Radon zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs

Karlsruhe (vn) – Die Landesanstalt für Umwelt (LUBW) informiert die Bürger in mehreren Online-Veranstaltungen über das radioaktive Gas Radon, das überall im Boden vorkommen kann. Was ist zu beachten?

Das Lüften der Kellerräume wird oft mal vergessen  – das kann mancherorts ein Problem für die Gesundheit werden. Foto: Zacharie Scheurer/dpa

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Das Lüften der Kellerräume wird oft mal vergessen – das kann mancherorts ein Problem für die Gesundheit werden. Foto: Zacharie Scheurer/dpa

Was ist Radon?
Radon ist ein natürlich vorkommendes Gas. Es gilt als die wichtigste natürliche Strahlenquelle. Radon entsteht im Boden und kann von dort aus in Gebäude eindringen. Man kann es in Innenräumen weder sehen, riechen noch schmecken.

Warum ist es gefährlich?
Radon zerfällt spontan in kleinere Bruchstücke („Zerfallsprodukte“), die wiederum zerfallen. Bei diesem radioaktiven Zerfall wird Strahlung frei. In der Luft treten Radon und seine Zerfallsprodukte immer gemeinsam auf. Werden sie eingeatmet, können sie das empfindliche Lungengewebe schädigen. Daraus kann Lungenkrebs entstehen.

Wie häufig ist Lungenkrebs in Deutschland?
Er gehört zu den am häufigsten vorkommenden Krebsarten hierzulande. Bei Männern folgt er nach Prostatakrebs auf Platz zwei, bei Frauen nach Brust- und Darmkrebs auf Platz drei. 2019 starben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 44.847 Menschen in Deutschland an einem Bronchialkarzinom.

Sind Raucher gefährdet?
Sehr stark sogar. Bei Rauchern ist bereits das Grundrisiko, an Lungenkrebs zu erkranken, 25 Mal höher als bei Nichtrauchern. In wissenschaftlichen Studien wurde nachgewiesen, dass Radon das Lungenkrebsrisiko zusätzlich erhöht. Je mehr Radon in der Luft ist, desto höher ist das Risiko. Anders ausgedrückt: Ohne Radon-Aufnahme liegt die statistische Zahl tödlicher Lungenkrebsfälle je 10.000 Einwohner für Nichtraucher bei 41. Legt man eine durchschnittliche Radonkonzentration von 100 Becquerel (Bq) je Kubikmeter (Bq/m3) Raumluft und eine Aufnahme über mindestens 30 Jahre hinweg zugrunde, steigt diese Zahl auf 47. Ganz anders bei Rauchern: Ohne Radon-Aufnahme geht die Statistik von 1.010 tödlichen Lungenkrebsfällen je 10.000 Einwohner aus – aber von 1.160 bei der beschriebenen Kontamination über 30 Jahre hinweg.

Wie kommt das Gas ins Haus?
Radon dringt aus dem Boden ins Gebäude ein; über Risse, Spalten, undichte Fugen und Leitungsdurchführungen. Häuser ohne Keller können ebenfalls betroffen sein, zum Beispiel durch undichte Bodenplatten. Der Eintritt wird über Unterdruck im Gebäude (Sogwirkung) verursacht, meist durch Temperatur- und Druckunterschiede zwischen Gebäude und Umgebung. Die Sogwirkung kann durch Ventilatoren in Bad und WC, Kamine, Heizungsanlagen und Abzüge noch verstärkt werden. Dabei nimmt die Radonkonzentration in der Regel von Stockwerk zu Stockwerk nach oben hin ab.

Welche Rolle spielen die Jahreszeiten?
Die Radonmenge unterliegt jahreszeitlichen Schwankungen. Im Winter ergibt sich ein geringerer Luftaustausch wegen geschlossener Fenster. Zugleich ist die Sogwirkung durch Heizen und Temperaturunterschiede größer. Im Sommer sind Fenster öfter geöffnet, was einen stärkeren Luftaustausch zur Folge hat. Da weniger geheizt wird, ist die Sogwirkung geringer – und somit auch die Radonkonzentration.

