RWE zieht 2023 endgültig nach Illingen

Elchesheim-Illingen (as) – Was immer wieder scheiterte, hat das Landgericht Baden-Baden nun geschafft: Es gibt einen Kompromiss im Sportstättenstreit zwischen Fußballverein Rot-Weiß und Gemeinde.

Noch bis 30. Juni 2023 darf der Fußballverein den halben Tennenplatz (links) und das Rasenspielfeld an der Waldstraße nutzen. Luftbild: Willi Walter/Archiv

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Noch bis 30. Juni 2023 darf der Fußballverein den halben Tennenplatz (links) und das Rasenspielfeld an der Waldstraße nutzen. Luftbild: Willi Walter/Archiv

Der Zivilkammer II des Landgerichts Baden-Baden ist es gestern gelungen, einen Schlussstrich unter den seit Jahren andauernden Sportstättenstreit in Elchesheim-Illingen zu ziehen: Fußballverein Rot-Weiß Elchesheim (RWE) und die Gemeinde schließen einen Kompromiss. Der Umzug des Vereins nach Illingen ist damit besiegelt, Ende Juni 2023 erfolgt der Abpfiff in Elchesheim.
Der Gemeinderat hatte 2018 die Fußballplätze in Illingen als einzige künftige Sportstätte im Ort festgelegt. Der Fußballverein Rot-Weiß Elchesheim sollte dorthin umziehen. Dessen Rasenplatz soll Baugebiet werden.

In einem Petitionsverfahren war die Rechtmäßigkeit der Ratsentscheidung bereits bestätigt worden, dennoch war der Verein nicht zum Umzug zu bewegen. Es folgte diesen Februar die Kündigung der Sportplatznutzung zum 30. Juni 2021 und dann die Nutzungsuntersagung, gegen die der Verein sich mit der gestrigen Berufungsverhandlung wehren wollte. In erster Instanz hatte das Amtsgericht Rastatt der Gemeinde bereits recht gegeben.

Eine Lösung zu finden, „bei der beide Seiten nicht zu sehr verlieren“ – diesen Plan verfolgte gestern das Landgericht Baden-Baden. „Wir sehen keine Möglichkeit zu einem dauerhaften Verbleib an der Waldstraße“, unterstrich der Vorsitzende Richter die Rechtsauffassung der Vorinstanz. Die kostenfreie Überlassung des Geländes durch die Gemeinde sei ein Leihvertrag im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB), der nach 30 Jahren kündbar sei. Der RWE spielt seit rund 70 Jahren in Elchesheim.

Dass die Gemeinde dort ein Baugebiet mit 35 bis 40 Bauplätzen plant, weil es „keinen einzigen freien Bauplatz mehr gibt“, wie Bürgermeister Rolf Spiegelhalder argumentierte, reiche als Kündigungsgrund, ließ das Gericht durchblicken. Der Vergleichsvorschlag solle nun einen für beide Seiten fairen zeitlichen Rahmen setzen, erklärte der Richter.

Eineinhalb bis zwei Jahre werde das bereits laufende Bebauungsplanverfahren noch dauern, ein Jahr die Sanierung der Plätze in Illingen, erklärte Bürgermeister Rolf Spiegelhalder auf Nachfrage. Da die Sportplätze derzeit brach liegen, schlug die Kammer vor, den Verein bis 31. Dezember 2022 dort kicken zu lassen – ein angemessener Zeitrahmen, hieß es. Denn RWE-Vorsitzender Dieter Link hatte zuvor argumentiert, die Ehrenamtlichen, die das stemmen müssten, dürfe man nicht überfordern. Somit wurde aus der Ablauffrist der 30. Juni 2023. Somit könne der Landesligist die Saison in Elchesheim zuende spielen.

Gericht wirbt vehement für Vergleich

Die Gemeinde signalisierte Zustimmung, warf aber den halben Hartplatz als vorübergehenden Standort der Skateranlage in die Waagschale. Diese musste im Frühjahr wegen der Rheinhochwasserdammsanierung in Illingen abgebaut werden und sollte laut Ratsbeschluss vorübergehend auf den Hartplatz in Elchesheim ausweichen. Wegen des schwebenden Gerichtsverfahrens hatte die Gemeinde dann vor zwei Wochen kurzfristig den Bolzplatz mitten im Ort als Ersatzstandort bekannt gegeben.

