Pumptrack-Anlage hinter dem Stadion?

Gaggenau (tom) – Die SPD-Fraktion des Gemeinderats setzt auf neue Impulse für Gaggenau. Eine neue Idee bring eine Pumptrack-Anlage bei den TBG-Tennisplätzen ins Spiel.

Auch kleine Sportler könnten sich auf dem Pumptrack austoben. Foto: schneestern.com

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Auch kleine Sportler könnten sich auf dem Pumptrack austoben. Foto: schneestern.com

Die Achse vom Kurpark ins Traischbachtal ist für die Gaggenauer SPD ein Dauerthema. Der Grünzug müsse im Sinne eines attraktiven Freizeit- und Naherholungsgebiets entwickelt werden. Nun bringt die SPD-Fraktion des Gemeinderats eine neue Idee ins Spiel: eine Pumptrack-Anlage bei den TBG-Tennisplätzen.

Alte Gaggenauer kennen das „Himalaja“ im Wald direkt hinter Edeka-Huck. Im Prinzip ist ein Pumptrack nichts anderes – nur eben künstlich.

Ein Pumptrack ist ein Rundkurs für zahlreiche Arten des Rad- und Rollsports. Unabhängig von Alter und Können können sich die Nutzer mit Fahrrädern, Pumptrack Bike, Longboard, Scooter, Skateboard oder anderen Fahrzeugen auf natürlichem Gelände nachgebildeter Strecke tummeln. „Ein Angebot für Kinder und Ältere könne das werden“, argumentiert Björn Stolle. Mit der entsprechenden Beleuchtung könne die Anlage auch im Winter eine Attraktion für Gaggenauer und Sportbegeisterte aus der Region sein – so wie es bereits Anlagen in Bad Wildbad oder Sasbachwalden sind.

Investitionen in der Größenordnung von 250.000 bis 500.000 Euro wären notwendig. Planungskosten sollte man bereits im kommenden Nachtragshaushalt unterbringen. Einen extra Betreiber werde man nicht brauchen. Vereine ließen sich sicher einbinden.

Weitere Themen im Blick

Die Fraktion hatte bei ihrer Klausurtagung in der Sportgaststätte der SV Ottenau weitere Themen im Blick:

Stadtentwicklung, Wohnungsbau: Eine „aktive Wohnbaupolitik“ sowohl im Geschosswohnungsbau als auch bei kleineren Baugebieten in den Ortsteilen sei notwendig. Ökologische Aspekte seien zwar zur beachten, „aber aus sozialen Gründen und wegen der Stadtentwicklung ist eine aktive Wohnbaupolitik unabdingbar“, betont Fraktionschef Gerd Pfrommer.

Innenstadt, Stadtkernsanierung: Gerade am Bahnhof seien die Planungen für sechs- bis siebengeschossige Gebäude „sehr urban, was sicher zu Diskussionen führen wird“, gibt die SPD zu bedenken. Gleichwohl werde das nicht höher sein als der vorhandene Sparkassenturm unmittelbar daneben.

Man müsse sicher intensiv diskutieren „und Ideen zulassen und auch nach Arten der Nutzung fragen“: Denn was die Innenstadtgestaltung angehe, habe „die Stadt bislang nicht unbedingt eine Kernkompetenz an den Tag gelegt“. Ein Mix aus Wohnen, Seniorenwohnen und nicht zuletzt Dienstleistungen sei wichtig.

Ein attraktives Café oder Restaurant in den oberen Geschossen, „das wäre sicher für die Bürger attraktiver, als wenn ein gut betuchter Eigentümer sich eine Penthousewohnung verwirklicht“, sagt die SPD.

Im Herbst hatte die Fraktion einen Antrag zum Leerstandsmanagement in der Innenstadt vorgetragen. Kern war eine finanzielle Unterstützung bei der Vermietung an gewünschte Branchen. „Da wollen wir nachhaken“, sagt Pfrommer.

Wasserkraftwerk soll endlich kommen

Kommunaler Klimaschutz: Hier müsse der Schwerpunkt liegen bei der energetischen Sanierung von Schulen und Hallen. Da habe man „große Brocken“ vor der Brust mit Traischbachhalle, Goethe-Gymnasium und Rettungszentrum. Sie sollten Priorität haben, auch um den CO2-Ausstoß deutlich abzubauen.

