Realschüler stellt Video-Unterricht online

Gernsbach (stj) – Screenshots und Videos vom Online-Unterricht einer Klasse der Realschule Gernsbach sind jetzt auf Instagram aufgetaucht. Das Verhalten erfüllt einen Straftatbestand.

Derzeit Alltag in deutschen Kinder- und Jugendzimmern: Fernunterricht über den Laptop. Foto: Felix Kästle/pciture alliance/dpa

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Derzeit Alltag in deutschen Kinder- und Jugendzimmern: Fernunterricht über den Laptop. Foto: Felix Kästle/pciture alliance/dpa

Homeschooling und Online-Unterricht sind für viele Schüler schon fast Alltag geworden. Trotzdem haben offenbar noch nicht alle die Regeln verinnerlicht. Zu den wichtigsten gehört der Datenschutz. Gegen diese Vorgaben hat jüngst ein Gernsbacher Realschüler verstoßen, indem er Screenshots und Videos vom Online-Unterricht seiner Klasse auf Instagram veröffentlicht hat. Das stellt einen Straftatbestand dar, informierte Rektor Marcus Mössner am vergangenen Freitag in einem Rundschreiben an die Eltern. Der Leitende Schulamtsdirektor Wolfgang Held bestätigt auf BT-Anfrage: „Sowohl in Präsenz als auch in Video-Konferenzen ist Unterricht grundsätzlich nicht öffentlich!“

Über die Webkonferenzsysteme Jitsi (Medienzentrum Mittelbaden) und Big Blue Button sind Video-Konferenzen an der Realschule Gernsbach möglich. Man sei diesbezüglich auf einem guten Weg gewesen, erklärt Mössner, bis „mindestens aus einem Video-Unterricht Screenshots und Videos durch einen Schüler in Instagram veröffentlicht wurden“. Wegen des Vorfalls kläre der Schulleiter Schritte nach Paragraf 90 Schulgesetz (Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen) und stehe auch in Kontakt mit dem Schulamt Rastatt. Aktuell erarbeite die Realschule Gernsbach Regeln für den Umgang mit Video-Konferenzen. Außerdem werden von allen Eltern Einverständniserklärungen eingeholt.

Schulamtsdirektor Held verweist darauf, dass es sich bei Datenschutzverstößen im Online-Unterricht um ein landesweites Problem handele. Erst vergangenen Freitag habe es diesbezüglich eine Video-Konferenz mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe gegeben, bei der vom Datenschutzbeauftragten des Kultusministeriums entsprechende Informationen für die Schulen herausgegeben wurden.

Youtuber auf der Suche nach Zugangsdaten

Wie Held gegenüber dem BT ausführte, gebe es derzeit sogar schon Youtube-Kanäle, deren Betreiber Schüler dazu aufforderten, ihre Zugangsdaten, Meeting-IDs und Passwörter preiszugeben, um an entsprechendes Material zu gelangen. Wie sensibel das Thema ist, zeigt laut Held auch die Tatsache, dass eigentlich nicht mal die Eltern der Schüler beim Video-Unterricht im Zimmer sein dürften. Höchstens, um technische Hilfestellung zu geben, aber keinesfalls dauerhaft, erläutert Held. Grundsätzlich gelte es darauf zu achten, dass keine Unbefugten Einsicht in personenbezogene Daten nehmen und auch bei Video-Konferenzen nicht mithören können. Unbefugte sind in diesem Kontext auch Geschwister, Eltern oder sonstige im Haushalt des jeweiligen Schülers lebende Personen.


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