Reblage in Baden-Baden wiederbelebt

Von Harald Holzmann

Baden-Baden (hol) – Am Balzenberg wächst seit einiger Zeit Bio-Spätburgunder: Der Sinzheimer Winzer Johannes Kopp hat die alte Reblage zu neuem Leben erweckt.

Reblage in Baden-Baden wiederbelebt

Bio-Winzer Johannes Kopp ist zufrieden: Die Trauben für den ersten „Baden-Badener Balzenberg“ reifen in der Sonne. Foto: Harald Holzmann

Auf dem Gebiet der Kernstadt ist eine Weinlage wiederbelebt worden: der Balzenberg. Am sonnendurchfluteten Südwesthang nahe der Bernharduskirche wachsen auf städtischem Gelände seit 2018 etwa 7 000 Spätburgunder-Reben. Bewirtschaftet wird der Weinberg vom benachbarten Gartenbaubetrieb Ziegler. Der Sinzheimer Bio-Winzer Johannes Kopp steuert das Know-how bei und verarbeitet die Trauben. In diesem Herbst steht die erste Lese mit nennenswertem Ertrag an.

Kopp, der sein Weingut im kleinen Sinzheimer Ortsteil Ebenung führt, freut sich darauf: „Das ist eine ganz tolle Weinlage hier oben“, sagt er. Sonne satt, ein „gigantischer Buntsandsteinboden“, eine kleine Vertiefung im Hang, in der sich die Wärme speichern kann, und eine eigene Quelle zur Bewässerung – das sind beste Voraussetzungen für einen Spitzen-Rotwein. Der 30-Jährige hat an dieser Stelle französische Spätburgunder-Klone der Spitzenklasse gepflanzt. „Sie bringen ganz wenig Ertrag, haben kleinbeerige, lockere Trauben“, sagt er, „und natürlich wird hier auch biologisch bewirtschaftet“. Als Ergebnis erwartet er sich einen „ganz filigranen und eleganten Spätburgunder“.

Hochwertiger Lagen-Wein

Eineinhalb Jahre will er ihn im Barrique-Fass reifen lassen, bevor er ihn auf den Markt bringt – als hochwertigen Lagen-Wein unter dem Namen „Baden-Badener Balzenberg Spätburgunder“. Die allererste Ernte im vergangenen Jahr reichte nur für ein Fässchen, das 2021 im Sommer geöffnet wird – „aber nur für die Leute, die hier im Weinberg schwitzen müssen“, sagt Kopp und lacht. Käuflich erwerben können wird man den ersten Spätburgunder vom Balzenberg erst 2022 im Sommer, wenn die Lese aus diesem Jahr fertig verarbeitet ist.

Die Zeichen für eine qualitätsvolle Ernte stehen gut. Die kleinen Trauben auf dem Balzenberg sehen gut aus und haben die Frostnächte Anfang Mai komplett unbeschadet überstanden. Auch die eingebaute Bewässerungsanlage musste 2020 noch nicht in Betrieb gehen. „Weil die Stöcke hier sehr eng gepflanzt sind, konkurrieren die Wurzeln stark miteinander, sie reichen mehr in die Tiefe“, erklärt der Winzer. Das ermögliche den Reben eine eigenständige Wasserversorgung, auch wenn es mal länger nicht regnet.

Mitten in Umstellung zum Bio-Weingut

Der Balzenberg war auch schon früher eine städtische Weinlage und wurde lange Zeit vom Weingut Eckberg bewirtschaftet. Irgendwann um die Jahrtausendwende ist das Rebstück aber aufgegeben worden. „Als wir uns das hier zum ersten Mal angeschaut haben, wuchsen auf dem Gelände hohe Bäume“, sagt Kopp. Die Stadt hat die Weinbaupläne aber positiv registriert, das Areal gerodet und an Gartenbauer Florian Ziegler sowie dessen Freund Claudius Korch verpachtet. Winzer Kopp kam dann über eine langjährige Freundschaft seines Vaters mit Ziegler zu dem Projekt.

Kopps Betrieb befindet sich in der Umstellung zum Bio-Weingut. Wenn alles normal läuft, wird der 2021er der erste zertifizierte Bio-Jahrgang sein. Sein Entschluss, chemischen Spritzmitteln weitgehend den Rücken zu kehren, ist für ihn eine Rückkehr zu den Wurzeln des Weinbaus. Ein Gespräch mit seiner Großmutter über seinen Urgroßvater sei da prägend gewesen, erzählt er. Dieser machte nicht nur Wein, sondern hielt, wie damals üblich, auch Tiere. Er habe bei seiner Arbeit sehr viel auf das Wetter und die Natur geachtet.

Genau das treibt auch Kopp an. „Es ist doch die Ehre des Landwirts, der Natur etwas abzuringen durch die eigene Leistung und nicht durch den Einsatz von Spritzmitteln“, sagt er. Als er 2012 das renommierte Weingut im zarten Alter von 22 Jahren in Nachfolge seines verstorbenen Vaters übernahm, „war keiner da, der mir sagte: So haben wir es immer gemacht“, erzählt er. Also habe er damit begonnen, die Empfehlungen der Pflanzenschutzmittel-Hersteller zu hinterfragen. „Und es funktionierte.“ Mittlerweile werden die 32 Hektar Reben in Sinzheim und Varnhalt sowie auf dem Balzenberg, die übrigens allesamt mit klassischen Weinsorten wie Riesling, Weißburgunder, Grauburgunder, Chardonnay oder Spätburgunder bestückt sind, rein biologisch bewirtschaftet. Zudem hat Kopp – auch hier lässt der Urgroßvater grüßen – mittlerweile elf Hochlandrinder am Start, die im Grünbachtal bei Varnhalt grasen.

Corona reißt bei Absatz im Ausland eine Lücke

Bio – das sei für ihn natürlich auch eine Möglichkeit, höhere Erlöse zu erzielen, sagt der Winzer. 15 bis 20 Prozent seiner Weine gehen in den Export. Corona hat beim Auslandsabsatz eine Lücke gerissen – ebenso wie bei der Gastronomie als Kunden. Kopp ist aber optimistisch, dass es wieder aufwärtsgeht, und er würde sich freuen, wenn die Endverbraucher auch als Lehre aus der Corona-Krise künftig verstärkt zu regionalen und biologischen Produkten greifen würden – beispielsweise zum „Baden-Badener Balzenberg“.