Rathausstürme der anderen Art

Rastatt (as/dm/BT) – Das ließen sich die Narren nicht nehmen: Übers Internet und mit Abstand stürmten sie am Schmutzigen Donnerstag 2021 dennoch einige Rathäuser.

Demutsgeste des Ötigheimer Königs Frank: Der Ortsobere legt gegen Ende des knapp zehnminütigen Narrenstücks den Rathausschlüssel ab. Screenshot: Daniel Melcher

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Demutsgeste des Ötigheimer Königs Frank: Der Ortsobere legt gegen Ende des knapp zehnminütigen Narrenstücks den Rathausschlüssel ab. Screenshot: Daniel Melcher

Das Corona- hält zwar auch das Narrenvirus in Schach, doch gegen die pandemiebedingt vermeintlich uneinnehmbar gewordenen Rathausbollwerke brachten sich am gestrigen Schmutzigen Donnerstag trotzdem närrische Abwehrkräfte in Stellung. Nicht überall kamen die Ortsoberen „ungeschoren“ davon – in Rastatt und Ötigheim etwa übernahmen die Fastnachter wenigstens per Video die Macht. Und die Ortsoberen spielten willig mit.
Schneebedeckter Boden, ein Dutzend Marktstände, Fahnen flattern im Wind, ansonsten verdächtige Stille. Keine Szenerie, wie man sie von Schmutzigen Donnerstagen in Rastatt kennt. Dann schwillt dramatische Musik an – zumindest in dem Film, den der Rastatter Thomas Adam in Gemeinschaftsleistung mit dem Rathaus und den Rastatter Fastnachtsvereinen gedreht hat. Seit gestern, 11.11 Uhr, steht er online und kann über die Homepage der Stadt geguckt werden (www.rastatt.de).

Magische Hacker am Werk

Als magische Hacker schleusen sich die Narren ins Computersystem der Verwaltung ein und übernehmen in Folge die Herrschaft nicht nur über das Rathaus, sondern auch über die Naturgesetze. Da findet sich OB Hans Jürgen Pütsch im Chefsessel-Umdrehen in Fastnachtskluft wieder, und der Rathausschlüssel, der sich eben noch in seinen Händen materialisiert hat, wird ihm gleich wieder wie von Zauberhand entrissen – er landet in den Händen von GroKaGe-Chef-Hacker Roland Stadtfeld, der in einem dunklen Raum die Fäden für die Rastatter Narren spinnt. Zusammen mit Patricia Ludwig (RaKaGe), Michael Weber (KNG), Andrea Herm (IG Rastatter Narren) und Jochen Fuchs (GroKaGe) „verurteilt“ er den entmachteten OB zu einer „Strafe“ in Form einer gemeinschaftlichen Aktion: Bürger Pütsch soll für Süßes in den Pflege- und Seniorenheimen der Stadt sorgen, und zwar in Form von Berlinern, die dann über die Narren dort verteilt werden.

Da kann sich OB Pütsch noch so wehren, am Ende landet der Rathausschlüssel wie von Zauberhand bei Roland Stadtfeld, der als Hacker den virtuellen Weg für die Narren frei macht. Screenshot: Daniel Melcher

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Da kann sich OB Pütsch noch so wehren, am Ende landet der Rathausschlüssel wie von Zauberhand bei Roland Stadtfeld, der als Hacker den virtuellen Weg für die Narren frei macht. Screenshot: Daniel Melcher

Da kann sich OB Pütsch noch so wehren, am Ende landet der Rathausschlüssel wie von Zauberhand bei Roland Stadtfeld, der als Hacker den virtuellen Weg für die Narren frei macht. Screenshot: Daniel Melcher

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Da kann sich OB Pütsch noch so wehren, am Ende landet der Rathausschlüssel wie von Zauberhand bei Roland Stadtfeld, der als Hacker den virtuellen Weg für die Narren frei macht. Screenshot: Daniel Melcher

