Rastatts kleinster Ortsteil vor Wachstumsschub

Rastatt (dm) – Wo stehen Rastatts Dörfer 50 Jahre nach der Eingemeindung? In Rauental blickt man hoffnungsvoll auf das Neubaugebiet „Vogelsand“.

Blick in die Rauentaler Hauptstraße: Mit ihrer Sanierung sollen im Ortskern auch Plätze neu gestaltet und Grünflächen geschaffen werden. Foto: Frank Vetter

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Blick in die Rauentaler Hauptstraße: Mit ihrer Sanierung sollen im Ortskern auch Plätze neu gestaltet und Grünflächen geschaffen werden. Foto: Frank Vetter

In Rauental, Rastatts kleinstem Ortsteil, stehen die Zeichen auf Wachstum: Nachdem in den vergangenen zehn Jahren dort „recht wenig gebaut wurde“, wie es im aktuellen städtebaulichen Entwicklungsplan heißt, sollen am südlichen Ortsrand, am Vogelsand, in zwei Bauabschnitten bald 38 Einfamilienhäuser, zwölf Doppelhaushälften und drei Mehrfamilienhäuser entstehen. Andere Infrastrukturmaßnahmen lassen derweil auf sich warten. Der einstigen Eingemeindung nach Rastatt will Ortsvorsteher Thorsten Ackermann das allerdings nicht anhängen.
„Rauental sind durch die Eingemeindung keine Nachteile entstanden“, sagt der jüngste Ortsteilchef Rastatts mit Blick in die Unterlagen und Versprechungen. Zum 1. Mai 1972, vor knapp 50 Jahren, war die Vereinigung vollzogen worden. Neues Verwaltungs- und Feuerwehrgebäude, Spielplätze, Kindergartenerweiterung, der Bau der Oberwaldhalle und eines neuen Trainingsplatzes mit Flutlicht, die Erschließung der Baugebiete Korngasse I und II, zuletzt die Einrichtung einer Kreativwerkstatt in der Grundschule und die Sanierung der Kelter – „einer der wenigen gemeindeeigenen, die es noch gibt“ –, schlagen laut Ackermanns Liste zu Buche. Und die Dorfentwicklungskonzepte. Sein Fazit: eher positiv.

Vorhaben stauen sich

Auf der anderen Seite wird im Ort moniert, dass sich, wie jüngst auch in einem Leserbrief formuliert wurde, „Vorhaben und Vertröstungen zur Modernisierung des Ortskerns, des Kindergartens und einer seniorengerechten Infrastruktur“ seit Jahren stauten. Allesamt Projekte, die im 2017 verabschiedeten Dorfentwicklungsplan ganz oben standen.

Die „neue“ Ortsmitte mit Sanierung der Hauptstraße und damit verbundener Umgestaltung von Plätzen und Verkehrsflächen sowie Schaffung von Grünanlagen ist inzwischen immerhin in Sichtweite gerückt. Fertigstellung des Vorhabens ist laut aktueller städtischer Haushaltsvorberatung im kommenden Jahr.

Aus Platzgründen zerschlagen haben sich derweil die Pläne, seniorengerechtes Wohnen an der Stelle des Kindergartens zu schaffen, der wiederum bei der Grundschule neu gebaut werden soll. Das heißt: Die Verknüpfung der beiden Vorhaben wurde aufgetrennt. Ackermanns Vorgänger Bertold Föry habe noch initiiert, statt des alten Kindergartenareals die Gebäude Hauptstraße 50/52 für seniorengerechtes Wohnen zu erwerben.

Seniorengerechtes Wohnen im Blick

Die Planung läuft, wie auch im neuen städtebaulichen Entwicklungsplan festgestellt wird, doch sie gestaltet sich dem Ortsvorsteher zufolge schwierig, weil man die Baufenster optimal ausnutzen und zugleich den dörflichen Charakter bewahren will – auch das eine Aufgabe, die der Entwicklungsplan formuliert. Da sich das Senioren-Wohnprojekt in den Straßenzug einpassen soll, sei man mit bisherigen Plänen von Investoren nicht einverstanden gewesen.

Offene Fragen gibt es auch noch in Sachen Kindergartenneubau und Bildungszentrum, das dadurch entstehen soll. Das Vorhaben liege tatsächlich im Argen und werde in den nächsten zwei Jahren noch nicht stehen, so Ackermann – auf der Agenda sei es aber nach wie vor.

Was die weitere Entwicklung angeht, wird Rauental als „der Ortsteil mit den wenigsten Begrenzungen in den Außenraum“ bezeichnet. Dazu trägt sicher auch der Kompromiss bei, der in Sachen Hochspannungs-Stromleitung gefunden wurde. Eine Bürgerinitiative machte sich vor Jahren dafür stark, die geplante Neubautrasse weiter weg vom Ort zu platzieren. Der Maximalwunsch wurde zwar nicht erreicht, aber eine Lösung, die eine Versetzung um rund 120 Meter vorsieht und dem Ort mehr Luft zum Atmen gibt.

Neubaugebiet: Planung auf der Zielgeraden

Aktuell richten sich die Augen indes zum Baugebiet „Vogelsand“, wo man sich aufgrund einer neuen Verkehrsplanung mit den Eigentümern einigen konnte (wir berichteten). Der Bebauungsplan müsse spätestens Ende des Jahres verabschiedet sein, so Ackermann – „dann können die Bagger rollen“, freut er sich.

Großes Thema im Ort war in den vergangenen Jahren auch der Durchgangsverkehr. Hier steht eine Beruhigung in Aussicht, wenn im Zuge des Baus des neuen Autobahnanschlusses die Hauptstraßenanbindung an die B462 gekappt wird. Nach wie vor ein Wunsch im Ort und laut Entwicklungsplan erstrebenswert: Eine Nahversorgung, „eine Art Dorfladen“, so der Ortsvorsteher. Er hoffe, dass das Thema interessanter wird für potenzielle Betreiber, wenn Rauental wächst. Die nächstgelegenen Einkaufsmöglichkeiten im Rastatter Gewerbegebiet (übrigens auf Rauentaler Gemarkung) sind zwar nicht allzu weit weg, liegen aber auf der anderen Seite der Autobahn; gerade für ältere Mitbürger stelle die Brücke eine Hürde dar.

„Rauental wird nicht vergessen“, betont der Ortsvorsteher mit Blick auf die Gesamtstadt Rastatt. In dieser Hinsicht zeigt er sich auch als Verfechter der unechten Teilortswahl, die dem Dorf zwei Sitze im Gemeinderat garantiert. Ohne das „hätte Rauental bei der letzten Kommunalwahl gar keinen Sitz erhalten“, sagt er. Das Know-how von im Ort lebenden Menschen sei aber auch künftig unerlässlich, wenn es darum geht, in den Gremien Entscheidungen zu fällen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Daniel Melcher

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Erstellt:
21. Januar 2022, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 16sec

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