„Punktuelle Streckensperrung“ für Motorräder angedacht

Baden-Baden (nof) – Baden-Baden legt Daten seiner Lärmdisplays vor. Die Geroldsauer Straße ist vom Motorradlärm besonders betroffen. Im Rathaus wird nun über Streckensperrungen nachgedacht.

Mit Lärmdisplays erfasst die Stadtverwaltung Verkehrsdaten und Geräuschemissionen. Foto: Armin Weigel/dpa

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Mit Lärmdisplays erfasst die Stadtverwaltung Verkehrsdaten und Geräuschemissionen. Foto: Armin Weigel/dpa

Die Stadt Baden-Baden hat der Lärmbelästigung durch aggressiv und mit hohen Drehzahlen fahrenden Motorradfahrern den Kampf angesagt. „Was viele Anwohner zumeist an Wochenenden subjektiv wahrnehmen, können wir nun messen“, sagt Bürgermeister Roland Kaiser.

Im November 2019 hatte die Stadtverwaltung drei Lärmdisplays in Betrieb genommen, die an den innerörtlichen Hauptzufahrtsstrecken der Kradfahrer in ihre Tourengebiete angebracht wurden. Von April bis Oktober 2020 – der Motorrad-Hauptsaison – wurden Daten gesammelt und analysiert. „Das Verkehrsaufkommen ist abhängig vom Ausflugsverkehr und steigt erwartungsgemäß an Wochenenden und Feiertagen bei guten Witterungsverhältnissen an“, erläutert Kaiser bei einem Pressetermin an der Schwarzwaldhochstraße anlässlich des „Tags gegen Lärm“. „Also genau in den Zeiten, in denen die Bürger bei sich zu Hause gerne die Ruhe genießen würden.“ Die installierten Lärmdisplays an der Beuerner Straße, Geroldsauer Straße und Maximilianstraße lieferten nun die Daten, „mit denen wir weiterarbeiten können“, sagt Kaiser. Er verweist auf die Mitgliedschaft Baden-Badens in der im Juli 2019 gestarteten gemeinsamen Initiative von Land und Kommunen gegen Motorradlärm. Diese richte sich nicht gegen „rücksichtsvolle Zweiradfahrer“. Mit einer konzertierten Aktion solle vielmehr gegen die aggressive Fahrweise einzelner sowie lärmsteigende Manipulationen an den Zweirädern vorgegangen werden, fasst Kaiser die Ziele zusammen. „Der Schutz unserer Bürger und Gäste ist uns wichtig. Und auch die Wanderer sollen den Wald und die Wanderwege genießen können, ohne regelmäßig von überlauten Maschinen gestört zu werden.“

Hoffnung auf den Gesetzgeber

Kaiser räumt ein, dass es derzeit noch wenige Möglichkeiten gebe, gegen die Lärmbelästigungen vorzugehen, doch er hofft auf Bewegung beim Gesetzgeber. Eine entsprechende Bundesratsinitiative für die wirksame Minderung und Kontrolle von Motorradlärm müsse noch vor der Sommerpause in den Bundestag eingebracht werden, erklärt Kaiser: „Das müssen wir abwarten.“ Derweil setzt der kommunale Sprecher der „Initiative Motorradlärm“ auf die Wirkung der Lärmdisplays (Kosten: 54.000 Euro), deren Anschaffung vom Land mit 12.000 Euro gefördert wurde. „Sie erlauben eine systematische Erfassung von Fahrzeug, Lärmbelastung und Zeit.“ Damit hält es Kaiser für möglich, zumindest wochen- und tageszeitbezogene Geschwindigkeitsbegrenzungen auf bestimmten Strecken näher zu untersuchen und rechtlich prüfen lassen zu können. „Wir brauchen die ganze Bandbreite der Möglichkeiten“, betont der Bürgermeister. Auch „punktuelle Streckensperrungen“, wenn es nicht anders geht. Dafür fehlten noch die rechtlichen Voraussetzungen, „aber wir arbeiten auf politischer Ebene daran, dass sich das ändert“. Er betont, dass auch Motorradclubs in die Arbeit mit einbezogen sind, „die sich über die etwa zehn Prozent unvernünftige Kradfahrer genauso ärgern, wie die lärmgeplagten Anwohner“. Das unterstreicht auch Stadtpressesprecher Roland Seiter, selbst Motorradfahrer. „Wir ärgern uns über die Unvernünftigen, die das Motorradfahren in Verruf bringen.“

Die Lärmdisplays haben in ihrer halbjährigen Einsatzzeit gezeigt, dass die Dezibel-Belastung in der Geroldsauer Straße am höchsten ist. Zwischen 2.500 (Oktober) und 9.500 (Juli) Motorräder wurden dort gezählt. Mehr als die Hälfte war jeweils mit einer Geräuschemission von mehr als 73 Dezibel unterwegs. Die höchsten gemessenen Schallwerte lagen zwischen 91 und 98 Dezibel.

Tankstelle als Lärm-Hotspot

In der Beuerner Straße ergaben die Messungen ein Kradaufkommen zwischen rund 2.100 (Oktober) und knapp 7.500 (April). Die Motorräder fuhren dort wohl deutlich gesitteter. Der 73-Dezibel-Wert wurde im Schnitt jeweils „nur“ von rund 36 bis 43 Prozent der Kräder überschritten. Einen Ausreißer gab es im Juni: 70 Prozent rissen damals die Marke. Die maximalen Schallwerte lagen bei 91 bis 96 Dezibel.

In der Maximilianstraße wurden monatlich zwischen 1.000 (Oktober) und knapp 7.500 Motorräder (April) gezählt. Der Anteil der Kräder mit einem Lärmausstoß über 73 Dezibel lag zwar im Schnitt bei deutlich unter 50 Prozent, auffallend sind jedoch die Maximalausschläge von zum Teil über 100 Dezibel. Das führt die Stadtverwaltung auf die dortige Tankstelle zurück, die durch den Ausflugsverkehr stark frequentiert werde. „Der Beschleunigungsvorgang beim Verlassen des Geländes wirkt sich besonders negativ auf die Lärmentwicklung aus.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Nico Fricke

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Erstellt:
30. April 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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