Das sorge derzeit „für Aufruhr“ wegen Lärmemissionen, erklärte Spiegelhalder in der eineinhalbstündigen Verhandlung. Zugleich sei die Gemeinde „enorm unter Druck“, weil Eltern zunehmend den Wiederaufbau der stark frequentierten Anlage einfordern.

Dieter Link ließ sich zähneknirschend nach einer Sitzungsunterbrechung auf diesen Kompromiss ein. Man verliere einen Ausweichplatz mit Flutlicht für Abendspiele und -training. RWE-Anwalt Torsten Kugler schlug den Bolzplatz neben dem Tennenplatz als Alternative vor. Dieser sei für einen neuen, privaten Kindergarten im Gespräch, hielt Spiegelhalder dagegen.

Das Gericht warb vehement für den Kompromiss („das ist doch auch eine Gelegenheit, neue Kinder mit dem Fußballverein in Kontakt zu bringen“) und erklärte, dass ohne Vergleich eine Entscheidung „auch zulasten des Vereins ausgehen kann“. Beide Parteien stimmten schließlich zu.

Wie es in Illingen konkret weitergeht, war nicht Gegenstand des Verfahrens. „Man muss miteinander reden, um eine tragfähige Lösung zu finden“, gab der Vorsitzende dem RWE und der Gemeinde mit auf den Weg.

Eine schnelle Realisierung der Skateranlage kündigte indes Spiegelhalder an. Die Planung sei fertig, die Aufträge vergeben, „der Bagger steht bereit“. Bezüglich der Sportplätze in Illingen sei man für die Sanierung des Hartplatzes „im Genehmigungsverfahren“, das Rasenspielfeld werde wie beschlossen folgen.

„Wir haben nun Luft, um weiter zu planen“, erklärte Dieter Link nach der Verhandlung. Das lästige „Rumreisen“ zu Auswärtsspielen und Training bis nach Staufenberg und auf andere Plätze in der Umgebung hat damit nun ein Ende. Zuletzt hatte der Verein infolgedessen sogar kurzfristig seine zweite Mannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet. Auch die Jugendmannschaften, die teils in den Spielgemeinschaften trainierten, teils keine Möglichkeit hatten, haben nun wieder eine Trainingsperspektive. Es seinen nun „Pfeiler eingeschlagen“, die eine gute Grundlage für weitere Gespräche seien, kommentierte der Bürgermeister den Kompromiss.

Kommentar: Erstes Etappenziel

Was seit Jahren Gemeinderäte, Bürgermeister, Verwaltung, Vereinsfunktionäre, eigentlich den ganzen Ort bewegt und teilweise spaltet, hat das Landgericht Baden-Baden gestern unaufgeregt in knapp eineinhalb Stunden zu einem Etappenziel gebracht. Einerseits ist es bedauerlich, dass die Sportstättenfrage erst so weit eskalieren und vor Gericht kommen musste. Andererseits ist vielleicht auch erst durch die in den vergangenen Wochen immer schwierigere Situation mit fehlenden Ausweichplätzen, mangelnden Perspektiven für die rund 100 Jugendkicker, Abmeldung der zweiten Mannschaft vom Spielbetrieb, Abwanderung von Spielern und Trainern sowie wegbrechenden Einnahmen bei den Vereinsverantwortlichen eine Einsicht gereift: Nämlich wenn sie so weitermachen, gibt es bald keinen Verein mehr. Zwei Vergleichsvorschläge des RWE jüngst an die Gemeinde hatten die Umkehr bereits angedeutet. Aber auch die Kommune ist zunehmend unter Druck geraten, zuletzt durch ihre „lange Leine“ in Sachen Skateranlage. Wenn sich Bürgerinitiativen bilden, zeugt das selten von Vertrauen in das Handeln der Verantwortlichen in Rathaus und Gemeinderat. Trotz des Kompromisses gibt es immer noch viele Knackpunkte. Man kann nur hoffen, dass die zerstrittenen Parteien nun endlich zu Lösungen kommen. Bei der Vorgeschichte scheint es ratsam, sich gemeinsam (!) einen neutralen Mediator zu suchen. Und: Miteinander reden, nicht übereinander!

Lesen Sie dazu auch: RWE und Gemeinde finden Kompromiss

Ihr Autor

BT-Redakteurin Anja Groß

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Erstellt:
16. September 2021, 11:13 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 53sec

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