Rastatter Schulen wollen für „Lockdown“ gerüstet sein

Rastatt (sl) – Mit Coronahilfen von Bund und Land hat die Stadt Rastatt 400 Tablets für Schulen angeschafft. Zunächst sind sie aber nur für den Unterricht im Klassenzimmer vorgesehen.

An den meisten Rastatter Schulen werden die mit Landes- und Bundesmitteln angeschafften Tablets zwar im Unterricht eingesetzt, die Schüler dürfen sie aber nicht mit nach Hause nehmen. Das kann sich nun schnell ändern. Foto: Jonas Klüter/dpa

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An den meisten Rastatter Schulen werden die mit Landes- und Bundesmitteln angeschafften Tablets zwar im Unterricht eingesetzt, die Schüler dürfen sie aber nicht mit nach Hause nehmen. Das kann sich nun schnell ändern. Foto: Jonas Klüter/dpa

Unter Rastatter Schülern regt sich Unmut in Sachen digitaler Ausrüstung. Zwar hat die Stadtverwaltung als Schulträger 400 Tablets angeschafft, und 200 weitere sollen folgen, wie die Pressestelle auf BT-Nachfrage ankündigt. Doch, so die Schülerkritik, würden diese nicht an die Jugendlichen ausgeliehen, solange noch in den Klassenräumen unterrichtet wird. Dabei würde doch digitales Arbeiten immer wichtiger, und nicht jeder Schüler könne sich ein eigenes Tablet leisten.
Die Anschaffung der 400 Geräte erfolgte aufgrund des Sofortausstattungsprogramms des Bundes und des Landes, das im Zuge der Corona-Pandemie aufgelegt wurde, informiert der zuständige städtischen Fachbereich Schulen, Kultur und Sport. Nach diesem Sofortausstattungsprogramm seien die Tablets für den digitalen Fernunterricht gedacht. Das heißt, die Tablets sollen den Schülern zur Verfügung gestellt werden, die keinen Präsenzunterricht wahrnehmen können (zum Beispiel wegen einer entsprechenden Quarantäneanordnung), und zu Hause über keine Möglichkeit verfügen, den Fernlernunterricht wahrzunehmen.

LWG-Direktor Braun: „Präzedenzfälle vermeiden“

Würden die Geräte nicht für den Fernlernunterricht benötigt, könne die Schule sie im Rahmen des normalen Unterrichts einsetzen, bis sie für den Fernlernunterricht gebraucht werden. Eine leihweise Überlassung an Schüler im Präsenzunterricht sei jedoch grundsätzlich nicht vorgesehen, heißt es aus dem Rathaus. Im Klartext: Die Schüler verwenden die Tablets im Klassenzimmer, dürfen sie aber nicht mit nach Hause nehmen.

Dies wird zum Beispiel am Ludwig-Wilhelm-Gymnasium und an der August-Renner-Realschule (ARR) so gehandhabt, bestätigen Direktor Markus Braun und Schulleiter Stefan Funk. An der Gustav-Heinemann-Schule sind die Tablets in der Vorbereitungsklasse für Schüler, die noch kein Deutsch können, im Einsatz. Schulleiter Andreas von der Forst findet es wichtig, die Jugendlichen nun verstärkt an digitale Lernformen heranzuführen. Doch auch an der Gemeinschaftsschule werden die Geräte im Klassenzimmer eingesetzt, nicht zu Hause. Etwas anders ist die Situation am Tulla-Gymnasium, wo der Nachmittagsunterricht teilweise als „Homeschooling“ stattfindet. Die Tullaner dürfen die Leihtablets in diesem Fall schon jetzt mit nach Hause nehmen.

Laut Stadtverwaltung könnten Ausnahmen auch dann möglich sein, wenn neben der sozialen Komponente die Schule eine pädagogische und fachliche Notwendigkeit darin sieht. „Der Wunsch, Fotokopien einzusparen, ist da aber nicht genug“, sagt LWG-Chef Braun. Auch wolle man Präzedenzfälle vermeiden. Dass es jedenfalls einheitliche Kriterien geben müsste, sieht auch Stefan Funk so.

Ernstfall kann schnell eintreten

Im Ernstfall erfolgt die Ausgabe der Tablets dann über die Schulen, so die Stadtverwaltung, die beurteilen, ob der Jugendliche ein Gerät benötigt oder nicht. Ob dies der Fall ist, hänge davon ab, welche Geräte der Schüler daheim hat und ob er sich beispielsweise noch mit anderen Familienmitgliedern Geräte teilen muss. Die Schulleitung beurteile dies anhand der Angaben der Eltern. Damit die Schulen hier möglichst einheitlich verfahren, hat die Stadtverwaltung ihnen einen Musterfragebogen für die Eltern sowie ein Muster für ein kurzes Infoschreiben zur Verfügung gestellt.

Doch welchen Sinn hat es, die Geräte bis dahin zurückzuhalten, fragt sich eine Gruppe von Schülern, die auf die BT-Redaktion zugekommen ist. Die Antwort der Stadtverwaltung: „Die Geräte müssen im Bedarfsfall kurzfristig zur Verfügung stehen, um Schülerinnen und Schülern, die Fernunterricht wahrnehmen müssen und zu Hause nicht auf entsprechende Geräte zurückgreifen können, einen zeitnahen Übergang zu ermöglichen.“ Dies zu garantieren, hält nicht nur von der Forst für schwierig. „Wir tun gut daran, für den Notfall gerüstet zu sein und die Geräte verfügbar zu haben“, will auch Markus Braun vorbauen, falls es wieder zu schnellen Schulschließungen oder Quarantäne kommt.

Dass der Ernstfall sehr schnell eintreten kann, zeigt sich am LWG und an der Handelslehranstalt, wo erste Corona-Fälle am Freitag bestätigt wurden.

Und was geschieht mit den Geräten, falls es zu keinem erneuten „Lockdown“ der Rastatter Schulen kommt? Die Geräte würden dann im Rahmen der Medienentwicklungspläne in den normalen Unterricht eingebunden, verspricht die Stadt, dass sie jedenfalls nicht entsorgt werden oder veralten, ohne je zum Einsatz gekommen zu sein.

Stadt verspricht regelmäßige Updates

Das weitere Vorgehen hängt laut Rathaus entscheidend von der Entwicklung in Zusammenhang mit dem Covid-19-Virus ab. Bis dahin sei vorgesehen, dass die Geräte regelmäßig mit Updates versorgt werden.

Dazu wurden Tablet-Koffer angeschafft. Darin können die Geräte von der Schule sicher aufbewahrt, geladen und ans Netz für Updates angeschlossen werden. Sind die Tablets an Schüler ausgegeben, kann die Aktualisierung der Geräte trotzdem über eine Internetanbindung durch die Stadt Rastatt erfolgen.

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Erstellt:
18. Oktober 2020, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 13sec

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