Wie kann ich die Konzentration messen?
Dafür gibt es Detektoren, die man bei amtlich anerkannten Stellen erhält. Eine Liste mit solchen Stellen gibt es auf der Internetseite des Bundesamts für Strahlenschutz unter www.bfs.de. Die Geräte kosten zwischen 30 und 50 Euro, inklusive Auswertung. Die Messungen sollten mehrere Monate dauern, idealerweise ein ganzes Jahr. Nur dann sind die Ergebnisse aussagekräftig, weil jahreszeitliche Schwankungen ausgeglichen werden. Während der Messungen können die Räume wie gewohnt genutzt werden, dadurch wird der Messwert nicht verfälscht.

Welche Grenzwerte gelten?
Das Strahlenschutzgesetz legt einen Referenzwert für Radon in der Luft von 300 Bq/m3 im Jahresmittel fest. Experten betonen jedoch, dass es keine unbedenkliche Radonmenge gibt. Schutzmaßnahmen sind daher auch unterhalb des Referenzwertes sinnvoll. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt 100 Bq/m3, im äußersten Fall 300. Typische Radonkonzentrationen in Gebäuden bewegen sich bei 50 Bq/m3, im Freien bei fünf bis 30 Bq/m3. Aber: Die Radonkonzentration in Gebäuden hängt immer vom Einzelfall ab. Bundesweit geht man davon aus, dass in drei von 100 Gebäuden Radonmengen vorkommen, die über dem Referenzwert liegen. In manchen Gebieten wird erwartet, dass in zehn von 100 Gebäuden der Referenzwert in Aufenthaltsräumen oder an Arbeitsplätzen überschritten ist. Diese Gebiete müssen als Radonvorsorgegebiete ausgewiesen werden.

Was kann ich selbst tun?
Ein häufiger Luftaustausch hält die Radonkonzentration in Räumen gering. In Räumen, in denen man sich regelmäßig aufhält, sollte die Luft mindestens alle zwei Stunden komplett ausgetauscht werden. Experten empfehlen eine Lüftungsanlage, die einen ständigen und regelbaren Luftaustausch gewährleistet. Möglich ist es auch, Radon unter dem Gebäude abzusaugen. Außerdem sollte man die Radonwege ins Gebäude versperren, indem man eine Abdichtung zwischen Keller und Erdgeschoss installiert. Schließlich empfiehlt sich eine Abdichtung des Kellers, um den Radonzutritt ins Gebäude zu unterbinden.

Wer hilft mir konkret?
Bei der Planung und Umsetzung von Maßnahmen helfen Radonfachleute. Sie können die Zutrittsstellen identifizieren. Auch kleinere Reparaturmaßnahmen sollten nur von Fachpersonal ausgeführt werden. Weitere Fragen beantwortet die Radon-Beratungsstelle Baden-Württemberg unter (0721) 56002357, E-Mail: radon@lubw.bwl.de.

Zwei Veranstaltungen unter dem Titel „Schutz vor Radon“ fanden bereits statt. Zwei weitere sind für Montag, 14. Juni, 18 Uhr, und Dienstag, 15. Juni, 19 Uhr, geplant. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Voranmeldung ist nicht erforderlich.

www.radon-lubw.de

Einen Bericht über die Ausweisung von 29 Kommunen im Südwesten als Radon-Vorsorgegebiete finden sie hier:

www.badisches-tagblatt.de/Nachrichten/Radon-Gemeinden-unter-besonderer-Beobachtung-91699.html

Ihr Autor

BT-Redakteur Volker Neuwald

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Erstellt:
13. Juni 2021, 17:00 Uhr
Aktualisiert:
13. Juni 2021, 17:15 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 27sec

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