Rastatter Westwallbunker: Neue Objekte

Rastatt (sl) – Der Historische Verein freut sich auf das Ende der Corona-Pause und lädt ab Sonntag wieder zu Führungen im Weltkriegsrelikt an der L75 ein. Es gibt einige neue Objekte zu bestaunen.

Ein nachgebautes Wehrmachtsfahrrad präsentieren Boris Traub (links) und Karl Schweizer vom Historischen Verein. Im Hintergrund: Karte und Foto zu den Verteidigungsanlagen bei Rastatt. Foto: Sebastian Linkenheil

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Ein nachgebautes Wehrmachtsfahrrad präsentieren Boris Traub (links) und Karl Schweizer vom Historischen Verein. Im Hintergrund: Karte und Foto zu den Verteidigungsanlagen bei Rastatt. Foto: Sebastian Linkenheil

15 Mann unter engsten Bedingungen eingepfercht in einem Bunker, der jederzeit unter feindlichen Beschuss geraten kann: Die wenigsten Zeitgenossen hierzulande können sich die Bedrängnis der meist jungen Männer wohl wirklich vorstellen. Wenigstens um Corona mussten sich die Soldaten des Zweiten Weltkriegs keine Sorge machen. Und auch beim Historischen Verein nimmt man dank niedriger Inzidenzwerte den Führungsbetrieb im Westwallbunker bei Rastatt wieder auf.
Boris Traub freut sich schon auf die ersten Gruppen, die er durch einen der ganz wenigen erhaltenen Weltkriegsbunker des Typs Regelbau 10 führen darf. Die allermeisten dieser Betonkolosse wurden nach dem Krieg von der französischen Besatzungsmacht gesprengt. Das Rastatter Exemplar hingegen ist gut erhalten, dank dem Historischen Verein öffentlich begehbar und authentisch eingerichtet.

Kopf einziehen: Nur in gebückter Haltung gelangt man durch den mehrfach gesicherten Eingang ins Innere des gut erhaltenen Bunkers. Foto: Sebastian Linkenheil

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Kopf einziehen: Nur in gebückter Haltung gelangt man durch den mehrfach gesicherten Eingang ins Innere des gut erhaltenen Bunkers. Foto: Sebastian Linkenheil

Gigantische Verteidigungsanlagen am Oberrhein

Welches gigantische Ausmaß die im Grunde unüberwindliche Verteidigungsanlage entlang dem Rhein und bis weit ins Hinterland einst hatte, das will Traub seinen Besuchern auf einer Landkarte mit den Rieddörfern und – noch anschaulicher – einem groß aufgezogenen Foto begreiflich machen. Ein englischer Luftaufklärer hat es im April 1944 aufgenommen. Gestochen scharf ist dort der Rastatter Süden mit seinem System aus Schützengräben und weiteren Bunkeranlagen aus der Vogelperspektive zu sehen.

Modell eines Maschinengewehrs liefert Diskussionsstoff

Die Fotografie gehört zu den neuen Objekten, mit denen der Historische Verein den Westwallbunker weiter ausstaffiert hat, denn natürlich will man den Gästen nach der langen Corona-Pause auch etwas Neues bieten. Etwas Diskussionen habe es im Verein um ein Modell des Maschinengewehrs MG34 gegeben. Manch einem Vereinsmitglied ging die Präsentation einer solchen Tötungsmaschine dann doch zu weit. Traub ist anderer Meinung, denn „das Modell hat nie geschossen und wird nie schießen“. Es ist technisch dazu nicht in der Lage, wenn es äußerlich der Kriegswaffe auch genau gleicht, die einst im Kampfraum des Rastatter Bunkers montiert war – die entsprechende Lafette ist sogar noch original.

400 Kilo schwere Bunkertür bei Steinmauern geborgen

Das kann Traub von dem Wehrmachtsfahrrad, das er selbst zusammengebastelt hat, nicht ganz behaupten. Doch er hat sich in der Ausgestaltung des Zweirads mit Klappspaten, Truppenemblem und französischer Beutewaffe eng an das Vorbild gehalten. Es ist eine Ergänzung zur Szenerie im Außengelände des Bunkers, wo seit Neuestem auch eine originale Bunkertür zu sehen ist, die bei Dammertüchtigungsarbeiten nahe der Murgmündung bei Steinmauern geborgen wurde. Stark verrostet, sind aber immer noch die Originalfarbe aus Weltkriegstagen und sogar Einschussdellen an der Außenseite des über 400 Kilo schweren Stahlobjekts zu sehen. Im Innern des Bunkers erwartet die Besucher ein originaler Ofen mit sinnreichen Vorrichtungen, die im Fall eines Gasangriffs das Eindringen der giftigen Dämpfe durch Ofenrohr und -klappe verhindern sollten. Dem Zweck der Frischluftzufuhr (15 Mann auf engstem Raum!) diente eine ausgeklügelte Lüftungsanlage mit Handkurbel. Sie funktioniert noch immer.

Ganz schön spartanisch: Auf den Pritschen an der Wand schliefen die Soldaten. Für 15 Mann Besatzung war der Regelbau 10 vorgesehen. Foto: Sebastian Linkenheil

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Ganz schön spartanisch: Auf den Pritschen an der Wand schliefen die Soldaten. Für 15 Mann Besatzung war der Regelbau 10 vorgesehen. Foto: Sebastian Linkenheil

Die nächste Führung im Westwallbunker ist am Sonntag, 11. Juli, um 10 Uhr. Eine Anmeldung unter (0 72 22) 3 51 73 ist unabdingbar. Es gelten die gängigen Corona-Regeln. Der Eintritt kostet fünf Euro, Kinder unter zehn Jahren sind frei. Der Westwallbunker befindet sich am südlichen Stadtausgang von Rastatt an der L75 (früher B36). Parkplätze und WC sind vorhanden.

Ihr Autor

BT-Redakteur Sebastian Linkenheil

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Erstellt:
9. Juli 2021, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 37sec

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