Qualitätsvoll wohnen in neuen Quartieren

Karlsruhe/Baden-Baden (vn) – Eine Publikation des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein listet regionale Beispiele für Wohngebiete mit hoher städtebaulicher Dichte auf. Die Anforderungen sind hoch.

Die Lothringer Straße in Baden-Baden liegt im Stadtteil Cité und dem dortigen Wohngebiet Bretagne. Dort findet man überwiegend Einfamilienhäuser. Foto: Volker Neuwald

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Die Lothringer Straße in Baden-Baden liegt im Stadtteil Cité und dem dortigen Wohngebiet Bretagne. Dort findet man überwiegend Einfamilienhäuser. Foto: Volker Neuwald

Die Nachfrage nach neuen Wohnungen ist unverändert groß. Zugleich muss der Flächenverbrauch eingedämmt werden. Wie lässt sich also flächensparend planen und bauen, ökologisch sinnvoll und ökonomisch effizient? Kann man die dafür notwendige bauliche Dichte qualitätsvoll umsetzen? In der Region gibt es eine ganze Reihe positiver Beispiele dafür, dass dieses Ziel zu erreichen ist.

Zwölf Quartiere stellt eine neue Publikation des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein (RVMO) stellvertretend vor. Das Werk mit 36 Farbseiten im A4-Format ist im Rahmen der Reinhard-Baumeister-Reihe erschienen und richtet sich an kommunale Entscheidungsträger und Planer, aber auch an die interessierte Öffentlichkeit. In kompakten Übersichten mit Karten, Tabellen und Fotos sind die zwölf Quartiere unterschiedlichen Typs beschrieben – von frei stehenden Einfamilienhäusern bis zu Mehrfamilienhäusern.

„Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Dichte und Qualität beim Wohnungsbau eng zusammengehören“, fasst Verbandsdirektor Gerd Hager die Intention der Publikation zusammen. „Dichte benötigt Akzeptanz, es geht um den Nahraum der Menschen, das direkte Umfeld um die eigenen vier Wände herum.“

Gebaute Beispiele sind anschaulicher

Mit zweidimensionalen Plänen allein lässt sich diese Akzeptanz nur schwer schaffen, weiß der Regionalverband. „Anschaulicher sind gebaute Beispiele, an denen man sich selbst einen Eindruck verschaffen kann. Sie liegen in der Nähe, ein kurzer Besuch ist ohne großen Aufwand möglich.“

Für Fachleute kann das Heft als Maßstab dienen, wie gut bauliche Dichte in einzelnen Projekten umgesetzt wurde. „Die Informationen sollen zum Nachdenken anregen“, so Hager, „und dazu, Schlussfolgerungen daraus zu ziehen“.

Die Voraussetzungen sind in der Region natürlich sehr unterschiedlich. Wohnungsbau in Karlsruhe muss hinsichtlich der Dichte andere Kriterien erfüllen als in Baden-Baden. Dennoch gibt es Ähnlichkeiten, wie der Vergleich zweier Projekte zeigt.

So ist auf dem Areal der ehemaligen Smiley Barracks am Indianaring in der Karlsruher Nordstadt – bis 1990 im Besitz der US-Streitkräfte – in einem Modellprojekt von Volkswohnung GmbH und Stadt eine 5,5 Hektar große Fläche bebaut worden: Smiley West.

Die künftigen Eigentümer wurden in Form von 17 Baugruppen bereits bei der städtebaulichen Rahmenplanung beteiligt. Die Gruppen teilen sich auf unterschiedliche Wohnformen mit unterschiedlichen Gebäudetypologien auf. Die Bebauung umfasst 13 Einzelhäuser, acht Doppelhäuser, 133 Reihenhäuser und drei Mehrfamilienhäuser mit 31 Wohneinheiten für rund 530 Einwohner.

Carsharing-Stationen in der Nähe


In Baden-Baden ist neuer Wohnraum ebenfalls auf einem ehemaligen Kasernen- und Militärsiedlungsgelände entstanden. Nach dem Abzug der französischen Streitkräfte 1999 wurde das Areal zum neuen Stadtteil Cité entwickelt. Für den Bereich Bretagne wurde ab 2009 ein Wohnquartier geschaffen. Zuvor wurden alte Gebäude abgerissen und ein Lärmschutz zur B500 hin gebaut. Entstanden sind 125 Wohneinheiten für rund 230 Einwohner. Einzelne Doppel- und Reihenhäuser befinden sich in dem von frei stehenden Einfamilienhäusern geprägten Quartier. Die Gebäude haben bis zu drei Geschosse.

Ähnlichkeiten gibt es bei der Erschließung: Vermeidung von Durchgangsverkehr, verkehrsberuhigte Wohn- und Spielstraßen, Nähe zur Stadtbahnhaltestelle beziehungsweise zum Bahnhof sowie zu Carsharing-Stationen, Wege für Radfahrer und Fußgänger. Smiley West ist von reichlich abschirmendem „Straßenbegleitgrün“ durchzogen, während Bretagne an den Waldrand nach Süden hin angrenzt. In Smiley West befindet sich ein Spielplatz versteckt in der Mitte des Quartiers, in Baden-Baden grenzt er Bretagne nach Norden hin ab.

Ihr Autor

BT-Redakteur Volker Neuwald

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Erstellt:
27. Juli 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 37sec

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