Rastatt schrumpft zur Außenstelle

Rastatt (ema) – Das evangelische Kirchengemeindeamt Rastatt wird aufgelöst, wenn Geschäftsführer Dietmar Pingel Ende dieses Monats in den Ruhestand geht.

Erst 2019 war das Kirchengemeindeamt in den Neubau beim Werderplatz eingezogen. Foto: av

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Erst 2019 war das Kirchengemeindeamt in den Neubau beim Werderplatz eingezogen. Foto: av

Jahrzehntelang konnte sich das evangelische Kirchengemeindeamt Rastatt halten – obwohl immer wieder die Auflösung wie ein Damoklesschwert über der Einrichtung schwebte. Jetzt ist es doch passiert. Das Amt wird zum Ende des Monats aufgegeben, wenn Geschäftsführer Dietmar Pingel in den Ruhestand geht. Die Zügel werden fortan in Baden-Baden gehalten – von einer Schwächung des Standorts Rastatts will man dort aber nicht sprechen.
Auf fünf Mitarbeiter – verteilt auf 3,3 Stellen – war das Rastatter Amt zuletzt gewachsen. Immerhin galt es, fast 200 Mitarbeiter in Kindertagesstätten, Schülerhorten, Pflegestation, Zentralküche und den vier Kirchen zu betreuen – mit einem Jahresetat von rund acht Millionen Euro. Ein formidabler mittelständischer Betrieb also, für den Dietmar Pingel seit 1986 die Verantwortung trägt.

Wenn der 65-Jährige als Hüter der protestantischen Finanzen zum Monatsende in den Ruhestand geht, müssten alle Beteiligten auf die gewohnten „kurzen Wege“ wohl verzichten, meint Pingel. Seine Stelle wird nicht mehr besetzt. Eine Mitarbeiterin wechselt ins Baden-Badener Verwaltungs- und Serviceamt des Kirchenbezirks; die restlichen Kolleginnen werden in Rastatt eine Außenstelle der Kurstadt-Zentrale bilden.

Der Geschäftsführer des Verwaltungs- und Serviceamts Baden-Baden, Johannes Kopp, wertet die Zäsur keineswegs als Schwächung des Standorts Rastatt. Im Vergleich zu anderen Kirchenbezirken, etwa Emmendingen oder Lörrach, gibt es nach seiner Einschätzung in Mittelbaden mit der Strukturreform immer noch kurze Wege. Er selbst wird künftig etwa zweimal pro Woche in der Außenstelle in der Barockstadt präsent sein. Kopp: „Rastatt ist gut aufgestellt und wird es weiter bleiben.“

Das gelte auch in finanzieller Hinsicht, betont der Geschäftsführer. Man stehe noch „sehr gut da“, sagt Kopp, auch wenn es coronabedingt durch den Ausfall der Kita-Gebühren eine Schwächung gab. Hier wolle man noch durch Zuschüsse finanziell ins Lot kommen, kündigt der Geschäftsführer Anträge bei der Stadt Rastatt an.

Kopp hofft, dass man auch in Rastatt den allgemeinen Strukturwandel mit dem Rückgang von Kirchenmitgliedern gut auffangen könne. Mit der bevorstehenden Auflösung der Michaelsgemeinde und der Zäsur in der Verwaltung kommen allerdings gerade zwei einschneidende Schritte dicht aufeinander. Die Mutmaßung, dass unter diesen Bedingungen der 1,5 Millionen Euro teure Neubau für Kirchengemeindeamt, Pfarrwohnung und Pfarramt am Werderplatz für die Katz’ war, weist Kopp zurück. Seit vergangenem Jahr ist das Haus bewohnt. Der Geschäftsführer wertet das Gebäude trotz der Strukturreform als Stärkung für Rastatt. Denn es sei durchaus fraglich, so gibt Kopp zu bedenken, ob die Landeskirche die Außenstelle in Rastatt aufrechterhalten hätte, wenn der Neubau nicht zur Verfügung gestanden hätte.


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