RWE will über Alternativen sprechen

Elchesheim-Illingen (as) – Im Konflikt über die künftige Sportstätte erklärt der Fußballclub Rot-Weiß Elchesheim, er werde nicht nach Illingen gehen und hofft auf Gesprächsbereitschaft der Gemeinde.

Die Druckwasserproblematik am Sportplatz Illingen bestärkt den Fußballclub Rot-Weiß Elchesheim in seiner Ablehnung des Standorts. Foto: Anja Groß

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Die Druckwasserproblematik am Sportplatz Illingen bestärkt den Fußballclub Rot-Weiß Elchesheim in seiner Ablehnung des Standorts. Foto: Anja Groß

Das Hochwasser am letzten Januar-Wochenende hat in Elchesheim-Illingen erneut die im Zusammenhang mit der geplanten Sportstättenverlegung vielfach diskutierte Druckwasserproblematik am Sportplatz Illingen in den Fokus gerückt. Der Vorstand des Rot-Weiß Elchesheim (RWE) erklärt mit Blick darauf nun erstmals explizit, dass er nicht bereit ist, nach Illingen umzuziehen. Weiter bittet er die Gemeinde um ein Gespräch über „nachhaltige“ Alternativstandorte.

FCI-Gelände kommt nicht in Frage


Eingebunden werden solle dabei ein Mediator, den beide Seiten akzeptieren. Dieser Vorschlag sei Bürgermeister Rolf Spiegelhalder auch schriftlich übermittelt worden, informiert RWE-Vorsitzender Dieter Link und betont, der Verein sei zu einer Kompromisslösung bereit. Allerdings gibt es für den RWE ein Ausschlusskriterium: Das Gelände beim FCI kommt auf keinen Fall infrage. Der Vorstand stehe geschlossen hinter dieser Entscheidung. Vielmehr werden erneut zwei vom Verein favorisierte Varianten ins Spiel gebracht: der Tennenplatz an der Waldstraße, den der RWE auf eigene Kosten in ein Rasenspielfeld umbauen würde, oder eine neue Sportstätte am Braungießenweg bei den Tennisplätzen.
Der RWE favorisiert den Tennenplatz Elchesheim als neue Sportstätte. Foto: Dieter Link

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Der RWE favorisiert den Tennenplatz Elchesheim als neue Sportstätte. Foto: Dieter Link

„Endlich ist es mal ausgesprochen“, kommentiert Bürgermeister Rolf Spiegelhalder die Verweigerung des Umzugs. Mit Blick auf die vom RWE angesprochene Druckwasserproblematik unterstreicht er, die Sportplätze in Illingen seien nicht überflutet gewesen, sondern nur die „Rundumbereiche“ und betont: Im Rahmen einer Ausführungsplanung für die neue Sportstätte werde „selbstverständlich eine notwendige weitere Höherlegung eines Rasenplatzes nochmals gesondert betrachtet“. Dabei würden „selbstredend auch alle bis dahin bekannten Erfahrungen, wie beispielsweise dieses Hochwasser“ einfließen, meint er mit Blick auf die Frage, um wie viel der Sportplatz höher gelegt werden müsste.

Druckwasserproblem ist lösbar


Im Übrigen sei die Druckwasserproblematik nicht auf das Sportgelände Illingen begrenzt, sondern im ganzen Ort Elchesheim-Illingen ein Thema, so Spiegelhalder weiter: „Sicher ist, dass diese Probleme wie bei allen anderen Bauvorhaben ersichtlich gelöst werden können“. Noch geprüft werde, ob sich durch den Bau der NATO-Pipeline Veränderungen hinsichtlich der Druckwasserproblematik ergeben haben.

Seit sieben Jahren beschäftigt das Thema Sportstätte Kommunal- und zuletzt auch Landespolitik. Die Argumente sind wieder und wieder ausgetauscht worden. Der Gemeinderat hat 2018 jedoch einstimmig entschieden, dass Illingen einzige neue Sportstätte im Ort sein soll. Die Rechtmäßigkeit dieser Entscheidung wurde im Rahmen eines vom RWE angestoßenen Petitionsverfahrens im November 2020 bestätigt.