Mobilität: Den „Flickenteppich von 30er- und 50er-Zonen“ müsse man bereinigen, betont Björn Stolle: „In Gaggenau überrascht dich alle zwei Wochen ein neues Schild.“

Auch für das Ende der Stadtbahnkonzession im Jahr 2026 müsse Gaggenau vorbereitet sein. Bei den Verhandlungen zur Neuvergabe gelte es, die Verkehrsverbindungen in die Stadtteile entscheidend zu verbessern. Ohne Zuschüsse werde das nicht funktionieren. Somit müsse man über die Struktur des ÖPNV nachdenken.

Wasserkraft an der Murg: Seit rund anderthalb Jahrzehnten planen die Stadtwerke Gaggenau ein Wasserkraftwerk am Murgsee – direkt oberhalb der „Bananenbrücke“. Geschehen ist bislang – nichts. Lediglich die Kaskaden bröckeln immer weiter vor sich hin. Denn deren Sanierung gilt als wenig sinnvoll, bevor die Arbeiten für das Kraftwerk am rechten Flussufer beginnen.

Ähnlich wie diese Anlage in Linz könnte in Gaggenau ein Pumptrack realisiert werden. Auch kleine Sportler könnten sich dort austoben. Foto: schneestern.com

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Ähnlich wie diese Anlage in Linz könnte in Gaggenau ein Pumptrack realisiert werden. Auch kleine Sportler könnten sich dort austoben. Foto: schneestern.com

Nun muss endlich etwas geschehen, fordert die SPD, „aber es scheitert bislang an der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt und am Regierungspräsidium“, schimpfen die Sozialdemokraten.

„Artenschutz“ werde als Verhinderungsargument vorgeschoben, „aber wir werden nicht zusehen, dass das Vorhaben den bürokratischen Tod stirbt“, versichert Gerd Pfrommer: „Die Sonntagsreden sind eindeutig, aber sie nützen nichts, wenn man montags bis freitags was anderes macht.“

Arbeit der SPD-Fraktion: Die Reihe der Vor-Ort-Termine soll möglichst intensiviert werden. „Gerade bei baulichen oder verkehrlichen Themen ist das wichtig“, gibt Björn Stolle zu bedenken: „Vor Ort sieht man eben mehr als nur auf dem Papier.“

In der Zusammenarbeit mit den SPD-Ortsvereinen im Murgtal sehen die Gaggenauer Potenzial. Deshalb waren bei der Klausursitzung am Mittwoch auch Vertreter der Ortsvereine von Forbach, Gernsbach und Loffenau dabei. „Wie kann man das Murgtal attraktiver machen?“, lautet der Arbeitstitel für eine Veranstaltungsreihe: Workshops in den einzelnen Ortschaften könnten ein erster Kristallisationskern für zukunftsweisende Projekte sein.

OB-Wahl wirft Schatten voraus

2023 sind die Gaggenauer aufgerufen, ihren Oberbürgermeister zu wählen. Noch ist unklar, wie sich die SPD positionieren wird. Die Gemeinderatsfraktion will aber „zeitnah einen Kriterienkatalog aufstellen“: Er werde Anforderungen beinhalten, an denen sich ein neuer Bewerber oder der Amtsinhaber messen lassen müsse. „Damit werden wir in die Grunddiskussion einsteigen, welche personelle Lösung anzustreben ist“, sagt SPD-Fraktionschef Gerd Pfrommer.

Oberbürgermeister Christof Florus ist seit 2007 im Amt. Er lässt bislang offen, ob er sich für eine dritte Amtszeit bewerben will – oder nicht. Gerd Pfrommer hingegen macht klar: „Wir wollen nicht warten, wann und ob sich jemand erklärt.“

2023 muss der Gemeinderat auch den Bürgermeister wählen, also den Ersten Beigeordneten. Seit 2015 ist dies Michael Pfeiffer. Er war mit Unterstützung der SPD in dieses Amt gewählt worden. Ihm werden Ambitionen auf das OB-Amt nachgesagt; entsprechende Fragen hat er bislang nicht dementiert. Nicht nur die SPD blickt gespannt auf die nächsten Wochen oder Monate, macht Gerd Pfrommer deutlich: „Das kann eine ganz schön spannende Gemengelage geben, je nachdem, wie es sich entwickelt.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
30. Dezember 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 47sec

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