Rastatt schwimmt wieder

Rastatt (sawe) – Im Rastatter Freibad Natura beginnt am 26. Mai die Freibadesaison. Derzeit präsentiert sich die Freizeiteinrichtung am Schwalbenrain allerdings noch als große Baustelle.

Aufgefüllt: Der Umbau des 50-Meter-Beckens zum Mehrzweckbecken soll Mitte Mai abgeschlossen sein. Foto: Frank Vetter

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Aufgefüllt: Der Umbau des 50-Meter-Beckens zum Mehrzweckbecken soll Mitte Mai abgeschlossen sein. Foto: Frank Vetter

Das Rastatter Schwimmbad ist eine Großbaustelle. Schweres Gerät rollt mit Getöse über die Liegewiesen und macht den Rasen platt. Laster kippen immer wieder Kiesladungen in das 50-Meter-Sportbecken, das zum Mehrzweckbecken umgebaut wird und ein Podest erhält. Vor dem Eingang wird ebenfalls gebuddelt, was das Zeug hält und eine Leitung verlegt. Kaum zu glauben, dass sich hier in gerade mal vier Wochen Badegäste tummeln werden. Am 26. Mai soll im Natura die Freibadsaison beginnen. „Das ist schon sportlich“, meint Bäderleiter Tobias Peter mit Blick auf den Termin: „Wir tun alles dafür, dass wir es auch schaffen“.

Normaler Badebetrieb ohne Corona-Einschränkungen geplant

Die gute Nachricht vorneweg: Es soll wieder eine ganz normale Saison werden ohne Personenbegrenzung, mit Ticketverkauf an der Kasse und Saisonkarten, wie es vor Corona der Fall war, sofern die Inzidenzen nicht wieder hochschießen und neue Verordnungen Einschränkungen erforderlich machen. Und auch die Preise bleiben stabil, sagt Peter.

Die Sträucher entlang des Sportbeckens sind auf einer Seite gerodet, die Mauer abgerissen: Sie mussten für die Fundamente weichen, auf denen die Betonkolosse für die Traglufthalle platziert werden, die im Herbst über das Sportbecken gespannt werden soll. Betonelemente und Traglufthalle konnten gebraucht aus Konstanz besorgt werden, „es war ein Glücksfall, dass es hier passt“, unterstreicht der 37-Jährige, während der Baulärm der Maschinen sämtliche Geräusche zu übertönen droht. Nach der Schließung des Hallenbads Alohra und bis zum Bau des umstrittenen Kombibads am Schwalbenrain soll das künftig überdachte Sportbecken als Provisorium einen Ganzjahresschwimmbetrieb ermöglichen, auch für Nichtschwimmer. Dafür wird das Sportbecken auf einer Länge von etwa zehn Metern umgebaut, mit Betonelementen und Kies gefüllt und mit einem Edelstahlboden versehen. In dem Bereich weist es dann nur noch eine Wassertiefe von etwa 1,20 Metern auf. „Somit können Wettkampfsportler auch noch ihre Rollen vollziehen“, sagt Peter. Die 50-Meter-Strecke ist also weiterhin durchgängig nutzbar.

„Sicherheit hat höchste Priorität“

Noch ziemlich trostlos: Die Baustellenfläche wird für die Sommersaison mit Rindenmulch oder Pellets belegt. Dort soll künftig die Containerlandschaft aufgebaut werden. Foto: Frank Vetter

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Noch ziemlich trostlos: Die Baustellenfläche wird für die Sommersaison mit Rindenmulch oder Pellets belegt. Dort soll künftig die Containerlandschaft aufgebaut werden. Foto: Frank Vetter

Ziemlich trostlos sieht das Areal zwischen Sport- und Mehrzweckbecken aus. Dennoch soll dieser Bereich im Sommer als Liegefläche genutzt werden. „Wir werden sie mit Rindenmulch oder Pellets belegen“, sagt Peter, der mehrfach wiederholt, dass die Sicherheit der Badegäste höchste Priorität habe. Damit die Besucher auch im Winter trockenen und warmen Fußes das Schwimmbecken erreichen, ist eine Containerlandschaft mit Umkleidekabinen, Sanitäranlagen und Heizung und einer Schleuse in die Traglufthalle geplant. Allerdings gibt es Probleme: Weder der Bauzeitenplan noch die Kosten für dieses Projekt können eingehalten werden, räumt der Eigenbetrieb Bäder, Versorgung und Verkehr ein, der am Montag im Rastatter Gemeinderat über den Sachstand berichten wird. Lieferengpässe, Auslastung in vielen Branchen, Krieg in der Ukraine: Viele Flüchtlinge werden in den EU-Staaten aufgenommen, dadurch habe sich die Nachfrage nach Container-Modulbausegmenten stark erhöht. Der Eigenbetrieb sieht inzwischen von einem Kauf ab, nachdem ein Richtpreisangebot bei einem Hersteller eingeholt wurde: Es beläuft sich auf 720.000 Euro, das sind saftige 520.000 Euro mehr als geplant. Im Januar war man noch von 200.000 Euro ausgegangen. Günstiger komme eine Anmietung der Containerlandschaft – für drei Jahre würden 360.000 Euro netto anfallen, das wären gegenüber der bisherigen Kaufvariante rund 160.000 Euro netto mehr, führt der Eigenbetrieb auf, verweist aber darauf, „dass auch hier die geopolitischen Risiken omnipräsent und deshalb der angedachte Winterbetrieb im November unter Vorbehalt der Ausschreibungsergebnisse steht“. Zudem rechnet der Badbetreiber mit einer Kostensteigerung für Erdgas und Strom von rund 100.000 Euro netto pro Jahr.

Keine Kostensteigerungen gibt es indes bei den Vorbereitungsarbeiten für die Freiluftsaison, die rund 60.000 bis 70.000 Euro erfordern. Die Badmitarbeiter sind fleißig am Werk und freuen sich, dass es bald wieder losgeht, meint Peter, der am Schluss noch über eine schöne Option berichtet: Die aus drei Membranteilen bestehende Traglufthalle könne im Frühjahr abgenommen, eingelagert und im Herbst wieder montiert werden. Da dürften insbesondere Freiluftfans erleichtert sein, die schon befürchtet hatten, dass sie in den nächsten Sommern in drückender Schwüle in einer Halle baden gehen müssen.

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Erstellt:
23. April 2022, 09:30 Uhr
Lesedauer:
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