Radon: Weisenbach will kein Risiko eingehen

Murgtal (stn) – Obwohl Weisenbach derzeit noch kein Radonvorsorgegebiet ist, möchte die Gemeinde Vorkehrungen treffen und die Radonbelastung in Rathaus, Kindergarten, Schule und Bauhof messen.

Das Gestein in Weisenbach (hier am Ortsausgang Richtung Hilpertsau) weist einen hohen Urangehalt auf. Insgesamt sind 88,17 Prozent der Gesamtfläche betroffen. Foto: Raimund Götz

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Das Gestein in Weisenbach (hier am Ortsausgang Richtung Hilpertsau) weist einen hohen Urangehalt auf. Insgesamt sind 88,17 Prozent der Gesamtfläche betroffen. Foto: Raimund Götz

Radon ist ein radioaktives Gas, das überall natürlich im Boden vorkommt. Längerer Aufenthalt in Räumen mit erhöhten Radonwerten kann Lungenkrebs verursachen. Baden-Württemberg hat deshalb Vorsorgegebiete ausgewiesen. Das Murgtal gehört nicht dazu, weil die Werte zu gering sind. In Weisenbach besteht gleichwohl ein gewisses Risikopotenzial. Die Gemeinde will deshalb Maßnahmen ergreifen.

Drei Kriterien werden bei der Eingruppierung in Vorsorgegebiete herangezogen:

Kriterium 1: Verfügbarkeit von Radon im Boden

Maßgeblich ist ein Zahlenwert zur Vorhersage über die natürliche Radonverfügbarkeit im Boden auf einer Fläche von zehn mal zehn Quadratkilometern. Um als Vorsorgegebiet zu gelten, muss dieser Wert bei mindestens 75 Prozent der Gesamtfläche einer Gemeinde bei 44 oder höher liegen.

In Gaggenau, Gernsbach, Loffenau und Forbach wurde die Bodenluft auf Radon untersucht – aber nicht in Weisenbach (Stand: 30. September 2020).

In Gaggenau (vier Messstellen) gibt es keine einzige Fläche, die über dem Wert von 44 liegt.
In Gernsbach (12 Messorte) weisen 29,47 Prozent der Gesamtfläche ein vorhergesagtes Radonpotenzial von mehr als 44 auf.
In Loffenau (eine Messstelle) sind es 0,91 Prozent.
In Forbach (neun Messorte) liegt der Flächenanteil mit einem vorhergesagten Radonpotenzial von über 44 bei 21,1 Prozent.

Keine dieser Kommunen erfüllt daher das Kriterium 1.

„Aus der Gemeinde Weisenbach liegt bislang kein Messwert für das geogene Radonpotenzial vor“, erläutert Bettina Jehne, Leiterin der Pressestelle des baden-württembergischen Umweltministeriums auf BT-Nachfrage. Man sei daher auf die Vorhersagemethode angewiesen.

Die Vorhersage ergibt für Weisenbach einen Flächenanteil von 92,89 Prozent mit einem Radonpotenzial 55,6. Damit erfüllt die Gemeinde das Kriterium 1.

Kriterium 2: Urangehalt im Boden

Ebenfalls ausschlaggebend ist der prognostizierte Urangehalt im Boden. Von einem hohen Urangehalt spricht man, wenn das Gestein mindestens 10 Milligramm Uran pro Kilogramm aufweist. Umfasst der Flächenanteil an hohen Urangehalten mindestens dreiviertel der Grundfläche einer Gemeinde, gilt das Kriterium 2 als erfüllt.

In Gaggenau haben 50,76 Prozent der Flächen einen hohen Urangehalt.
Gernsbach: 64,59 Prozent.
Loffenau: 81,66 Prozent.
Forbach: 87,69 Prozent.
Weisenbach: 88,17 Prozent.

Somit erfüllen Loffenau, Forbach und Weisenbach das Kriterium 2.