Im Telldorf wiederum hatte „König Frank“ doch tatsächlich den Rathausschlüssel verlegt, als die Chefs der drei Fastnachtsvereine ihn gestern Morgen abholen wollten. Wer rechnet auch im ersten und hoffentlich letzten Corona-Fastnachtsjahr damit, dass die Narren am Schmutzigen Donnerstag mit „AHA“ (Abstand, Hygienekonzept und Atemschutzmaske) trotzdem vorbeischneien, um die Macht zu übernehmen? Etjer Mühlenjockel, Gruddenauhexen und ÖCC haben sich das jedenfalls nicht nehmen lassen, auch wenn Lukas Späth traurig feststellen musste: „Heute stürmten das Rathaus wir allein.“ In abgewandelter Form, nämlich in einem vorab gedrehten launigen Video, das pünktlich um 11.11 Uhr online ging, kann man das Spektakel mit dem Titel „Wo ist der Schlüssel zum Schloss?“ anschauen.

König Frank sucht den Schlüssel

Darsteller: Der gesamte närrische Hofstaat von König Frank, pardon, die Rathausmannschaft. Sie setzte in passende Kostüme gewandet und dank Büttenredenschreiberin Carola Eichelberger in Versform das zehnminütige Stück vor dem Schloss (Rathaus) mit schauspielerischem Können (wie könnte es im Telldorf auch anders ein) in Szene. Nachdem er bei der Suche alle Abteilungen verrückt gemacht hat, zieht der König den beim Dorffest verlorenen Schlüssel schließlich aus seiner Hosentasche und ergibt sich der kleinen närrischen Schar: „So ihr Narren an die Macht, und haltet bitte Corona in Schach!“ Das versprechen Frank Kleinkopf (ÖCC), Lukas Späth (Mühlenjockel) und Christian Siegwarth (Gruddenauhexen) und geben sich zuversichtlich, dass nächstes Jahr wieder wie gehabt vor dem Rathaus und in der Mehrzweckhalle Fastnacht gefeiert werden kann.

Schnipp-schnapp ist die Krawatte ab: Sekretärin Jacqueline Grimm mit Bürgermeister Andreas Augustin.Foto: Gemeinde

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Schnipp-schnapp ist die Krawatte ab: Sekretärin Jacqueline Grimm mit Bürgermeister Andreas Augustin.Foto: Gemeinde

Aus weiteren Rathäusern erreichte gestern närrische Kunde die Redaktionsstube. Auch die Gemeinde Durmersheim hielt an Traditionen fest: Rathaus-Sekretärin Jacqueline Grimm schnitt, schließlich ist Weiberfastnacht, ihrem Bürgermeister Andreas Augustin die Krawatte ab. Und in Kuppenheim drangen Närrinnen ins Büro von Bürgermeister Karsten Mußler ein: „In der Fastnacht dieses Jahr steckt drin der Wurm, und lässt leider nicht zu den großen Rathaussturm“, reimten diese. „Corona lässt nicht zu das närrische Treiben, dann wird der Winter wohl noch lange bleiben. Wir Narren haben uns gerungen, und sind jetzt doch in Ihr Büro eingedrungen. Jetzt steh’n wir hier und es gibt kein Entrinnen, wir werden jetzt wie jedes Jahr die Oberhand gewinnen. Im Rathaus erklingt Narri und Narro, wenn auch nur leise, denn dieses Jahr feiern wir Fastnacht – mit Abstand – auf eine andere Art und Weise.“

Wer das Tauziehen wohl gewinnt? Bürgermeister Karsten Mußler muss sich närrischer Eindringlinge erwehren. Foto: Stadt

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Wer das Tauziehen wohl gewinnt? Bürgermeister Karsten Mußler muss sich närrischer Eindringlinge erwehren. Foto: Stadt

Ihr Autor

den BT-Redakteuren Anja Groß und Daniel Melcher

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Erstellt:
12. Februar 2021, 12:19 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 04sec

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