Rastatter Pfleger wegen Missbrauchs vor Gericht

Rastatt (BNN) – Am Montag muss sich ein Pfleger vor Gericht verantworten, der sich im Rastatter Klinikum an zwei Patienten vergangenen haben soll. Hier die wichtigsten Fakten im Überblick.

Mutmaßlicher Tatort: Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, in seiner Rolle als Pfleger im Klinikum Rastatt zwei Patienten missbraucht zu haben. Foto: Ralf Joachim Kraft

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Mutmaßlicher Tatort: Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, in seiner Rolle als Pfleger im Klinikum Rastatt zwei Patienten missbraucht zu haben. Foto: Ralf Joachim Kraft

Sexuelle Nötigung und schwere Körperverletzung: Das wirft die Staatsanwaltschaft einem Pfleger vor, der sich im Rastatter Klinikum an zwei Männern vergangen haben soll. Nun muss sich der 35-Jährige vor dem Amtsgericht in Rastatt verantworten. Der Prozess gegen den Pfleger findet am Montag, 22. November, um 9 Uhr vor dem Amtsgericht Rastatt statt. Das Gericht hat elf Zeugen und einen Sachverständigen geladen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft droht dem Verdächtigen im Fall einer Verurteilung eine Haftstrafe zwischen drei Monaten und fünf Jahren. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Prozess.

Was soll passiert sein?
Das erste mutmaßlich Opfer informierte die Klinikleitung am nächsten Morgen. Der betroffene Mitarbeiter wurde zu einem Personalgespräch geladen, in dem er nach Angaben der Pressestelle des Klinikums Mittelbaden die Vorwürfe bestritt. Konsequenzen ergriff das Klinikum erst vier Monate später. Im Juli 2020 meldete ein zweiter Patient einen Übergriff durch den Pfleger. Diesmal verständigte die Leitung die Kriminalpolizei. Sie stellte den Mitarbeiter frei und erteilte ihm Hausverbot. Laut Pressestelle hatte er nach Bekanntwerden des Vorfalles keinerlei Patientenkontakt mehr. Ende Juli 2020 sei das Arbeitsverhältnis beendet worden.

Warum blieb der Verdächtige nach den Vorwürfen im März im Dienst?
Das Klinikum Mittelbaden argumentiert, dass der Patient auch die Möglichkeit eingeräumt habe, bei dem Vorfall könne es sich um einen Traum gehandelt haben. Nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt sei außerdem bekannt geworden, dass der Mann Medikamente bekommen habe, die Wahrnehmungsstörungen auslösen könnten. Darüber hinaus habe er sich schließlich entschlossen, keine Anzeige zu erstatten. Das mutmaßliche Opfer widerspricht dieser Darstellung allerdings in Teilen. Er habe sich von der Klinikleitung nicht ernst genommen, sondern als „Witzfigur“ hingestellt gefühlt. Am Ende habe er sich selbst entlassen, um der Situation zu entkommen.

Seit wann war der Pfleger beim Klinikum Mittelbaden tätig?
Der beschuldigte Mitarbeiter war von 2011 bis 2017 und erneut ab 2020 im Klinikum Mittelbaden beschäftigt.

Welche Medikamente soll er benutzt haben?
Das ist bislang nicht bekannt. Das Klinikum Mittelbaden sagt, dass es keinen Fehlbestand der verschreibungspflichtigen Medikamente gegeben habe. Die Ergebnisse der Spurensicherung oder Testergebnisse der entnommenen Blut- und Urinprobe seien dem Haus nicht bekannt.

Gibt es weitere Verdachtsfälle?
Das Klinikum Mittelbaden teilt mit: „Weitere Verdachtsfälle gibt es nicht.“ Da die Staatsanwaltschaft nach Abschluss der Ermittlungen nur die drei vermutlichen Taten mit zwei Opfern zur Anklage bringt, scheint es zumindest keine handfesten Indizien für weitere Taten zu geben.

Welche Beweismittel liegen gegen den Verdächtigen vor?
Die Ermittler haben das Handy des Pflegers ausgewertet. Offenbar stießen sie dort auf Fotos, die sie zumindest einem Teil der Taten zuordnen und als Beweismittel ansehen.

Wie verteidigt sich der Verdächtige?
Im Gegensatz zum Personalgespräch im März, in dem er die Taten bestritten haben soll, hat er offenbar seine Strategie geändert. Laut Michael Klose, Sprecher der Staatsanwaltschaft Baden-Baden, argumentiert er, die Handlungen seien im gegenseitigen Einverständnis mit den Patienten geschehen.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Holger Siebnich

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Erstellt:
19. November 2021, 15:26 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 41sec

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