Rastatt: Kriminalität auf Rekordtief

Rastatt (dm) – Im Coronajahr 2020 ist die Zahl der Straftaten in Rastatt deutlich gesunken. Die Statistik zeigt in fast allen Bereichen Zehnjahrestiefstwerte. Doch Gewalt gegen Polizisten nimmt zu.

So wenig Kriminalität wie seit zehn Jahren nicht: Die Kurve zeigt die Zahl der Straftaten in Rastatt von 2010 bis 2020. Hauptursache für den deutlichen Rückgang ist laut Polizei die Pandemie. Infografik: Jasmin Vogt /BT

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So wenig Kriminalität wie seit zehn Jahren nicht: Die Kurve zeigt die Zahl der Straftaten in Rastatt von 2010 bis 2020. Hauptursache für den deutlichen Rückgang ist laut Polizei die Pandemie. Infografik: Jasmin Vogt /BT

So wenig Kriminalität war in Rastatt schon lange nicht mehr: Die Zahl der registrierten Straftaten ist in der Barockstadt im vergangenen Jahr auf 3.203 und damit den niedrigsten Wert seit zehn Jahren gesunken. Hauptsächlich ist dies auf die Corona-Verordnungen und -Lockdowns zurückzuführen. Ganz im Gegensatz dazu: Noch nie zuvor gab es so viel Gewalt gegen Polizeibeamte.
Weniger Straßenkriminalität (minus 14,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr), weniger Diebstähle (minus 19,3 Prozent), weniger Wohnungseinbrüche (minus 44,1 Prozent), insgesamt weniger Gewalt (minus 23,23 Prozent), weniger Täter beziehungsweise Tatverdächtige (minus 14,8 Prozent): Fast durch die Bank weist die gestern veröffentlichte Statistik im Vergleich der vergangenen zehn Jahre Tiefstwerte aus.

Hauptursache sei „ganz klar die Pandemie“, wie Rastatts Polizeichef Andreas Dahm im BT-Gespräch bestätigte. Zugleich habe man zur Kontrolle der Corona-Verordnungen und deren Einhaltung viel Polizei auf der Straße gehabt, samt Unterstützung von der Bereitschaftspolizei, bis hin zur Reiterstaffel.

56 Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte

Der Anstieg der Gewalt gegen Polizeibeamte hingegen – in einigen Fällen auch bei der Kontrolle und Durchsetzung der Corona-Bestimmungen – ist für ihn nicht erklärbar. Noch vor sechs Jahren zählte man 29 solcher Fälle, 2019 waren es bereits 50 und im vergangenen Jahr nun 56 – und das, obwohl die Polizisten mit Body-Cams (also körpernahen Kameras) ausgestattet sind, die erlauben, sich die Vorfälle später nochmals genauer anzuschauen. Dass ihre bloße Erwähnung den einen oder anderen Kontrahenten dazu brachte, von weiterer Aggression abzulassen, deutet darauf hin, dass ohne die Kamera hier eine noch größere Zahl stünde. Dabei, so Dahm, „verschlimmern die ihre Situation doch nur“.

Während pandemiebedingt zu erwarten war, dass mit den Einschränkungen auch die Straßenkriminalität sinkt, ist zumindest in der Statistik unerwartet auch die häusliche Gewalt zurückgegangen. 92 Fälle hat die Polizei in Rastatt im Jahr 2020 registriert, im Jahr davor waren es noch 107. Ist stattdessen das Dunkelfeld größer geworden? Wie groß dieses ist, wisse man nicht. Doch Verdachtsmeldungen kämen häufig von Nachbarn, so Dahm, und die seien ja ebenfalls im Lockdown und damit gleichsam stärker ans Zuhause gebunden.

Einen Anstieg verzeichnet man indes im Bereich „sonstige Straftatbestände“, zu denen Beleidigung und Sachbeschädigung zählt. Bundesweit sei zudem ein Anstieg der Cyberkriminalität (also übers Internet) festzustellen.

Wie stets, machen in Rastatt Diebstähle (984 Fälle) den größten Teil der Straftaten aus, gefolgt von Rohheitsdelikten (603), Vermögens- und Fälschungsdelikten (514) sowie Sachbeschädigungen (374).

Der Anteil nichtdeutscher Straftäter ist von 45,3 auf 42,2 Prozent zurückgegangen, demzufolge waren 57,8 Prozent Deutsche. Unter den insgesamt 1.507 Tatverdächtigen waren 159 Asylbewerber/Flüchtlinge.

Kluft zwischen Wahrnehmung und Lage

Nach wie vor ist Rastatt mehr von Kriminalität belastet als Gaggenau und Bühl, aber auch deutlich weniger als Baden-Baden. Insgesamt attestiert Revierleiter Dahm der Barockstadt eine „sehr gute Entwicklung und Prognose“.

Er sieht aber auch ein „weiteres Auseinanderklaffen zwischen subjektiver Wahrnehmung und objektiver Lage“. Die Zahlen und die Beobachtungen gäben die oft verbreitete negative Stimmung nicht her, das sei für ihn ganz schwer zu fassen.

Ein Beispiel dafür sei der Bahnhof, als Angstraum wahrgenommen, aber kein Verbrechensschwerpunkt. Auch dort sanken 2020 die Zahlen rapide. 77 Straftaten registrierte die Polizei im vergangenen Jahr noch (Vorjahr: 158), darunter Vermögens- und Fälschungsdelikte, Sachbeschädigung sowie Verstöße gegen strafrechtliche Nebengesetze. Ein Raub und neun Körperverletzungen schlugen das ganze Jahr über am Bahnhof zu Buche. 36 Diebstähle (von 984 in der Gesamtstadt) wurden dort festgestellt. Zumeist (25 Mal) hatten es die Langfinger auf Fahrräder abgesehen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Daniel Melcher

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Erstellt:
19. März 2021, 18:18 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 47sec

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