Rastatter Tunnel: Bohrer kommt unfallfrei ins Ziel

Rastatt (dm) – Die Vortriebsmaschine in der Weströhre des Rastatter Tunnels ist am Ziel. Laut Bahn ein „wichtiger Schritt für den Ausbau der Rheintalbahn“. Nun folgt die Demontage des Tunnelbohrers.

Blick auf die Tunnelbaustelle am Ende der Röhre. Im Zielschacht steht die nicht sichtbare „Sibylla Augusta“ in ihrer Endposition. Die Vorarbeiten zur Zerlegung des Schneidrads laufen. Foto: Frank Vetter

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Blick auf die Tunnelbaustelle am Ende der Röhre. Im Zielschacht steht die nicht sichtbare „Sibylla Augusta“ in ihrer Endposition. Die Vorarbeiten zur Zerlegung des Schneidrads laufen. Foto: Frank Vetter

Nach der folgenschweren Havarie vom August 2017 ist es der wohl größte Meilenstein beim Bau des Rastatter Bahntunnels: Vortriebsmaschine Sibylla Augusta hat in der Weströhre ihr Ziel erreicht. „Ein wichtiger Schritt für den viergleisigen Ausbau der Rheintalbahn“, sagt die Bahn. Eilig hatte sie es mit der Bekanntgabe indes nicht. Bereits drei Tage zuvor, am 6. Dezember, war es so weit, wie am gestrigen Donnerstag der Presse mitgeteilt wurde.
Nach der Havarie in der Oströhre hatten die Bahn und die Arbeitsgemeinschaft Rastatter Tunnel Ende 2017 auch den Vortrieb der Weströhre bei Niederbühl gestoppt. Während Schwestermaschine „Wilhelmine“ damals zur Stabilisierung des Bereichs unter den Bahngleisen in Beton gegossen wurde, stellte man „Sibylla Augusta“ im Wartungsschacht vor der Rheintalbahn ab. Am 18. Oktober dieses Jahres, zahlreiche Untersuchungen, Verzögerungen und Verschiebungen später, wurde sie dann auf ihre letzten 200 Meter geschickt – unter einer Stahlbetonplatte, zusätzlichen Aufschüttungen sowie Zementgemisch-Injektionen zur Bodenverfestigung, bei „engmaschiger Überwachung“ im Zuge einer Rund-um-die-Uhr-Beobachtung und im 24-Stunden-Betrieb, wie die Bahn betont.

Ankunft schneller als zuletzt erwartet

Das von der DB und der Arbeitsgemeinschaft Rastatter Tunnel entwickelte Baukonzept sollte dafür sorgen, dass die Maschine die Rheintalbahn sicher unterfahren kann. Das ging offensichtlich auf: „Sibylla-Augusta“ habe in den vergangenen sieben Wochen ihre letzte Strecke bis zum Zielschacht „sicher und ohne Störungen“ zurückgelegt, wie es in der Mitteilung heißt – und letztlich schneller als erwartet. Eigentlich sei die Ankunft der Maschine erst für 15. Dezember avisiert gewesen, sagte eine Bahnsprecherin auf Nachfrage. Mit der Herstellung des letzten von 1.950 Tunnelringen sei „Sibylla Augustas“ Dienst nun beendet.

Demontage mit „Lärm und Erschütterungen

Damit habe man eine wichtige Voraussetzung für die Fertigstellung des Tunnels geschafft, in dem später einmal Züge auf einer Länge von 4.270 Metern das Rastatter Stadtgebiet durchqueren sollen. Zuletzt wurde die Inbetriebnahme auf Ende 2026 angekündigt – mit dann rund vier Jahren Verzögerung gegenüber dem ursprünglichen Vorhaben.

So geräuschlos wie „Sibylla Augustas“ Vortrieb sollen die nächsten Tage indes nicht werden: Die Demontage des Schneidrads steht an. Es wird an der Spitze in Teile zerlegt und ebenso wie später auch der Rest der Maschine nach Süden abtransportiert. Dafür müsse zudem eine Stahlbetonwand im Zielschacht entfernt werden, heißt es in einer Info der Bahn an die Anwohner. „Leider“ seien die Arbeiten „mit Lärm und Erschütterungen verbunden“. Ein Bagger mit Betonzange und Abbruchmeißel komme zum Einsatz. Angesetzt sind die Arbeiten bis 23. Dezember, jeweils werktags von 7 bis 20 Uhr, und nach einer Weihnachtsruhe wieder von 27. bis 30. Dezember. Die anschließende Demontage der Maschine werde voraussichtlich bis Ende Mai 2022 dauern.

Dass die Nachrichten aus der Weströhre erst verspätet kundgetan wurden, sorgte angesichts der Vorgeschichte indes auch für Verwunderung in Niederbühl. „Da haben die es endlich geschafft und wir hören erst mal nichts darüber“, lautete eine Reaktion von Einwohnern gegenüber Ortsvorsteher Klaus Föry, der selbst erst im Nachhinein von dem Durchbruch erfahren hatte, wie er berichtet.

Immerhin: Dass die zerlegten Schneidrad-Teile mit Lkw direkt über die Baustelle und die B3 im Süden abtransportiert werden, erspart dem Ort wohl weiteren Schwerlastverkehr. Der bestehende „reicht uns schon“, so Föry angesichts des laufenden Ab- und Antransports von Material zum Bau der Hans-Thoma-Brücke.

Dazu drohen weitere Lkw-Fahrten, wenn die Rastatter Stadtwerke Material für die Errichtung der Traglufthalle im Freibad Natura über Niederbühl anliefern.

Verlegung der Gleise im Frühjahr

Und wie geht es an der Bahnbaustelle weiter? Ab Anfang 2022 sollen die Arbeiten zur Verlegung der Gleise der Rheintalbahn in Niederbühl auf die fertige Weströhre und die darüberliegende Betonplatte Richtung Mehrzweckhalle starten. Die auf einer Länge von rund 700 Metern verschwenkten Gleise sollen während einer Sperrpause an den Osterfeiertagen 2022 an die Rheintalbahn angeschlossen werden – ohne Auswirkungen für Fahrgäste, wie eine Bahn-Sprecherin skizziert.

Durch die zeitweise Verlegung wird jedenfalls Platz gemacht, um für die Wiederherstellung der Oströhre eine Baugrube auszuheben. Denn während „Sibylla Augusta“ die Weströhre wie zuvor in Tübbing-Bauweise fertigstellte – dabei bohrt der vordere Teil der Vortriebsmaschine den Tunnel auf und werden hinter dem Schneidrad Betonringe gesetzt –, will man die Oströhre „von oben“ fertigbauen. Bis Ende 2024 soll das dauern. Zunächst muss dafür aber die unter den Gleisen kurz vor dem Ziel steckende Vortriebsmaschine „Wilhelmine“ ausgegraben, aufgesägt und abmontiert werden. Warum sie im August 2017 havariert ist – darüber macht die Bahn weiterhin keine Angaben. Das Beweiserhebungsverfahren sei noch immer nicht abgeschlossen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Daniel Melcher

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Erstellt:
9. Dezember 2021, 19:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 19sec

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