Pural profitiert von Bio-Boom in der Corona-Krise

Baden-Baden (for) – Die Pural Vertriebs GmbH, ein Baden-Badener Großhändler für Bio- und Reformhausprodukte, feiert in diesem Jahr Jubiläum.

In der Lagerhalle am Stammsitz Baden-Baden lagert die Pural Vertriebs GmbH Produkte von mehr als 400 Marken, inklusive der Eigenmarke Pural. Foto: Pural

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In der Lagerhalle am Stammsitz Baden-Baden lagert die Pural Vertriebs GmbH Produkte von mehr als 400 Marken, inklusive der Eigenmarke Pural. Foto: Pural

Die Wurzeln in Paris, den Stammsitz mittlerweile in der Kurstadt: Seit 25 Jahren beliefert die Pural Vertriebs GmbH mit einem vielfältigen Sortiment und ihrer französischen Eigenmarke Pural Hof-, Bio- und Naturkostläden. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen auch von dem anhaltenden Trend hin zu einer gesunden und nachhaltigen Lebensweise profitiert, der durch die Klimabewegung und auch durch die Corona-Pandemie beflügelt wurde.

Im Hintergrund steht familiengeführte Firma Claus

Hinter Pural steht die familiengeführte Mutterfirma Claus Reformwaren Service Team GmbH aus Baden-Baden. Heinz Claus war es auch, der 1992 mit seiner Tochter Ulrike Claus (Foto: Pural) die Firma Puraliment in Frankreich aufgekauft hat. „Damit haben wir dann auch die französische Traditionsmarke Pural gekauft“, blickt Geschäftsführerin Ulrike Claus zurück. Damals war sie etwa 30 Jahre alt und frischgebackene Mutter. „Pural war so etwas wie mein zweites Baby“, erinnert sich die heute 57-Jährige. Neben ihr sind auch ihr Mann, ihre Schwester und ihr Schwager im Unternehmen tätig. Und auch die Eltern Heinz und Sonja Claus, mittlerweile beide über 80 Jahre alt, stehen der Nachfolgegeneration noch immer mit Rat und Tat zur Seite.

Der eigentliche Ursprung von Puraliment liegt allerdings nicht im Hause Claus, sondern in einer kleinen Pariser Bäckerei im Jahr 1907. Gründer Arnold Roth sei einer der ersten gewesen, der sich in Richtung Vollkorn und gesunde Ernährung aufgestellt habe. „Zu diesem Zeitpunkt war Bio noch kein Thema“, sagt Ulrike Claus. Aber es zeigten sich bereits die Anfänge der Reformbewegung, unter der sich auch die erste vegetarische Bewegung gebildet hat. „Und da war die Firma Puraliment in Paris eine der ersten, die auch entsprechende Produkte im Angebot hatte.“

Sortiment Schritt für Schritt erweitert

Dennoch sei die Zeit kurz nach der Übernahme nicht ganz einfach gewesen, wie Ulrike Claus im BT-Gespräch erzählt. Der französischen Firma ging es vor der Übernahme „mehr schlecht als recht“, weshalb Ulrike Claus und ihr Vater das Unternehmen erst einmal erneuern, optimieren und das Sortiment erweitern mussten. Entscheidend sei die Umstellung auf Bio-Rezepturen gewesen. „Als wir die Marke Pural übernommen haben, war sie nur zu einem ganz geringen Anteil biozertifiziert. Das waren zwar alles vegetarische Produkte und gesunde Rezepturen, aber eben nicht aus Bio-Rohstoffen“, erklärt die Geschäftsführerin. Also habe sie sich zunächst auf die Suche nach Produzenten gemacht, die biozertifiziert produzierten.

Vom Reformhaus in Richtung Bio-Laden

Nach der Umstellung sei die Frage aufgekommen, wo es auf dem deutschen Markt Interesse für Bio-Produkte gebe. „Vorher waren wir mit der Firma Claus ja hauptsächlich für die Belieferung von Reformhäusern tätig und mit Pural haben wir uns dann auch in Richtung Naturkost und Belieferung der Bio-Läden bewegt“, blickt Ulrike Claus zurück.

Dieser Weg hat sich ausgezahlt: Wurden zu Beginn etwa 20 Kunden mit rund 600 Artikel von 18 Marken bedient, werden laut Claus heute 1.400 Kunden beliefert, denen bis zu 22.000 Produkte von mehr als 400 Marken zur Verfügung stehen. Mittlerweile beschäftige Pural fast 500 Mitarbeiter. Im Hintergrund sorgt die Muttergesellschaft Claus zwischen 2009 und 2019 für den Ausbau eines flächendeckenden Vertriebsnetzes, neue Lagerstandorte in Fürstenfeldbruck, Dortmund und Stockstadt sowie den Neubau einer Lagerhalle am Stammsitz Baden-Baden.

Lange bevor Trends einsetzten, habe es bei Pural schon eine reichhaltige Auswahl an Fleisch-, sowie Milch- und Käseersatzprodukten gegeben. Und auch heute noch seien vegane, vegetarische und glutenfreie Produkte „das Rückgrat des Sortiments“. „Gleichzeitig bieten wir aber auch einen hohen Anteil an Non-Food-Artikeln wie Nahrungsergänzungsmittel und Bio-Kosmetik an, weil wir ja ursprünglich aus dem Reformhaus kommen“, fügt Ulrike Claus hinzu. „Damit unterscheidet sich die Ausrichtung unseres Sortiments auch von anderen Großhändlern, die ihren Schwerpunkt eher auf Frische, wie zum Beispiel Obst und Gemüse legen.“ Auch das Thema Unverpackt habe sich in den letzten Jahren stark entwickelt.

Die Produkte der eigenen Marken Pural und Eubiona werden bei anderen Unternehmen produzieren. „Wir sind der Inverkehrbringer der Produkte und der jeweilige Markeninhaber. Wir entwickeln die Produkte mit. Wir gestalten die Etiketten und Werbemittel und suchen gegebenenfalls auch nach geeigneten Verpackungsmitteln“, erklärt Pressesprecherin Andrea Lamm.

Corona-Pandemie führt zu Bio-Boom

Während die Klimabewegung das Bewusstsein für mehr Nachhaltigkeit und den Trend zu veganer Ernährung beflügelte, habe die Pandemie dazu geführt, dass sich Menschen stärker mit ihrer eigenen Gesundheit beschäftigten. „Dadurch haben Bio-Läden die Pandemie relativ gut überstanden“, so Claus. Eine immer größere Rolle im Verbraucherbewusstsein spiele auch die Frage nach der Herkunft und den Lieferwegen der Rohstoffe. Als Fördermitglied der Bioregion Mittelbaden setzt sich das Baden-Badener Unternehmen deshalb für mehr regionale Bio-Produkte ein. Die Pandemie habe noch einmal verstärkt gezeigt, wie wichtig Regionalität sei.

„Uns war sofort klar, dass wir den Betrieb auch während der Krise aufrecht erhalten und die Menschen weiter versorgen müssen“, so Ulrike Claus. Das sei zwar nicht immer einfach gewesen, habe aber gezeigt, dass „wir selbst in schwierigen Zeiten ein gesundes Unternehmen und für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet sind.“

Ihr Autor

BT-Redakteurin Janina Fortenbacher

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Erstellt:
25. Juni 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 34sec

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