Rastatter „Gold-Paar“ immer in Bewegung

Rastatt (sawe) – Immer in Bewegung: Waltraud und Ernst Michel sind beide über 80 Jahre alt, topfit und das erste Ehepaar beim RTV, das zum 50. Mal das Deutsche Sportabzeichen abgelegt hat.

Prüfer Michael Riedl (links) mit dem Ehepaar Waldtraud und Ernst Michel. Beide haben bereits zum 50. Mal das Deutsche Sportabzeichen absolviert. Foto: Sabine Wenzke

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Prüfer Michael Riedl (links) mit dem Ehepaar Waldtraud und Ernst Michel. Beide haben bereits zum 50. Mal das Deutsche Sportabzeichen absolviert. Foto: Sabine Wenzke

Die 50 Meter läuft Ernst Michel in 11,3 Sekunden. Seine Frau Waldtraud ist noch etwas schneller: Sie schafft die Distanz in 10,9 Sekunden. Die Michels – er ist 85, sie 82 Jahre alt – können in diesem Jahr ein ganz besonderes Gold-Jubiläum begehen. Das Ehepaar hat zum 50. Mal das Deutsche Sportabzeichen abgelegt – das ist nicht nur eine Premiere im Rastatter Turnverein (RTV), sondern dürfte auch in ganz Deutschland nicht gerade besonders häufig sein.

Fast immer „Gold“geholt

Michael Riedl, der die Teilnehmer beim RTV bei ihren Trainingseinheiten betreut, untermauert die Besonderheit mit Zahlen: Zwar seien aus der Statistik keine Erkenntnisse zu gewinnen, wie viele Ehepaare es den Michels bereits gleichgetan haben, räumt er ein. Jedoch haben seinen Recherchen zufolge bisher lediglich acht Personen im Bereich des Badischen Sportbunds das Sportabzeichen 50 Mal abgelegt, 30 waren es in Baden-Württemberg und 211 in Deutschland.

Und das seit 59 Jahren verheiratete „Gold-Paar“ hat bis auf eine Ausnahme in allen Kategorien stets „Gold“ geholt. Lediglich ein einziges Mal musste sich Ernst Michel am Ende mit Silber begnügen, was die bemerkenswerte sportliche Bilanz freilich nicht schmälern kann. Waldtraud Michel hat, um genau zu sein, bereits zum 53. Mal sämtliche Leistungs-Kategorien erfüllt, ihr Gatte, der einige Jahre vor ihr anfing und dann einige Male beim Sportabzeichen ausgesetzt hatte, in diesem Jahr nun zum 50. Mal. Damit wurde das Gold-Jubiläumspaar des RTV perfekt.

Körperlich und geistig fit

Waldtraud und Ernst Michel sind ein gutes Beispiel dafür, wie man mit Sport und einer gesunden Lebensweise körperlich und geistig fit bis ins hohe Alter bleiben kann. Die Lebensjahre sieht man beiden nicht an, positiv lebensbejahend wirken sie. Ein Leben ohne Sport? „Undenkbar und langweilig“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Dabei gehe es vordergründig nicht darum, Rekorde zu brechen, sondern um die Kontinuität: „Die regelmäßige Bewegung macht’s“, gibt Waldtraud Michel ihr Erfolgsrezept preis, das sie und ihr Mann auch heute noch mit großer Lust befolgen. „Wir radeln viel“, erzählt die 82-Jährige – im Alltag, in der Freizeitgruppe mit Vereinsmitgliedern oder zu zweit am Wochenende – da kommen bei einer Tagestour schon mal 60 Kilometer zusammen. Und sie wandern gerne. Früher waren sie noch viel öfter auf Schusters Rappen unterwegs, dabei auch jedes Jahr eine Woche von Hütte zu Hütte auf Alpentour. Diese Zeiten sind allerdings vorbei. „Die Beine können zwar noch, aber die Luft da oben bleibt einfach weg“, bekennt Ernst Michel, der heute noch Faustball spielt und viel Gymnastik macht und sagt: „Ich fühle mich sehr gut“. Seine Frau geht unter anderem dreimal in der Woche zur Gymnastik in den Verein. In der Gruppe mache Sport ja auch viel mehr Spaß, stellt sie lachend einen weiteren positiven Aspekt pro Bewegung heraus.

Anforderungen überarbeitet

Einen Ausgleich zu seinem Bürojob zu finden, war vor gut 60 Jahren die Motivation für Ernst Michel, in den RTV einzutreten. Und natürlich machte er auch bald beim Deutschen Sportabzeichen mit, das vor über 100 Jahren erstmals vergeben und etwa Mitte der 1960er Jahre auch im Rastatter Turnverein eingeführt wurde, wie Riedl berichtet.

2013 erlebte das bekannteste Ehrenzeichen der Freizeitsportler dann eine grundlegende Reform, Anforderungen wurden komplett überarbeitet, Altersgruppen mit Blick auf den demografischen Wandel feiner definiert, nicht zuletzt auch, um der Bewegungsarmut in der Gesellschaft zu begegnen. „Bronze kann heutzutage jeder schaffen, wenn er mittrainiert“, ist Riedl überzeugt. Die zu erbringenden Leistungen orientieren sich an den motorischen Grundfähigkeiten Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination. Aus jeder dieser Disziplingruppen muss eine Übung erfolgreich abgeschlossen werden, wobei es die drei Leistungsstufen Bronze, Silber und Gold gibt. Zudem muss die Schwimmfertigkeit nachgewiesen werden.

Auf Training im Schwimmbad verzichtet

Waldtraud Michel hat sich in der Kategorie Ausdauer in ihrer Altersklasse 200 Meter Schwimmen ausgesucht, die sie in 7:05 Minuten geschafft hat – allerdings ohne Training, wegen der Corona-Pandemie verzichtete sie auf weitere Schwimmbadbesuche in diesem Jahr. Ihr Mann hat sich für den 3.000-Meter-Lauf entschieden, und diesen in 23:16 Minuten bewältigt, den Medizinball bei der Schnellkraft 8,04 Meter weit geworfen und beim Seilspringen (Kategorie Koordination) 31 Seilschläge ohne Zwischensprung geschafft. 23 Seildurchschläge waren es bei seiner Frau, die zudem 1,36 Meter aus dem Stand weit sprang.

Michael Riedl ist stolz wie Oscar auf das „Gold-Paar“. Die Freude darüber kann auch der Umstand nicht wirklich trüben, dass „wegen Corona“ in diesem Jahr weniger Teilnehmer mitmachten, als in den Vorjahren, darunter aber auch wieder einige Polizeianwärter und Menschen mit Behinderung, wie der 68-Jährige hervorhebt.

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Erstellt:
10. November 2020, 16:00 Uhr
Lesedauer:
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