Rastatter Zirkus Bely in Nöten

Rastatt (fuv) – Nach dem Winterquartier kam Corona: Seit vielen Monaten hat der Zirkus Bely im Prinzip keine Einkünfte mehr. Zugleich gilt es, 16 Familienmitglieder und 80 Tiere zu ernähren.

Es wird ein langer Winter für die Zirkusfamilie. Foto: Frank Vetter

© fuv

Es wird ein langer Winter für die Zirkusfamilie. Foto: Frank Vetter

Seit 34 Jahren schlägt der Zirkus Bely sein Winterquartier in Rastatt auf, sieht die Barockstadt als Heimat an. In diesem Jahr ist alles anders. Kurz vor Beginn der neuen Saison kam der erste Lockdown wegen Covid-19. Die wirtschaftliche Lage ist ernst.
„Wir wussten, dass es eine schwere Zeit werden würde, aber so, wie es jetzt ist, das konnten wir uns niemals vorstellen“, sagt Zirkuschefin Marina Frank. Die blanken Zahlen sprechen für sich. Normalerweise spiele der Zirkus Bely 220 bis 250 Vorstellungen im Jahr. Die Zwangsverlängerung des Winterquartiers sei wegen Corona von den Behörden immer weiter nach hinten geschoben worden. Schließlich erging ein Verbot für „rollende Veranstaltungen mit Tieren“.

Seit Oktober hatte die Showtruppe auf das Gelände des Winterquartiers auf dem ehemaligen Kasernengelände Merzeau am südlichen Stadteingang eingeladen. Noch bis zum 15. November wollte sie im geheizten Zirkuszelt spielen. Gerade einmal acht Vorstellungen wurden es schließlich. Zunächst für rund 100, dann kaum 50. Schließlich der zweite Lockdown. Seit vielen Monaten habe das Unternehmen keine Einkünfte, sagt Marina Frank und weint: „Ich weiß nicht mehr weiter.“

„Die Tiere sind wie Kinder für uns“

16 Familienmitglieder und 80 Tiere gilt es zu ernähren. Die Kamele, Dromedare, Esel, Pferde, Rinder, Ziegen und Hunde benötigen täglich vier Rundballen Stroh, wie man sie von den Feldern kennt. Hinzu komme Kraftfutter, erläutert die Zirkus-Direktorin. Wegen der Trockenheit seien die Preise für das Heu gestiegen. Im Sommer begleiche die Familie ihre Futterrechnung zum Teil mit Freikarten für die Landwirte. Auch das ging dieses Jahr nicht. Die Futterschulden reichten trotz Zuschüssen bis ins vergangene Jahr. „Wer Heu abzugeben hat, der soll sich bitte bei uns melden“, fleht Marina Frank fast. Die Frage der Reduzierung des „Tierparks“ stelle sich für die Zirkusfamilie nicht. „Die Tiere sind wie Kinder für uns. Sie haben jahrelang in der Manege gearbeitet; dann bekommen sie auch ihr Gnadenbrot.“ Zumal der Zirkus Bely bei Besuchen vom Veterinäramt seit je her beste Noten bekomme, betont Marina Frank.

Nun sind Marinas Ehemann Harry und andere Familienmitglieder täglich unterwegs, um Futter abzuholen. Trockenes Brot von Bäckereien wird derzeit nicht nur von den Tieren verzehrt. Die Familie Frank ist auch berechtigt, in der Tafel einzukaufen. Bei der Miete für das Winterquartier komme ihnen die Eigentümerin des ehemaligen Kasernengeländes, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), entgegen. Auch die Stadt und die Stadtwerke zeigten sich großzügig. Dennoch hofft der Zirkus-Clan auf weitere Hilfen.

Nun wolle sie sich um die von der Politik aufgelegten Überbrückungshilfen bemühen, sagt Marina Frank. Bisher habe die Familie nie Gelder von Ämtern in Anspruch nehmen müssen.

Der Zirkus Bely ist auf Hilfe von außen angewiesen. Es gibt Jugendliche und Erwachsene, die das Zirkus-Team regelmäßig bei der Tierpflege unterstützen. Und Geldspenden sind natürlich auch willkommen. Der Zirkus hat auf seiner Homepage die Nummer eines Spendenkontos veröffentlicht.

Zum Artikel

Erstellt:
11. November 2020, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 29sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Orte


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.