Rebland: Fastnachtsvereine haben es während Corona schwer

Baden-Baden (cn) – Die Fastnachtsvereine im Rebland stehen vor einer ungewissen Kampagne. Die Corona-Situation sorgt für eine zwiespältige Stimmung.

Die „Gugge-ma-mol-Mussi“ aus Neuweier ist auf Umzüge angewiesen. Sämtliche Hallenveranstaltungen sind für die närrischen Musiker bereits passé. Foto: Christina Nickweiler/Archiv

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Die „Gugge-ma-mol-Mussi“ aus Neuweier ist auf Umzüge angewiesen. Sämtliche Hallenveranstaltungen sind für die närrischen Musiker bereits passé. Foto: Christina Nickweiler/Archiv

Startklar mit abgespeckter Version, aber auch bereit, im Falle kritischer Pandemiebedingungen Fastnachtsveranstaltungen abzusagen – diese zwiespältige Stimmung herrscht derzeit in den Fastnachtsvereinen des Reblands. Das Badische Tagblatt wollte jetzt wissen, wie sich die Narren im Rebland auf die bevorstehende Kampagne einstellen und fragte bei den närrischen Vereinen an.

Mit mehr als 300 Mitgliedern ist der Narrenclub Varnhalter Rebschenkele (NCVR) der größte Fastnachtsverein im Rebland. Zusammen mit den Reblandhexen aus Varnhalt veranstaltet der NCVR den traditionellen Umzug in Varnhalt, der bis 2019 Tausende Besucher angelockt hat. Allerdings ist es laut NCVR-Präsident Peter Dresel hinsichtlich der aktuell steigenden Corona-Erkrankungen wieder ungewiss, ob der Umzug stattfinden kann.

Obwohl die mehrstündige Veranstaltung im Freien stattfinden würde, sei es schier unmöglich, die Besucher auf Abstand zu halten. Ebenso sei es schwierig, mit Sicherheitsleuten an den Zugängen die 3G-Regeln zu überprüfen. „Wir können Varnhalt nicht hermetisch abriegeln. Varnhalt ist kein Gefängnis“, so Dresel. Selbst bei den Umzugsteilnehmern, rund 1.000 an der Zahl, würde die Kontrolle der 3G-Regeln einen erheblichen finanziellen Aufwand mit sich bringen, der nur mit zusätzlichem Personal zu bewältigen sei, sieht der NCVR-Chef das Stattfinden der Veranstaltung eher kritisch.

Das Prinzenpaar des NCVR, Annalena I. und Dominik I., amtiert ein Jahr länger. Foto: Christina Nickweiler/Archiv

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Das Prinzenpaar des NCVR, Annalena I. und Dominik I., amtiert ein Jahr länger. Foto: Christina Nickweiler/Archiv

Die Verantwortlichen der Rebschenkele und der Reblandhexen wollen Mitte Januar entscheiden, ob der Umzug stattfinden wird. Parallel dazu sind die Veranstalter ständig im Gespräch mit dem Amt für öffentliche Ordnung. „Abgesagt ist immer noch schnell“, meint Dresel.

Die musikalischen Aktivitäten der „Gugge ma mol Mussi“ aus Neuweier hängen gerade von den Umzügen in der Region ab. Mit der Blechmusik in den Straßen Neuweiers könnte laut Sprecherin Tina Daniel aber ein Hauch von Narretei in das Weindorf einziehen. Ansonsten sind für die närrischen Musiker sämtliche Hallenveranstaltungen der Saison bereits passé.

Wenig optimistisch zeigt sich Obertroll Stefan Schulten von den Steinbach-Trollen. Eine einzige Zusage haben die Trolle für einen Umzug erhalten. „Auch dieser kann jederzeit wieder abgesagt werden“, schätzt Schulten. Die Steinbach-Trollen hoffen dennoch, dass es die eine oder andere Veranstaltung geben wird, an denen die „grünen Wesen“ mitmachen können.

Showgruppen haben Tänze einstudiert

Die Reblandhexen verfolgen dieselbe Strategie: „Was uns betrifft, versuchen wir so gut es geht, die kommende Kampagne, aber auch unsere eigenen Veranstaltungen zu planen und dann einfach spontan und kurzfristig auf die aktuelle Corona-Lage zu reagieren – sei es durch 3G, 2G oder eben komplett streichen“, vermeldet Hexenchef Manuel Huck auf Anfrage. Mit dem „Hexenkessel“ hatten die Reblandhexen in den vergangenen Jahren in der Yburghalle eine eigene Fastnachtsfeier auf die Beine gestellt.

Unabhängig von den Umzugsplanungen haben vor Wochen sämtliche Showgruppen in den Reihen des NCVR, aber auch bei den Mühlsteingeistern aus Steinbach schon angefangen, Tänze einzustudieren. In der Erwin-Stadt „scharren die Mühlsteingeister schon mit den Hufen“, heißt es aus den Reihen der urigen Figuren mit den kunstvollen Holzmasken. Während der Kampagnenstart am 11. November online beim „Mühlstein-Stammtisch“ zelebriert werden soll, wollen die Hästräger einen Tag später bei den Mauerberghexen ihre Tänze demonstrieren.

Apropos Kostüme, die Mühlsteingeister schnippelten in den vergangenen Monaten fleißig die Stoffspättle, um neue Häsjacken für die grau-roten Schuppenkostüme zu nähen, teilt Isabelle Weyerhäuser mit. „Wir sind startklar für die neue Kampagne“, sieht „Schriftgeist“ Sandra Dresel-Kunkel die Chance, „in kleinen Schritten in der Kampagne voranzugehen.“

Auch die Steinbach-Trolle sind vornehmlich auf Umzügen unterwegs. Ob es in Varnhalt einen närrischen Gaudiwurm geben wird, entscheiden die Verantwortlichen im Januar. Foto: Christina Nickweiler/Archiv

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Auch die Steinbach-Trolle sind vornehmlich auf Umzügen unterwegs. Ob es in Varnhalt einen närrischen Gaudiwurm geben wird, entscheiden die Verantwortlichen im Januar. Foto: Christina Nickweiler/Archiv

Vorsichtig zeigt sich indes das NCVR-Präsidium mit dem Startschuss in die fünfte Jahreszeit. „Wir haben die Aktivitäten wieder zurückgefahren“, sagt Peter Dresel. Denn aufgrund der sich aktuell zuspitzenden Infektionslage sah sich der Vorstand erst vor wenigen Tagen dazu genötigt, die Faschingseröffnung am 20. November und die bunten Abende abzusagen. „Wir haben zum Schutz der Kinder und Eltern alles für das übrige Jahr 2021 abgesagt“, teilt Dresel mit. Um die Jugend nicht zu verlieren, soll aber eine kleine Nikolausfeier im Freien stattfinden, ergänzt er.

Einen Lichtblick gibt es für die Varnhalter Narren aber, denn am 7. Januar wird am Kirchberg beim Brunnen der Narrenbaum aufgestellt. Mit dabei sind dann die Prinzenpaare aus 2020, deren Amtszeit noch einmal um ein Jahr verlängert wurde. Auch für den „schmutzigen Donnerstag“ haben sich die Aktiven des NCVR etwas ausgedacht. Im Grunde blicken die Narren schon auf die übernächste Kampagne. „Mit einem Jahr Vorlaufzeit bereiten wir uns auf die nächste Saison 2022/2023 vor“, betont NCVR-Präsident Dresel.

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Erstellt:
6. November 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
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