Rechtsanwalt wegen Untreue verurteilt

Baden-Baden (nad) – Ein 62-jähriger ehemaliger Rechtsanwalt musste sich am Mittwoch vor dem Schöffengericht Baden-Baden wegen des Vorwurfs der Untreue in zwei Fällen verantworten.

Der Angeklagte ließ sich nach den Vorfällen seine Zulassung entziehen und zeigt sich reumütig. Foto: Peter Steffen/dpa

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Der Angeklagte ließ sich nach den Vorfällen seine Zulassung entziehen und zeigt sich reumütig. Foto: Peter Steffen/dpa

„Juristisch und strafrechtlich ist ganz klar, was ich getan habe“, bestätigte der Angeklagte die Vorwürfe gegen ihn. Zuvor hatte er bereits ein vollumfängliches Geständnis abgelegt und im Jahr 2016 eigenständig den Entzug seiner Zulassung bei der Rechtsanwaltskammer Freiburg beantragt. Im März 2020 folgte die Anklageerhebung – am Mittwoch wurde der Familienvater dann von Richter David Metz zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten auf Bewährung verurteilt, mit einer Bewährungszeit von drei Jahren.

Die ihm zur Last gelegte Untreue wurde vom Schöffengericht als „besonders schwerer Fall“ eingestuft, da es sich einerseits um eine hohe Summe, andererseits um eine grobe Verfehlung seiner Pflicht als Rechtsorgan gegenüber seinen Mandanten handelte.

Er habe „ein bisschen samariterhaft“ Mandanten betreut und „total schlecht gewirtschaftet“, erklärte sein Verteidiger, wie der Angeklagte überhaupt in diese Situation geraten sei. Von 2006 bis 2016 führte dieser eine Kanzlei in Baden-Baden, kam mit seiner hauptsächlichen Rolle als Pflichtverteidiger in eine „wirtschaftliche Notlage“ und veruntreute daraufhin Geld, das zweien seiner Mandanten zugestanden hätte.

Aktives Bemühen um Wiedergutmachung

Der erste Fall ereignete sich bereits 2014, als er Anwaltskosten in Höhe von circa 5.100 Euro, die ihm von der Staatskasse ausgezahlt worden waren, nicht mit den Vorschüssen seines Mandanten abgerechnet hatte. 2015 leitete er dann die Gutschrift einer Versicherung, die er im Rahmen eines Rechtsstreits für seinen Mandanten erhalten hatte, nicht an jenen weiter, sondern verbrauchte den Betrag von knapp 110.000 Euro zur Deckung seiner privaten Kosten, Darlehen und Fixkosten seiner Kanzlei.

Hervorgehoben wurde sowohl von der Staatsanwaltschaft, die auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten plädiert hatte, als auch vonseiten des Gerichts, das aktive Bemühen des Angeklagten um Wiedergutmachung. So habe er, wie sich im Verlauf der Verhandlung herausstellte, die Erbschaft seines Vaters an den Geschädigten des zweiten Falls abgetreten. Ferner zahlte er ihm zwischenzeitlich einen kleinen Betrag zurück, sodass sich die offene Summe derzeit auf knapp 103.000 Euro beläuft. Der 54-jährige Geschädigte war als Zeuge anwesend und bestätigte dies in seiner Aussage. Er fügte hinzu, dass die Vollstreckung der Erbschaft „noch am Laufen“ sei und er diesbezüglich in Kontakt mit der Schwester des Angeklagten stehe. „Das Ganze tut mir so leid“, beteuerte der Angeklagte und zeigte sich reumütig, es bisher nicht geschafft zu haben, „die Sache gerade zu rücken“.

Aufgrund der mitunter durch die Pandemie verursachten langen Verfahrensdauer machte Richter Metz zwei Monate der Strafe als vollstreckt geltend.

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Von BT-Volontärin Natalie Dresler

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Erstellt:
13. Oktober 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
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