Kriterium 3: Größe der betroffenen Flächen

Zu guter Letzt müssen die nach den Kriterien 1 und 2 resultierenden Gebiete mindestens eine Grundfläche von 25 Quadratkilometern besitzen.

Hier eine Übersicht über die Größe der Gemarkungsflächen:

Gaggenau: 64,96 Quadratkilometer
Gernsbach: 81,97 Quadratkilometer
Loffenau: 17,05 Quadratkilometer
Forbach: 131,77 Quadratkilometer
Weisenbach: 9,07 Quadratkilometer

Weisenbach erfüllt zwar als einzige Kommune die Kriterien 1 und 2, aber: „Die Gemeinde ist so klein, dass schon durch eine andere Lage des gewählten Koordinatensystems (zum Beispiel eine Verschiebung um fünf Kilometer nach oben oder unten) zu einem völlig anderen Ergebnis führen kann. Aufgrund dieser Unsicherheit hat das Umweltministerium (vorerst) davon abgesehen, die Gemeinde als Radonvorsorgegebiet auszuweisen“, so Jehne.

Nichtsdestotrotz möchte die Gemeinde Weisenbach nun Maßnahmen einleiten. Es habe dort zwar bislang keine Messungen gegeben, somit liege auch kein konkreter Befund vor, „aber wir machen uns Gedanken“, versichert Bürgermeister Daniel Retsch.

Es sei daher geplant, in kommunalen Gebäuden wie dem Rathaus, dem Kindergarten, der Schule und dem Bauhof Messgeräte zu installieren, um die Radonsituation besser einschätzen zu können.

Dieses sogenannte Radonexposimeter besteht aus einer kleinen Plastikdose mit einem eingebauten Filter und einem Detektor. Wenn Radon aus der Raumluft in den Behälter eindringt und zerfällt, hinterlassen die dabei entstehenden Alphateilchen winzige Spuren auf der Detektorfolie im Inneren des Behälters.

„Damit kommen wir unserer Fürsorgepflicht als Arbeitgeber nach“, so der Rathauschef. Man habe die Messgeräte bereits bestellt und werde diese in den entsprechenden Gebäuden für einen Zeitraum von bis zu einem Jahr aufstellen.

Das Radonexposimeter wird in Gebäuden aufgestellt und sammelt dort Radon aus der Luft. Foto: Uli Deck/dpa

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Das Radonexposimeter wird in Gebäuden aufgestellt und sammelt dort Radon aus der Luft. Foto: Uli Deck/dpa

Radonvorsorgegebiete

Insgesamt 29 hat Baden-Württemberg im Juni ausgewiesen. Sie liegen allesamt im mittleren und südlichen Schwarzwald.

Radon entsteht im Boden. Das Gas dringt aus dem Untergrund nach oben und gelangt so in die Atemluft. Im Freien verdünnt es sich schnell. In Gebäuden allerdings kann sich Radon ansammeln und somit gefährlich für die Gesundheit werden. Darauf weist die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) hin.

Radon ist im Untergrund allerdings nicht gleichmäßig verteilt. Es gibt Gebiete, in denen aufgrund von Geologie und Bodenbeschaffenheit mehr Radon entsteht, das sich in Gebäuden ansammeln kann. Diese Gebiete sind laut Strahlenschutzgesetz als Radonvorsorgegebiete festzulegen, da dort in einer beträchtlichen Zahl von Gebäuden mit einer Überschreitung des gesetzlichen Referenzwerts zu rechnen ist.

Dieser Referenzwert liegt bei 300 Becquerel Radon pro Kubikmeter Atemluft bezogen auf ein Jahr. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt sogar einen Referenzwert von 100 Becquerel. „Der Wert gilt für Aufenthaltsräume und Arbeitsplätze. Wird er überschritten, sollten Radonschutzmaßnahmen ergriffen werden“, so die LUBW.

Weiterer Bericht zum Thema.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Nora Strupp

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Erstellt:
13. August 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 17sec

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