Rastatt: Proberäume dringend gesucht

Rastatt (lg) – Das kulturelle Leben in Rastatt erwacht aus seinem coronabedingten Schlaf. Eines hat sich durch die Pandemie für Musiker jedoch nicht geändert: Der Mangel an Proberäumen.

Das ehemalige SWI-Gebäude, unter anderem Heimstatt des Jugendkulturvereins Art Canrobert. Fünf Proberäume stehen dort zur Verfügung. Noch. Ansonsten sieht es mau aus für Bands. Foto: Frank Vetter

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Das ehemalige SWI-Gebäude, unter anderem Heimstatt des Jugendkulturvereins Art Canrobert. Fünf Proberäume stehen dort zur Verfügung. Noch. Ansonsten sieht es mau aus für Bands. Foto: Frank Vetter

Die Lage ist schon seit Jahren eher mittelmäßig, kurzzeitig drohte diese sogar weiter ins Negative abzudriften. Dreh- und Angelpunkt: Das städtische Gebäude Karlstraße 23, auch bekannt als ehemaliges SWI-Gebäude.

Bereits seit 2004 ist unter anderem der Kulturverein Art Canrobert (ACR) dort ansässig und bietet dort insgesamt fünf Proberäume an, die derzeit von acht festen Musikgruppen und diversen weiteren Projekten genutzt werden. Nach zunächst jahrelangen Abrissplänen hatte die Stadtverwaltung 2018 angekündigt, dass man das Gebäude sanieren und unter anderem das Stadtarchiv dorthin auslagern werde. Erfreuliche Nachrichten für die Rastatter Kulturszene, denn ACR hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch keine alternativen Räumlichkeiten gefunden.

Im vergangenen Jahr trat die Stadt jedoch mit neuen Plänen an den Verein heran: Man wolle das Gebäude auch noch anderweitig verwenden, eine „soziale Nutzung“ war damals laut Stadtpressestelle vorgesehen. Von Plänen für eine Kindertagesstätte habe man zwar schnell wieder Abstand genommen, heißt es auf Anfrage aus der Stadtpressestelle, aber man halte sich nach wie vor weitere Nutzungsoptionen offen. Spruchreif sei derzeit noch nichts. Aktuell werden die Räumlichkeiten im zweiten Obergeschoss für den Einzug des Stadtarchivs gegen Ende 2022 hergerichtet. Zuvor soll noch eine energetische Sanierung des Gebäudes erfolgen, eine brandschutztechnische Überprüfung des Gebäudes hat bereits stattgefunden.

Unverständnis bei Art Canrobert

Im Rahmen der Kita-Pläne war ein Fluchttreppenhaus vorgesehen, das ACR rund 110 Quadratmeter an Vereinsräumen gekostet hätte – eine Maßnahme, die die Ausübung des Vereinszweckes und „die Interessen unserer über 200 Mitglieder“ massiv einschränken würde, wie ACR-Vorsitzender Philipp Erben vergangenes Jahr in einer Stellungnahme des Vereins an die Stadt schrieb. Kommt eine wie auch immer geartete Nutzung der weiteren Räume im ersten Obergeschoss (sozusagen auf der „Rückseite“ von ACR), würden für ein Fluchttreppenhaus offenbar Flächen benötigt, die derzeit als zwei Proberäumen, Multifunktionsraum und Lager genutzt werden; ein weiterer Proberaum würde um mehr als die Hälfte seiner Grundfläche beschnitten – betroffen wären mindestens fünf Bands.

Ursprünglich hatte sich ACR laut Erben von der Sanierung mehr statt weniger Möglichkeiten und Räume erhofft, erste Gedanken über ein Tonstudio für die hauseigenen Bands oder das Einrichten eines Kulturzentrums in Zusammenarbeit mit den ansässigen Theatervereinen und weiteren Künstlern gab es bereits.

Nach wie vor herrscht Unverständnis im Verein über die künftige Nutzung des Gebäudes: Jahrelang herrschte Leerstand im Obergeschoss, mehrfach habe ACR die Nutzung angefragt – die Stadtverwaltung verwies laut Erben hierbei stets auf den unbekannten Planungszustand des Gebäudes. Auf Anfrage hieß es, dass die Karlstraße 23 eines der letzten Reserve-Gebäude in städtischer Hand sei und andere Nutzungen schon länger vorgesehen seien, dementsprechend habe man den Bitten von Art Canrobert nicht nachkommen können. „Damit wird Kultur nicht gefördert, sondern fast aktiv verhindert, durch die Nicht-Schaffung von Proberäumen“, findet der Vereinsvorsitzende.

Außerhalb von Art Canrobert ist die Anzahl der Proberäume in Rastatt sehr überschaubar – es gibt genau einen weiteren. Dieser befindet sich im städtischen Kinder- und Jugendtreff und wird derzeit von einer Band genutzt. Eine besonders hohe Nachfrage nach dem Raum sei nicht zu verzeichnen, berichtet Miguel Rodriguez, Kundenbereichsleiter für Kommunale Sozialarbeit der Stadt Rastatt. Erklären könne er das aber auch: Die Nutzungszeiten des Raums sind an die Öffnungszeiten des Kinder- und Jugendtreffs sowie der städtischen Musikschule gekoppelt. „Viele Bands suchen Räume, in denen sie sich frei entfalten können“, so Rodriguez. Das könne man vonseiten der Stadtjugendförderung derzeit nicht anbieten, man sei dort „nicht ganz so flexibel“.

Auch im restlichen Landkreis sieht es nicht besser aus: In keiner der elf Umland-Gemeinden stehen Proberäume zur Verfügung. Zwar wäre man in Ötigheim, Bietigheim, Elchesheim-Illingen und Steinmauern durchaus offen für Anfragen, der Tenor ist jedoch überall gleich: Die Chancen sind sehr gering, da die meisten Räume durch die ortsansässigen Vereine bereits voll ausgelastet sind.


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