Verfahrene Situation


Das will der Vereinsvorstand offenbar nicht akzeptieren. Es wurden in Stuttgart Unterlagen nachgereicht, die laut Petitionsbüro jedoch keine neuen Sachverhalte ergaben (das BT berichtete). Die Petition wird daher nicht neu aufgerollt. Des Weiteren hat der RWE seit seiner Niederlage im Petitionsverfahren zwei Gesprächseinladungen der Gemeinde wegen Kurzfristigkeit abgelehnt, ebenso eine Mediation, da sich diese nur auf die Sportstätte Illingen beziehen sollte. Die Gemeinde wiederum hatte jüngst in Aussicht gestellt, sie werde dem RWE nun die Verträge in Elchesheim kündigen – spätestens 2022 sei Schluss (das BT berichtete). Seitdem macht das Gerücht im Ort die Runde, es gebe gar keinen Vertrag zwischen RWE und Gemeinde. Dazu räumt Spiegelhalder ein: „Fakt ist, dass es keinen Vertrag gibt, vielmehr gibt es aus dem Jahr 1968 einen Beschluss des Gemeinderats, das neue Sportgelände, wofür die Gemeinde Elchesheim einen umfangreichen Grundstückserwerb von Privateigentümern tätigte, dem damaligen Fußballverein Elchesheim zu überlassen.“ Die gesamte Finanzierung habe nach Abzug der Fördergelder die Gemeinde Elchesheim übernommen. Der Fußballverein wiederum hat bereits angekündigt, gegebenenfalls auch den Rechtsweg zu beschreiten. Eine verfahrene Situation also.

Nun ist die Frage, wie sich Gemeinderat und Bürgermeister zum Gesprächsangebot des RWE stellen werden. Spiegelhalder erklärt mit Blick auf die Ratssitzung gestern Abend, er wolle dazu erst den Gemeinderat hören.

FCI: RWE für Clubhaus und Platz zuständig

Den vom RWE jüngst geäußerten Vorwürfen, die Sanitäranlagen im Clubhaus Illingen seien marode und könnten daher beim RWE-Jugendtraining nicht genutzt werden, widerspricht Dieter Kempf, Vorstand des in Auflösung befindlichen FC Illingen (FCI), in einer Stellungnahme. Bis Ende 2019 habe der FCI die Sanitäranlagen genutzt und gepflegt. Eine professionelle Reinigungsfirma habe im Juli 2019 im Auftrag der Gemeinde Duschen und Toiletten gereinigt und desinfiziert. „Nachdem der Sportplatz zum Trainieren in die Verantwortung des RWE übergeben wurde, nutzte die Jugend nur noch kurzzeitig die Sanitäreinrichtungen, da der FC nicht mehr zuständig war, aber seitens RWE nicht gereinigt wurde“, so Kempf. Der Rasenplatz werde fürs Training weiterhin von der Gemeinde gemäht, fürs Beregnen sei der RWE verantwortlich. „Im Sommer wurde der Rasen mangels Wassers braun und grau“, erklärt Kempf weiter. Man könne daher „weder dem FCI noch der Gemeinde vorwerfen, dass sich der Zustand von Sportplatz und Clubhaus verschlechtert, wenn man ihn nutzt, aber selbst dazu nichts beiträgt“, ärgert er sich.

Bürgermeister Rolf Spiegelhalder bestätigt, mit der RWE-Jugendleitung sei abgemacht gewesen, dass diese die Bewässerung des Rasenplatzes übernimmt. Das habe offenbar „mangels Personal und Ausrüstung nicht funktioniert“, so Spiegelhalder. RWE-Vorsitzender Dieter Link hat diesen Zustand gegenüber dem BT wiederholt moniert und der Gemeinde angelastet. Man sei im Gespräch, wie das künftig organisiert werden kann, so der Bürgermeister. Nicht bekannt sei der Gemeinde, dass die Sanitärräume nicht genutzt werden können, erklärt er weiter. Man werde auch dazu das Gespräch suchen: Für „eine Verbesserung der Umstände für den Jugendbetrieb werden auch Übergangslösungen geprüft“, kündigt er an.

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BT-Redakteurin Anja Groß

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Erstellt:
8. Februar 2021, 17:06 Uhr
Lesedauer:
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