Radschnellweg an der Bahntrasse?

Karlsruhe (vn) – Seit Februar 2019 gibt es die Machbarkeitsstudie für die Strecke zwischen Karlsruhe und Rastatt – jetzt schlägt der ADFC eine Alternative vor.

Auf Schnellwegen sollen Radler möglichst unbehelligt vom Autoverkehr fahren können. Das muss gut geplant werden. Foto: Friso Gentsch

© dpa-avis

Auf Schnellwegen sollen Radler möglichst unbehelligt vom Autoverkehr fahren können. Das muss gut geplant werden. Foto: Friso Gentsch

Dutzende Kreuzungen, scharfe Kurven, Haltepunkte an Ampeln, Konflikte zwischen Auto- und Radfahrern: Diese Argumente sprechen aus Sicht des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) gegen die vom Regionalverband Mittlerer Oberrhein derzeit priorisierte Trassenführung der geplanten Radschnellverbindung zwischen Karlsruhe und Rastatt. Das Vorankommen wäre „weder schnell noch angenehm“. Der Kreisverband Baden-Baden/Rastatt hat eine andere Idee.

Der Radschnellweg „könne nicht kreuz und quer durch die Orte verlaufen, damit er jeden Bahnhof und jede Schule direkt ansteuert, sonst verliert er sein Prädikat ,schnell’“, kritisieren die Fahrrad-Lobbyisten.

Geradezu prädestiniert sei hingegen der schnurgerade Weg entlang der Neubaustrecke der Bahn. „Östlich des tiefergelegten Gleisbetts gibt es schon jetzt einen zehn Kilometer langen Baustellenweg, gerade wie mit dem Lineal gezogen, mit Durchlässen unter den meisten die B36 und die Neubaustrecke überspannenden sieben Brücken.“ Auf diesem Weg könnten Radfahrer komplett ungestört von Autoverkehr bis südlich von Rheinstetten fahren. Es wäre sehr schade, wenn dessen Potenzial ungenutzt bliebe und viele Kilometer beste Radwegtrasse einfach so brachlägen.

Siedlungsnah, wenig Flächenverbrauch

„Wir freuen uns, wenn der offene Dialog über die präferierten Radschnellverbindungen weiter geht“, kommentiert Gerd Hager den aktuellen Impuls. Der Verbandsdirektor betont allerdings, dass die Studie die Radschnellverbindung für machbar hält: „Die darin empfohlene Vorzugsvariante verläuft bewusst siedlungsnah, um ein größtmögliches Potenzial an Radfahrern zu generieren. Die Gemeinden Rheinstetten, Durmersheim, Bietigheim und Ötigheim würden direkt an die innovative Infrastruktur angebunden“, so Hager.

Ein wichtiges Kriterium für den Regionalverband sei auch eine möglichst geringe zusätzliche Flächenversiegelung. Diese könne durch die Nutzung der Bestandsinfrastruktur gering gehalten und die Eingriffe in die Landschaft minimiert werden. Zusätzlich wirke sich die Nutzung von bestehenden, bereits versiegelten Wegen positiv auf die Umweltbilanz und die Kostenstruktur aus.

Die Machbarkeitsstudie des Planungsbüros VAR+ in Darmstadt liegt seit Februar 2019 vor. Eine Informationsveranstaltung zur konkreten Trassenführung zwischen Karlsruhe und Rastatt fand bereits am 14. Mail 2018 im Landratsamt Rastatt statt.

Die Baulast der Verbindung Karlsruhe – Rastatt liegt beim Land. Die nun beginnenden Planungen führe das Regierungspräsidium in Karlsruhe durch. „Zu diesen Planungen gehört ein umfangreicher Variantenvergleich, die eine nochmalige Prüfung einer Vielzahl von Belangen beinhaltet“, so Hager.

Ihr Autor

Volker Neuwald

Zum Artikel

Erstellt:
13. August 2020, 18:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 06sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.