Rastatter Narren: Gesundheit und Schutz gehen vor

Rastatt (ema) – Ohne Corona wäre diesen Samstag das Narrenbaumstellen in Rastatt über die Bühne gegangen. Ein Interview mit der Sprecherin der IG Rastatter Narren über einen Winter ohne Fastnacht.

Rastatter Narrenbaum 2021: Geschmückt ohne Zeremonie und ohne Publikum. Foto: Stadt Rastatt

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Rastatter Narrenbaum 2021: Geschmückt ohne Zeremonie und ohne Publikum. Foto: Stadt Rastatt

Eigentlich wäre diesen Samstag großes Narrenbaumstellen in Rastatt, ein fester Termin im Fastnachtskalender der Stadt – wenn nicht die Corona-Pandemie einen Strich durch die närrische Rechnung gemacht hätte. Stattdessen hat die Stadtverwaltung am Freitag ohne Zeremonie und ohne Publikum dieses symbolische Zeichen der fünften Jahreszeit schmücken lassen. Über den Saison-Ausfall, den sonst üblichen Fahrplan der Straßenfastnachter und darüber, was überhaupt denkbar ist in diesen Zeiten: Dazu hat BT-Redakteur Egbert Mauderer der Sprecherin der Interessengemeinschaft Rastatter Narren, Andrea Herm, einige Fragen gestellt.

BT: Frau Herm, Fastnacht fällt aus, Hand aufs Herz: Wie geht es Ihnen da als Oberzunftmeisterin der Rastatter Wurzelsepp und Sprecherin der IG Rastatter Narren?

Andrea Herm: Nicht so gut. Wir Narren fiebern jedes Jahr dem 11.11. entgegen, wo wir die Fastnachtskampagne bei dem IG-Mitglied „Niederbühler Feuerteufel“ eröffnen können. Im Jahr 2020 war schon sehr früh abzusehen, dass wir auf unsere Fastnacht verzichten müssen, da Veranstalter eines Umzugs, Brauchtumsabends, etc. die Hygieneauflagen entweder nicht alle umsetzen können oder vor allen Dingen kein Veranstalter ein Hotspot sein will. Gesundheit und Schutz unserer Mitglieder gehen vor.

BT: Sie selbst sagen, Gesundheit und Schutz gehen vor. Zumal Sie persönlich von Glück sprechen, als Sie mit anderen Mitstreitern noch am 1. März in Sulzburg beim Umzug mit dabei waren. Wie sehen Sie das rückblickend?

Herm: In der Woche vor Sulzburg hörte man immer wieder, dass das Virus auch bei uns angekommen ist. Da wir in Erfahrung bringen konnten, dass in Freiburg bis dahin noch kein Corona-Fall bekannt war, entschieden wir uns, an dem Umzug teilzunehmen. So fuhren wir mit zwei Bussen Richtung Freiburg. Im Nachhinein muss ich sagen, dass wir viel Glück hatten.

„Alles wurde heruntergefahren“

BT: Wie sieht denn so ein Saison-Fahrplan der Straßenfastnachter üblicherweise ohne Corona aus?

Herm: Ab November besuchen wir die Veranstaltungen der befreundeten Vereine, unter anderem auch die Kampagne-Eröffnungen der Rastatter Karnevalsvereine. Am ersten Samstag nach dem 6. Januar sind wir dann beim Narrenbaumstellen der IG-Mitglieder „Rastatter Schellenteufel“ und „Rauentaler Spargelhexen“. Danach besuchen wir Umzüge an fast jedem Wochenende. Teilweise sind einige von uns sogar an zwei Tagen an einem Wochenende unterwegs. Zu Umzügen, die weiter weg sind, fahren wir mit Bussen, sodass wir als Interessengemeinschaft Rastatter Narren mitunter mit zwei, drei Bussen anreisen, um unsere Vereine und unsere Heimatstadt Rastatt zu repräsentieren. Zum Abschluss der Kampagne fahren wir dann zur Bure-Fastnacht an die Schweizer Grenze oder nach Sulzburg im Wechsel.

BT: Kann man die Mitglieder in der aktuellen Durststrecke irgendwie ein bisschen bei Laune halten?

Herm: Vereinstreffen waren im letzten Jahr überhaupt nicht möglich. Da wurde alles heruntergefahren. Wir können alle nur hoffen, dass unsere Mitglieder dafür Verständnis haben. Einige Mitgliedsgruppen haben den Dezember dazu genutzt, dem Narrensamen einen Nikolaus vorbeizubringen oder ihre Mitglieder schriftlich zu kontaktieren.

BT: Die IG ist in Kontakt mit dem Oberbürgermeister. Was wäre denn überhaupt denkbar an Straßenfastnacht in Rastatt, und wovon hängt das Ganze ab?

Herm: Da die Interessengemeinschaft Rastatter Narren schon seit einigen Jahren sehr eng mit den Rastatter Karneval-Gesellschaften zusammenarbeiten und im ständigen Kontakt sind, wurden ein paar Anregungen mit unserem OB Hans Jürgen Pütsch besprochen, wie man den Rastatter Bürgern etwas über die schwere Zeit hinweghelfen kann. Die Öffentlichkeit wird dann von uns informiert, wenn alles in trockenen Tüchern ist.

Narretei nur auf der Couch?

Lange hatten sie gebangt und gehofft, dann mussten die Fastnachtsvereine in der Region doch alles absagen. Dennoch dürfte 2021 eine historische Kampagne werden, von der noch Generationen erzählen werden – der totale närrische Lockdown sozusagen, der Elferräte und Gardetänzerinnen, Prinzenpaare und Guggenmusiker auf die heimische Couch zwingt. „Abgesagt“ wird vermutlich das närrische Unwort des Jahres. Aber geht da wirklich gar nichts? Haben die vielen Tausend Aktiven tatsächlich alle Häs und Kostüm mit Hausschuhen und Jogginghose getauscht, die närrischen Ideen für Büttenreden, Auftritte, Wagenbau und vieles mehr gedanklich eingemottet und schunkeln höchstens per Videokonferenz? So wie die BT-Redaktion ihre geballten Frohsinns-Anhänger kennt, kann sie das nicht glauben. Und hat sich mal umgehört, was die Helauprofis so treiben und wie es ihnen geht. Daraus geworden ist die neue Serie „Couch-Fastnacht“.

Wir freuen uns über weitere Anregungen und Ideen – egal wie närrisch sie auch sein mögen. Geben Sie uns einfach einen kurzen Hinweis per E-Mail an redra@badischestagblatt.de.

Andrea Herm, Oberzunftmeisterin der Rastatter Wurzelsepp und Sprecherin der IG Rastatter Narren. Foto: privat

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Andrea Herm, Oberzunftmeisterin der Rastatter Wurzelsepp und Sprecherin der IG Rastatter Narren. Foto: privat

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Erstellt:
9. Januar 2021, 07:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 15sec

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