Rastatter Denkmal mit blutigem Hintergrund

Rastatt (rw) – In Rastatt erinnert ein Denkmal an „die im Afrikafeldzuge gebliebenen Helden“ des Infanterie-Regiments 25. Inzwischen erkennt Deutschland die Kolonialverbrechen als Völkermord an.

Unter großer Anteilnahme von Militärs und Bevölkerung wird im Rastatter Dörfel das Kolonialdenkmal eingeweiht. Seit 1929 steht es auf der anderen Straßenseite der heutigen Friedrich-Ebert-Straße. Foto: Sammlung Wollenschneider

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Unter großer Anteilnahme von Militärs und Bevölkerung wird im Rastatter Dörfel das Kolonialdenkmal eingeweiht. Seit 1929 steht es auf der anderen Straßenseite der heutigen Friedrich-Ebert-Straße. Foto: Sammlung Wollenschneider

„Deutschland erkennt Kolonialverbrechen als Völkermord an“ lautete dieser Tage eine Schlagzeile. Man bezieht sich dabei auf den Genozid an Zehntausenden von Herero und Nama. Bei der Niederschlagung des Aufstands ab 1904 im heutigen Namibia, damals die Kolonie Südwest-Afrika, gingen deutsche Soldaten rücksichtslos vor. In Rastatt erinnert ein Denkmal an sie.

Auch die Angehörigen des Rastatter Infanterie-Regiments Nr. 25, die „Lützower“, waren an den blutigen Kämpfen beteiligt. Daran erinnert bis heute ein „Heldendenkmal“ an der Ecke Lützower-/Friedrich-Ebert-Straße in der Ludwigvorstadt, dem Dörfel. Am 30. Juli 1907 wurde das Denkmal unter großer Anteilnahme von Militärs und Zivilbevölkerung eingeweiht. Zuerst noch postiert auf der gegenüberliegenden Seite, folgte 1929 die Versetzung. Der Traditionsverband der „Ehemaligen Lützower“ hatte die Verlegung des Denkmals beim Rastatter Oberbürgermeister August Renner beantragt, weil es „nicht in würdiger Weise“ behandelt worden war. Kinder hatten das Stein-Ensemble als Spiel- und Tummelplatz genutzt.

Mit einer groß angelegten Feier wurde anlässlich des Regimentstreffens im August 1929 die Einweihung des „Denkmals für die im Afrikafeldzuge gebliebenen Helden“ (so der Text der offiziellen Postkarte) begangen. Ergänzt wurde das „Heldenmal“ an neuem Platz durch eine Bronzetafel für die gefallenen Lützower im Ersten Weltkrieg. Tropische Pflanzen im Ensemble um den Monolithen sollten an die Kolonialzeit des deutschen Kaiserreichs bis 1919 erinnern.

Einheiten aus Freiwilligen

Getrennt vom deutschen Heer im Kaiserreich war 1891 eine „Schutztruppe“ gebildet worden. Nach Aufzeichnungen des ehemaligen Leiters des Wehrgeschichtlichen Museums in Rastatt, Uwe-Peter Böhm, befand sich in Karlsruhe ein Ausbildungszentrum für Angehörige der Kolonialtruppen. Die Einheiten bestanden aus Freiwilligen und mussten sich vor ihrer Entscheidung für den Auslandeinsatz von ihrer Stammeinheit entlassen lassen.

Der ehemalige Vorsitzende des Historischen Vereins, Michael Feik, recherchierte, dass der in Rastatt geborene Offizier Friedrich Barack 1905 in die Schutztruppe eintrat. Er nahm an den blutigen Kämpfen gegen die Hereros und 1907 gegen die Hottentotten teil. Barack kehrte gesund aus Afrika zurück und musste sich so nicht in Stein gemeißelt auf dem Rastatter Denkmal verewigen lassen.

Auf dem Lützower-Denkmal, das heute trotz vorbeiflutendem Verkehr im Dunkel der Kastanienbäume etwas im Abseits liegt, wurden die „Helden“ des Auslandseinsatzes verewigt. Darunter auch das Opfer einer Typhus-Epidemie, Heinrich Seiler. Im Kampfeinsatz starben die ehemaligen Lützower Soldaten Ferdinand Hollstein und Karl Friedrichsen.

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Erstellt:
8. Juni 2021, 11:09 Uhr
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