RW Elchesheim zunehmend unter Druck

Elchesheim-Illingen (as/rap) – Zunehmend unter Druck gerät der Fußballverein Rot-Weiß Elchesheim wegen der ungeklärten Sportplatzfrage. Auch zwei Vergleichsvorschläge haben wenig Aussicht auf Erfolg.

Auch für Hunde verboten: Der Sportplatz in Elchesheim wird mehr und mehr zur blühenden Wiese. Foto: Helmut Heck

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Auch für Hunde verboten: Der Sportplatz in Elchesheim wird mehr und mehr zur blühenden Wiese. Foto: Helmut Heck

Je länger das Tauziehen um den Sportstättenumzug nach Illingen zwischen Fußballverein Rot-Weiß und Gemeinde sich hinzieht, desto prekärer scheint die Lage für den RWE zu werden. Jetzt wurde die zweite Mannschaft kurzfristig vom Spielbetrieb abgemeldet, für die Bambini scheint es noch keine Option zu geben, die Jugend trainiert bei den Spielgemeinschaften und die Vergleichsvorschläge des Vereins, über die der Gemeinderat am 13. September beraten soll, haben offenbar wenig Aussicht auf Erfolg.

Hintergrund

Das jedenfalls lässt die Gemeindeverwaltung in der Vorlage für die öffentliche Sitzung am 13. September, 19 Uhr, im Bürgerhaus Alte Kirche durchblicken (abrufbar unter www.elchesheim-illingen.de) – auch wenn letztlich der Gemeinderat entscheidet. Bisher stand dieser in der Sportstättenfrage jedoch stets hinter Bürgermeister Rolf Spiegelhalder.

Zwei Vergleichsvorschläge vorgelegt

Nun geht es um zwei Vergleichsvorschläge, die der RWE mit anwaltlichem Schreiben vom 11. August gemacht hat. Der erste sieht vor, aufs Sportgelände nach Illingen umzuziehen, sobald dieses hergerichtet ist. Der zweite spricht von einer kommunalen Sportstätte in Illingen und Herrichten des Tennenplatzes in Elchesheim als Hauptspielfeld – auf Kosten der Gemeinde.

Beide Varianten würden beinhalten, dass der RWE bis zur Fertigstellung in Illingen die Sportplätze in Elchesheim weiter kostenfrei nutzen kann. Für die Anlage in Illingen fordert der Verein ein hydrologisches Gutachten, nach dessen Vorgaben die Gemeinde diese „hoch- und druckwassersicher“ herrichten soll.

Der RWE werde das bisherige Clubhaus-Grundstück in Elchesheim meistbietend an Dritte veräußern, so Vorschlag Nummer eins. Das neue Illinger Clubhaus müsse aber den neuesten Anforderungen entsprechen (Heizung, Gasträume, Küche), der Verein in die Planung eingebunden werden und ein Mitspracherecht haben. Zudem will man Eigentümer des neuen Clubhauses werden, wenn man in dieses investiert. Die Verantwortung für den Lärmschutz und die Haftung für Schäden durch Überschwemmungen lehnt der Verein zudem ab.

Forderungen des RWE werden abgelehnt

Mit dem zweiten Vorschlag (kommunaler Sportplatz in Illingen, Tennenplatz Elchesheim als Hauptspielfeld) könnte der RWE sein bisheriges Clubhaus weiter nutzen. Der Standort in Illingen hätte dann ausreichend Raum für Parkplätze, Skateranlagen und mehr, schreibt der Verein.

Die Gemeinde gibt allerdings deutlich zu erkennen, dass es für Verhandlungen zu spät ist, nachdem in der Vergangenheit ihre Angebote nie besprochen oder angenommen worden seien. Pläne wie ein kommunales Funktionsgebäude seien deshalb auch aus der Haushaltsplanung wieder herausgenommen worden. In der Sitzungsvorlage heißt es: „Das gemeinsame Sportgelände wird mit einer kommunalen Sportanlage bebaut, deren Ausbaustandard die Gemeinde festlegt, da sie neben öffentlichen Zuschüssen alleiniger Kostenträger ist.“ Es wird darauf verwiesen, dass die Gemeinde von jedem Verein, der ein eigenes Clubhaus möchte, auch eine finanzielle Eigenleistung erwarte. Abgelehnt werden mit Blick auf andere Vereine Forderungen nach Baustandards für Spielfeld und Clubhaus.

„Jugendspieler und -trainer verloren“

Auf dem Sportplatz in Elchesheim wachsen derweil Gras und Gänseblümchen. „Wir haben der Gemeinde angeboten, dass wir den Platz mähen und berieseln – auf eigene Kosten, sonst sieht der Platz bald so aus wie die in Illingen, um eventuell wenigstens ein Jugendtraining zu ermöglichen. Dies wurde aber abgelehnt“, erklärt RWE-Sportleiter Raimund Schmalbach.

Er bestätigt Abwanderungen: „Wir haben aufgrund der aktuellen Situation nicht nur viele Jugendspieler, sondern auch -trainer verloren. Das tut sehr weh.“ Unzufriedenheit verlautet auch aus den Reihen von Eltern der jüngsten Kicker, für die es keine Perspektive gibt. Der Durmersheimer Rat wird erst am 22. September über die Nutzung des Federbachstadions für die Jugend (vor allem G- und F-Jugend) entscheiden.

Landesligateam auf Wanderschaft

Mit seiner Landesligamannschaft werde der RWE weiter von Spieltag zu Spieltag und von Training zu Training „wandern“, sagt Schmalbach. „Wir sind dankbar für jedes Angebot. Egal ob vom OSV Rastatt, SV Staufenberg oder anderen Vereinen“, erklärt er. Man befinde sich in Gesprächen mit anderen Fußballclubs bezüglich einer Platznutzung. Jedoch sei noch nichts „spruchreif“.

Als „schwierig“ hatte bereits Bezirksvorsitzender Vito Voncina dem BT die Suche geschildert, der selbst bei drei Vereinen angefragt hatte – ohne Erfolg. Ob diese dem RWE wegen eigener Auslastung nicht helfen können, nicht wollen oder nicht dürfen (weil die Plätze in der Regel den Kommunen gehören), sei dahingestellt.

Berufungsverhandlung am 15. September

Die mündliche Verhandlung über die Berufung im Streit um die Nutzung von Fußballplätzen durch den RW Elchesheim 1929 wurde vom Landgericht Baden-Baden auf Mittwoch, 15. September, 9 Uhr, im Saal 004 festgesetzt. Den Vorsitz in diesem Verfahren wird Richter Koch übernehmen, informierte eine Gerichtssprecherin gestern auf BT-Anfrage. Denn durch Beschluss der Zivilkammer II vom 1. September sei die Selbstablehnung von Landgerichts-Vizepräsident Kay-Steffen Kieser als Vorsitzender der zuständigen Zivilkammer II für begründet erklärt worden. Kiesers Frau Silke ist Gemeinderätin in Elchesheim-Illingen und als solche an allen Beschlüssen in der Sportstättenfrage beteiligt (gewesen).

Die Berufung des Vereins richtet sich gegen das Urteil des Amtsgerichts Rastatt vom 21. Juli, nach dem der Fußballverein die Plätze infolge der Kündigung durch die Gemeinde zu Spiel- und Übungszwecken nicht mehr nutzen darf.

Ihr Autor

den BT-Redakteuren Anja Groß und Christian Rapp

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Erstellt:
8. September 2021, 17:23 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 31sec

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