Rastatter Jugendcafé in der Warteschleife

Rastatt (rjk) – Die Stadtverwaltung Rastatt steht hinter dem Vorhaben, ein selbstverwaltetes Jugendcafé einzurichten, dennoch ist die Standortsuche seit 2018 erfolglos.

Projektarbeit im Kellertheater: So ähnlich könnte es aussehen, wenn sich Jugendbeteiligungsreferentin Fabienne Furrer (rechts) mit den Mitgliedern der Jugenddelegation im eigenen Jugendcafé trifft. Foto: Laura Frank

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Projektarbeit im Kellertheater: So ähnlich könnte es aussehen, wenn sich Jugendbeteiligungsreferentin Fabienne Furrer (rechts) mit den Mitgliedern der Jugenddelegation im eigenen Jugendcafé trifft. Foto: Laura Frank

Für Bürgermeister Arne Pfirrmann ist die Jugendbeteiligung in Rastatt ein „Erfolgsmodell“. Vor bald fünf Jahren fiel mit einer vom Gemeinderat verabschiedeten Richtlinie der Startschuss. 2017/18 nahm die Jugenddelegation ihre Arbeit auf. Und fast genauso lange schon brennt den Jugendlichen ein Thema besonders unter den Nägeln, regelmäßig taucht es auch in den Sitzungen des Ausschusses für Jugend, Soziales und Kultur (JSK) auf: Die jungen Leute wollen ein weitgehend selbstverwaltetes Jugendcafé in der Innenstadt.
Eine passende Immobilie dafür muss aber erst noch gefunden werden. Und genau das ist der Knackpunkt. Das ist seit Beginn der Standortsuche im Jahr 2018 nämlich noch nicht gelungen.

Warum das so ist, erklärten jetzt Bürgermeister Arne Pfirrmann, der Leiter des Kundenbereichs „kommunale Sozialarbeit“, Miguel Rodriguez, und die neue Jugendbeteiligungsreferentin Fabienne Furrer (Foto: Hubertus Grafe) im Gespräch mit unserer Zeitung.

„An Bemühungen hat es nicht gemangelt“

Laut Furrer, die gerade erst die Nachfolge von Florian Seeland angetreten hat, engagieren sich aktuell 33 Mitglieder zwischen 14 und 17 Jahren in sieben Projektgruppen. „Davon sind allein 18 Jugendliche in der Arbeitsgruppe Jugendcafé“, sagt sie. „Das zeigt, wie groß nach wie vor das Interesse an einem eigenen Café ist.“

Pfirrmann betont: „Dieses Anliegen der Jugenddelegation ist auch mir sehr wichtig. Die Stadt steht voll und ganz hinter dem Projekt. Sie wird auch dafür sorgen, dass daraus etwas ganz Solides und Vernünftiges wird.“ An Bemühungen, einen geeigneten Standort in der Innenstadt zu finden, habe es nicht gemangelt, betont Miguel Rodriguez. „Von den zehn Immobilien, die wir angeschaut haben, kamen bis heute acht in die engere Auswahl. Wir haben sie begutachtet und mit den Eigentümern gesprochen. Zwei Objekte prüfen wir derzeit noch.“

Dass es trotzdem noch immer nicht gelungen ist, einen geeigneten Standort zu finden, habe verschiedene Gründe. In manchen Gebäuden hätten sich die Räume aufgrund der Größe oder Aufteilung als ungeeignet erwiesen.

„Remmidemmi ist hier nicht zu erwarten“

Oft sei die erhoffte Einigung mit den Eigentümern nicht zustande gekommen, „weil gerade in älteren Häusern der Sanierungsbedarf zu hoch war“, wie Rodriguez sagt. Pfirrmann weist darauf hin, dass in vielen Fällen bauliche Maßnahmen nötig gewesen wären, um die baurechtlichen Voraussetzungen erfüllen zu können.

Gezielt richte die Stadt den Blick auch auf Leerstände und frage bei den Eigentümern nach. „Oft haben sie aber genaue Vorstellungen, was und wen sie in ihrem Haus haben wollen“, sagt Pfirrmann. „Wobei ich mich schon frage, warum sie Räume lieber leer stehen lassen, als einem solchen Vorhaben mal eine Chance zu geben.“

Teils seien die Bemühungen an zu hohen Pachtvorstellungen der Vermieter gescheitert, teils auch an gewissen Vorbehalten und Ängsten. „Die möchten wir potenziellen Vermietern gerne nehmen, denn sie sind unbegründet“, betont der Bürgermeister. „Remmidemmi ist hier nicht zu erwarten. Und nachts wäre das Café ohnehin geschlossen.“ Zwar wolle die Stadt, dass die jungen Leute das Café eigenverantwortlich betreiben. Aber selbstverständlich werde es eine Betreuung geben.

Standort in der Innenstadt gesucht

Auf die Frage, warum das Café der Badner Halle nicht als Jugendcafé in Frage kam, antwortet Pfirrmann dass das Lokal fester Bestandteil des neuen Gastronomie-Konzepts des Eigenbetriebs Kultur und Veranstaltungen sei. Und warum muss es unbedingt ein Standort in der Innenstadt sein? Rodriguez: „Weil die Jugendlichen das so wollen. Sie möchten keinen Stadtteiltreff irgendwo am Stadtrand, sondern einen zentralen Treffpunkt, an dem sie einfach mal vorbeischauen können. Sie vergleichen sich da auch ein Stück weit mit einem kommerziellen Café.“ Abgesehen davon seien sie in der City direkt bei den Schulen, Geschäften und in Bahnhofsnähe. Die Erreichbarkeit sei besser und die Sozialkontrolle in einem belebten Bereich einfach stärker. Nicht zu begeistern sind die Jugendlichen laut Rodriguez für temporäre Alternativen. „Ein Pop-up-Konzept, also eine Übergangsnutzung in einem der städtischen Jugendtreffs, entspricht nicht ihren Vorstellungen. Sie wollen eine feste Basis.“

Und wie sieht diese „Basis“ aus? Nach städtischen Vorstellungen ist sie etwa 70 bis 100 Quadratmeter groß, verfügt im Idealfall über einen Nebenraum für die Projektarbeit und hat von etwa 13 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Getränke und selbst zubereitete Speisen soll es in kleinem Rahmen geben. Außerdem möchte die Jugenddelegation, dass von ihrem Café auch soziales Engagement ausgeht, zum Beispiel in Form wohltätiger Aktionen.

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Erstellt:
3. Februar 2022, 18:00 Uhr
Lesedauer:
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