Recycelte Verpackungen immer wichtiger

Karlsruhe (vo) – Verbraucher achten beim Kauf von Produkten darauf, dass Verpackungen aus recycelten Abfällen hergestellt werden. Für die Unternehmen ist das ein gutes Marketinginstrument.

Gekennzeichnet: Produkte aus dem Sortiment von dm, deren Verpackungen einen hohen Recycling-Anteil haben. Foto: dm

Gekennzeichnet: Produkte aus dem Sortiment von dm, deren Verpackungen einen hohen Recycling-Anteil haben. Foto: dm

Ressourcenschonende und kreislauffähige Verpackungen aus Kunststoff – das hat sich das sogenannte Forum Rezyklat auf die Fahne geschrieben. Vor zwei Jahren wurde es von der dm-Drogeriekette mit einigen Partnern ins Leben gerufen. Inzwischen sind 47 Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette beteiligt, darunter auch eine Reihe namhafter Unternehmen.

Rezyklate sind wiederverwertbare Kunststoffe, die von den Haushalten oder Gewerbetreibenden zuvor mindestens einmal entsorgt wurden und für die Hersteller neuer Produkte genutzt werden. Die wiederholte Verwendung reduziert den Einsatz von Rohstoffen und senkt gleichzeitig den Energiebedarf.

Diesem Ziel hat sich auch die EU verschrieben. In ihrer „Strategie für Kunststoffe in einer Kreislaufwirtschaft“ erklärt sie, dass „alle auf dem EU-Markt in Verkehr gebrachten Kunststoffverpackungen so gestaltet sein sollten, dass sie entweder wiederverwendbar oder kostengünstig recycelbar sind. Daher müssen beispielsweise PET-Flaschen ab 2025 mindestens 25 Prozent recycelten Kunststoff enthalten. Ab 2030 erhöht sich die Quote auf 30 Prozent. Damit sollen Unternehmen bis 2025 rund zehn Millionen Tonnen recycelte Kunststoffe in ihren Verpackungen verwenden – und so den aktuellen Bedarf vervierfachen.

Druck aus Brüssel hat Wirkung gezeigt

Als Reaktion auf den Druck aus Brüssel haben Anfang des Jahres 70 Unternehmensverbände freiwillig zugesagt, mehr recycelte Kunststoffe herzustellen oder zu verwenden, um den Markt für recycelte Kunststoffe bis 2025 um mindestens 60 Prozent zu steigern. Die Nutzer von Verpackungen haben sich überdies verpflichtet, den Einsatz von recycelten Kunststoffen in Verpackungen zu verfünffachen – auf 22 Prozent im Jahr 2025.

Es bewegt sich also etwas – und trotzdem bleibt viel zu tun, um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen. So hatte es auch einige Zeit gedauert, bis Sebastian Bayer, Initiator des Forums Rezyklat und verantwortlicher Vorstand bei dm für das Ressort Marketing und Beschaffung, vor zwei Jahren die ersten Mitstreiter für seine Idee gewinnen konnte. Jetzt ist das Forum auf einem guten Weg. Die Akteure sind Hersteller, Händler und Entsorger, dazu gesellen sich Vertreter der Politik.

Nach wie vor kommen neue Mitglieder hinzu – zuletzt unter anderem Coca-Cola und Der Grüne Punkt. „Das Forum Rezyklat bietet uns die Möglichkeit, einerseits das Thema Recycling holistisch im Markt zu betrachten und dennoch die verschiedenen Facetten der Herausforderungen an jedes Mitglied nicht aus dem Blick zu verlieren“, sagt Axel Bachmann, Geschäftsleiter Nachhaltigkeit bei Coca-Cola. Und Michael Wiener, Chef des Grünen Punkts ergänzt: „Kreislaufwirtschaft kann nur gelingen, wenn alle Teile der Wertschöpfungskette zusammenwirken.“

Unternehmen gehen mit gutem Beispiel voran

Das Forum arbeitet gemeinsam an Strategien und Maßnahmen, um das Bewusstsein der Menschen für Kreislaufwirtschaft zu fördern, mit dem Ziel einer sortenreinen Trennung der Wertstoffe. Dadurch könnte langfristig die Recyclingquote sowie der Recycling-Anteil in Verpackungen steigen. Außerdem will das Forum Verpackungen reduzieren und schon im Entstehungsprozess neuer Verpackungen darauf achten, dass diese recyclingfähig sind, damit sie später als Ressource dem Kreislauf erhalten bleiben.

Vor diesem Hintergrund gehen die beteiligten Unternehmen selbst mit gutem Beispiel voran. In diesem Sommer hatten beispielsweise die Drogeriemärkte dm und Rossmann sowie die Handelskette Globus eine mehrwöchige Informationskampagne zu den Themen Wertstofftrennung und Abfallreduzierung initiiert. In vielen Märkten wurden Verpackungen an den Verkaufsregalen besonders gekennzeichnet, die einen hohen Recycling-Anteil aufweisen. Ziel war es, die Kunden für dieses Thema zu sensibilisieren. Denn aktuelle Umfragen bestätigen, dass zwar immer mehr Verbraucher nachhaltige Verpackungen positiv sehen, sich jedoch allgemein schlecht über deren Recyclingfähigkeit informiert fühlen. Wiederum andere Umfragen belegen, dass die Gewissheit über ein Produkt in einer nachhaltigen Verpackung mit geringeren Umweltauswirkungen sich positiv auf Kaufentscheidungen und Markentreue der Kunden auswirkt. Letztendlich ist dies ein Argument mehr für Hersteller und Händler, sich dem Thema Rezyklat intensiv zu widmen.

Sebastian Bayer. Foto: dm

Sebastian Bayer. Foto: dm

Ihr Autor

Jürgen Volz

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Erstellt:
25. November 2020, 07:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 53sec

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