Christian Dusch wird neuer Landrat in Rastatt

Rastatt (ema/dm) – Der Kreistag des Landkreises Rastatt hat am Dienstag Christian Dusch im ersten Wahlgang zum neuen Landrat gewählt. Wann genau er sein Amt antreten kann, ist noch unklar.

Strahlender Sieger: Der künftige Landrat Christian Dusch mit seiner Lebenspartnerin. Foto: Frank Vetter

© fuv

Strahlender Sieger: Der künftige Landrat Christian Dusch mit seiner Lebenspartnerin. Foto: Frank Vetter

„Wir haben einen neuen Landrat“: Die Uhr zeigt 16.20 Uhr, als Sitzungsleiter Hartwig Rihm das Ergebnis des ersten Wahlgangs im Rastatter Kreistag verkündet – es fällt knapper aus als von manchen im Vorfeld erwartet. Mit 31 zu 28 Stimmen hat Christian Dusch (CDU) am Dienstagnachmittag das Duell ums Landratsamt gegen Karsten Mußler (FW) für sich entscheiden können.
Damit hat der (Noch-)Direktor des Regionalverbands Südlicher Oberrhein exakt die für die absolute Mehrheit benötigte Stimmenzahl erreicht. 59 der 61 Kreistagsmitglieder waren zur Abstimmung geschritten: Mußler selbst war als Bewerber nicht wahlberechtigt, und SPD-Landtagsabgeordneter Jonas Weber hatte sich aus dienstlichen Gründen für die Sitzung entschuldigen lassen.

Dusch: „Ansporn und Herausforderung zugleich“

„Ansporn und Herausforderung zugleich“: Das sei das Ergebnis für ihn, sagt der sichtlich erleichterte Gewinner Dusch, als der Applaus verebbt. „Ich will mit Ihnen zusammen den Landkreis in eine gute Zukunft führen.“ Wann er das Amt antreten kann, ist derzeit offen. Noch sei er eingebunden in seinen Job in Freiburg, so der 42-Jährige, wo es für ihn diesen Mittwoch früh ab 8 Uhr erst mal weitergeht, wie er im Gespräch mit dem BT sagt. Es sei ihm jedoch in Aussicht gestellt worden, möglicherweise zum 1. Dezember in Rastatt antreten zu können.

Starten werde nun die Wohnungssuche in der Region. Damit könne er, zusammen mit Lebenspartnerin und 16 Monate jungem Sohn, wieder näher an seine Heimat zurückziehen (Dusch kommt aus der Ortenau) – auch das habe in seine Motivation, sich um das Amt in Rastatt zu bewerben, mit hineingespielt, wie er in seiner Bewerbungsrede sagt.

Inhaltlich streift er die Themen Umweltschutz, Wirtschaft, Klinikreform und Finanzen, hält sich vor allem an Punkte, die er in „45 Einzelgesprächen“ mit Kreistagsmitgliedern im Vorfeld der Wahl ausgemacht hat. Als drängendes Thema sieht er die Deponie-Frage Oberweier. Das sei für ihn „Chefsache“. Die Bewältigung des PFC-Skandals bezeichnet er als „Generationenaufgabe“. Auch die Klinikreform nennt er als „Großthema“, hier sei eine „sehr gute Grundlage für die Standortauswahl“ geschaffen worden. Generell wichtig sei für ihn (auch bei anderen Themen), dass „die Entscheider über Lager hinweg fähig sind, die richtigen Schwerpunkte zu setzen“. Auf eine Nachfrage von Arne Pfirrmann (FW), welches soziale Thema er als erstes anpacken wolle angesichts seines Ziels, „die Lebensverhältnisse der Bürger im Landkreis zu verbessern“, muss Dusch indes noch passen.

Mußler: Enttäuschung nach knapper Niederlage

Zuvor war, weil er seine Bewerbung zuerst eingereicht hatte, Karsten Mußler ans Rednerpult getreten. Es gelte, die Aufgaben der kommenden Jahre „ohne große Einarbeitungszeit anzupacken“, findet er und bringt sein 17-jähriges Engagement im Kreistag und als Bürgermeister von Kuppenheim ins Spiel. So habe er etwa bei der Neuausrichtung des Klinikums „wesentlich zum fraktionsübergreifenden Konsens beigetragen“. Wahrung des gesellschaftlichen Zusammenhalts, Klima- und Umweltschutz, Mobilität, Digitalisierung und den Transformationsprozess in der Wirtschaft nennt er als Überschriften. Konkret regt er die Erarbeitung einer Klimaschutzstrategie und neue ergänzende Mobilitätsangebote wie fahrerlose Bussysteme, Zubringerdienste und „Verkehr on demand“ an, die Einrichtung einer Jugend-Task-Force sowie die Bildung eines Runden Tischs „Bildung und Beruf“. In der Nachnutzung der bisherigen Klinik-Liegenschaften sehe er eine Chance, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Auch Mußler nimmt sich den Abfallwirtschaftsbetrieb vor, wo „verloren gegangenes Vertrauen“ wiederhergestellt werden müsse. Hierzu gehöre auch, die Führungsstruktur zu überprüfen.

