Radfahrer stört Vorbereitung: Bülent Ceylan gehen die Gäule durch

Baden-Baden – Es ist eine urkomische Geschichte, die hinter dem Hupkonzert im Rantastic steckt, das Bülent Ceylan am Samstag verursacht hat. Und eigentlich ist Sänger Max Giesinger an allem „schuld“...

Nicht gerne gehört: Nicht Komiker Bülent Ceylan, aber das Hupkonzert, das er auslöste.  Foto: Hecker-Stock

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Nicht gerne gehört: Nicht Komiker Bülent Ceylan, aber das Hupkonzert, das er auslöste. Foto: Hecker-Stock

Es ist eine Geschichte, sie hätte dem Comedy-Meister persönlich einfallen können. Doch Bülent Ceylan war nicht ihr Erfinder, er spielte darin eine Hauptrolle, und zwar ausgerechnet kurz vor seinem Auftritt am Samstag im Rantastic-Autokino in Haueneberstein. Deshalb war er dort während der ersten Viertelstunde – sagen wir mal – nicht ganz bei der Sache. Wie berichtet, forderte er die Zuschauer trotz eines bestehenden Verbots zu Hupkonzerten auf, was zu Beschwerden von Anwohnern führte.

Die Saat zu dem Fehlverhalten des Mannheimer Comedians wurde, wie das BT gestern aus Kreisen des Managements des Künstlers erfahren hat, etwa zehn Minuten vor dem Auftritt gelegt. Da parkte Ceylan absprachegemäß mit seinem Wagen auf einem Feldweg direkt hinter der Bühne und versuchte, sich auf das vor ihm liegende Geschehen zu konzentrieren – als es plötzlich an die Scheibe klopfte. Neben dem Auto stand ein älterer Mann mit Fahrrad. Möglicherweise ein Hauenebersteiner, der auf seiner abendlichen Runde unterwegs war und sich gestört fühlte von diesem langhaarigen, aus seiner Sicht vielleicht auch ein wenig verdächtig aussehenden Mann. Und so klärte er ihn ungefragt darüber auf, dass er mit seinem Wagen gar nicht auf diesem Feldweg entlang fahren dürfe – und schon gar nicht an dieser Stelle einfach parken.

Im Rathaus nur „eine einzige Beschwerde“

Ceylan, der auf der Bühne gerne den Haudrauf spielt, versuchte, den Mann geduldig über seine Identität aufzuklären und darüber, weshalb er hier parkte. Doch der Radler wischte die Erklärungen beiseite. Wer er denn überhaupt sei, sei der in jüngeren Altersklassen durchaus prominente Comedian auch gefragt worden, wurde gestern dem BT übermittelt. Die Diskussion wurde nicht zu Ende geführt. Ceylan verließ den Wagen, ging auf die Bühne – der Rest ist Geschichte. Seinen Ärger über die vereitelte Vorbereitung dürfte er durch die Animation zum Hupkonzert verarbeitet haben.

Da sind ihm halt „die Gäule durchgegangen“, mutmaßt Tourleiter Dietmar Hentschel. „Er ist halt auch nur ein Mensch“, entschuldigt sich auch Rantastic-Chef Jens Dietrich. Er habe sich am Samstagabend noch lange mit dem Comedian unterhalten, sagt er. Beim Auftritt tags darauf habe dieser dem Publikum in seiner charmant-direkten Art von vorneherein klargemacht: „Wenn heute Abend hier einer hupt, kriegt er Ärger mit mir.“ Das habe die Zuschauer diszipliniert, sagt Dietrich – und auch beim ersten Auftritt am Freitag sei alles gut gegangen. Tja, da hat es zuvor eben auch nicht den Radfahrer-Sketch auf dem Feldweg gegeben...

5000 Euro investiert in eine Applaus-App

Ja, das Hupen wird in der Eberbachgemeinde nicht gerne gehört. Vor allem von einem Einwohner. „Eine einzige Beschwerde über das Autokino“ liege der Verwaltung vor, hieß es gestern aus der Stadt-Pressestelle. Über die Identität des Beschwerdeführers lässt das Rathaus nichts verlauten. In der Eberbachgemeinde ist es indes ein offenes Geheimnis, dass es sich dabei um einen in Haueneberstein wohnenden früheren SPD-Kommunalpolitiker handelt, der auch während seiner aktiven Zeit im Rathaus nicht immer das beste Verhältnis zum Rantastic hatte.

Wer sich aber auf die Suche nach einem echten „Schuldigen“ macht, der landet ganz woanders: bei Max Giesinger. Der Sänger hat es verbockt, so ist zu hören. Bei seinem 60-minütigen Auftritt im Rahmen eines SWR3-Specials habe er die Zuhörer aufgefordert, alle seine Songs rhythmisch per Hupe zu begleiten – „und dafür hat er zu Recht einen Shitstorm bekommen“, sagt Dietrich. Die Folge: die restriktive Hup-Regelung, die es so in vielen anderen Autokinos nicht gibt, wie Manager Hentschel berichtet. Mittlerweile sei Hupen eh überflüssig, betont der Rantastic-Chef. Er habe 5000 Euro investiert in eine Applaus-App, mit der die Zuschauer in den Autos dem Künstler per Tastendruck aufs Handy virtuell Rückmeldung geben können. Bei dem kommt das dann als Jubel und Beifall im Ohrhörer an – und auch im Autoradio können Zuschauer auf diese Weise hören, ob der Gag gerade ein Brüller war.

Den nächsten Einsatz hat die App am Wochenende. Dann ist am Freitag der schwäbische Comedian Christoph Sonntag zu Gast, und am Samstag die schweizerische Komikerin Hazel Brugger. Man darf gespannt sein, ob dann auch wieder der Radfahrer unterwegs ist...

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Erstellt:
26. Mai 2020, 06:00 Uhr
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