni Schicchi aushelfen, man wird rasch handelseinig. Und dann ist da noch Schicchis liebreizende Tochter Lauretta, die gleich mit dem Welthit „O mio babbino caro“ ins Haus fällt. Sopranistin Hye Jung Lee gestaltet die Arie mit zartem Schmelz und macht nebenbei noch die Hochzeit mit ihrem Bräutigam Rinuccio klar, dem Tenor Eleazar Rodriguez angemessenes Feuer gibt.

Reduzierte Orchesterfassung

Derzeit kann kein großes Sinfonieorchester, wie es für Puccinis Klangwelt eigentlich nötig ist, aufspielen. Die hier verwendete, reduzierte Orchesterfassung von Matthias Weigmann betont dafür andere Farben und auf erstaunliche Weise die Modernität des Komponisten. Johannes Willig leitet ein inspiriertes Ensemble aus wenigen Streichern und Bläsern, dazu Harfe, Celesta, Schlagwerk. Das Bühnengeschehen wird kameratechnisch abwechslungsreich eingefangen, die musikalische Qualität ist in Ordnung. Das Staatstheater zeigt diese Aufführung bis 1. Juni als Video on demand.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sabine Rahner

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Erstellt:
13. Mai 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 07sec

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