Am Ende zeigt er sich angesichts der knappen Niederlage enttäuscht. „Ich habe alles gegeben, sowohl im Vorfeld als auch in meiner Rede.“ Dass es knapp werden würde, dazu habe er „Signale“ bekommen. Jetzt konzentriere er sich vor allem auf seine Aufgaben als Kuppenheimer Bürgermeister: „Da gibt es noch einige wichtige Aufgaben bewältigen.“ Was der Ausgang der Wahl für ihn als FW-Fraktionsvorsitzender im Kreistag bedeutet, lässt Mußler offen. „Das werden wir in der Fraktion besprechen.“

Bäuerle: „Zwei sehr qualifizierte Bewerber“

FW-Kollege Arne Pfirrmann spricht ihm trotz der Niederlage Gratulation zum „sehr guten Ergebnis“ aus, angesichts dessen, dass Dusch im Vorfeld schon als Sieger dargestellt worden sei. Wie berichtet, hatten CDU und Grüne (28 Stimmen) und mehrheitlich die SPD (gestern mit neun Mitgliedern vertreten) angekündigt, den 42-Jährigen zu unterstützen. Auch dem Gewinner gratuliert Pfirrmann und versichert ihm eine konstruktive Zusammenarbeit.

Karsten Mußler (links) gratuliert dem neuen Landrat Christian Dusch. Foto: Frank Vetter

© fuv

Karsten Mußler (links) gratuliert dem neuen Landrat Christian Dusch. Foto: Frank Vetter

Landrat a.D. Jürgen Bäuerle, der neben zahlreichen Interessierten die Wahl verfolgt – unter ihnen Bürgermeister des Landkreises, Baden-Badens OB Margret Mergen, Nachbar-Landräte sowie Pamina-Vertreter – spricht wie viele andere auch von „zwei sehr qualifierten Bewerbern“. Er sei „sehr froh“, dass nun die Vakanz an der Spitze des Landratsamts und des Kreistags beendet werde. Das sieht Grünen-Fraktionssprecher Manuel Hummel ebenso. „Wir sind froh, dass wir einen ambitionierten neuen Landrat haben“, bekräftigt Kollegin Beate Benning-Groß.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Andreas Merkel stellt fest, dass Dusch das notwendige Handwerkszeug und die kommunalpolitische Erfahrung mit sich bringe, um die schwierigen anstehenden Themen ausgleichend und kommunikativ bewältigen zu können. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit.“

SPD-Fraktionschef Walter Jüngling bekräftigt, dass seine Fraktion mehrheitlich für Dusch stimmte; einige Kollegen hätten jedoch ihr Votum von der Vorstellungsrunde abhängig gemacht. Der neue Landrat müsse sich jetzt in den Gremien bewähren; „genügend Probleme haben wir.“

„Wir können mit beiden Bewerbern zusammenarbeiten“, bekennt AfD-Sprecher Volker Kek. Der neue Landrat sei offen und habe Potenzial. FDP/FuR-Sprecher Lutz Jäckel, dessen Fraktion sich zu Mußler bekannt hatte, vermisst in Duschs Rede „klare Positionen. Das wird er jetzt als Landrat tun müssen.“

Die Wahl war erforderlich geworden, nachdem der bisherige Amtsinhaber Toni Huber im Mai dieses Jahres unerwartet gestorben war.

Zum Thema:

Duell ums Landratsamt in Rastatt

Das Interesse ist groß. Wegen des begrenzten Platzes in der Badner Halle wird die Wahl in den Murgpark übertragen. Foto: Frank Vetter

© fuv

Das Interesse ist groß. Wegen des begrenzten Platzes in der Badner Halle wird die Wahl in den Murgpark übertragen. Foto: Frank Vetter

Ihr Autor

BT-Redakteuren Egbert Mauderer und Daniel Melcher

Zum Artikel

Erstellt:
12. Oktober 2021, 11:23 Uhr
Aktualisiert:
12. Oktober 2021, 18:51 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 50sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.