Reges Leben in den Überschwemmungsgebieten

Elchesheim-Illingen (yd) – Die heftigen Regenfälle haben in diesem Sommer viele Wasserlöcher entstehen lassen. Naturfotograf Rainer Deible aus Illingen hält das rege Leben darin mit der Kamera fest.

Das am meisten vorkommende Tier ist Menschen nicht so willkommen: Schnakenlarven. Foto: Rainer Deible

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Das am meisten vorkommende Tier ist Menschen nicht so willkommen: Schnakenlarven. Foto: Rainer Deible

Regenfälle, Druck- und Hochwasser haben so manche Wiese in Dammnähe in den vergangenen Wochen in einen Tümpel verwandelt. Doch was sich auf den ersten Blick als matschiges Wasserloch präsentiert, enthält in Wirklichkeit sehr viel Leben. Rainer Deible, Naturfotograf aus Illingen, hat sich daher auf die Suche gemacht – und viele Überraschungen erlebt.

Schon vor einiger Zeit habe er bei einer Exkursion mit der PH Karlsruhe entdeckt, dass es in vielen potenziellen Überflutungsbereichen Krebse der Art Branchipus und auch der Art Triops gebe. Manchen dürften sie noch aus der Kindheit als Beilage in Zeitschriften unter dem Namen „Urzeitkrebse“ bekannt sein.

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Reges Leben in den Überschwemmungsgebieten
Eine gerandete Jagdspinne (Dolomedes). Sie kann auch übers Wasser laufen. Foto: Rainer Deible

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In vielen Überflutungsbereichen gibt es den Branchipus, manchen auch als „Urzeitkrebs“ bekannt. Foto: Rainer Deible

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Stets mit der Bauchseite nach oben: Der Rückenschwimmer (Notonecta). Foto: Rainer Deible

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Aus dieser Larve wird ein Kleiner Kolbenwasserkäfer. Foto: Rainer Deible

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Auch dem Laubfrosch scheint das Hochwasser zu gefallen. Foto: Rainer Deible

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Bald gibt’s Pechlibellen-Nachwuchs. Foto: Rainer Deible

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Die Krebse laichen im Wasser ab. Trocknen die Tümpel aus, lagern die Eier teils jahrelang im Boden, bis dieser wieder überflutet wird. Eine neue Generation schlüpft, wenn die Eier wieder im Wasser schwimmen. Zu beobachten war dieses Phänomen in diesem Jahr auf einigen Flächen in Steinmauern. „Und sicher auch anderswo“, so Deible.

Aquarium für Aufnahmen genutzt

Um seine Fotos zu machen, musste der Illinger allerdings ein wenig „tricksen“: „Ich habe etwas von dem Wasser in ein kleines Aquarium gefüllt und dann meine Fotos gemacht.“ Für viele Libellenarten wie etwa die Pechlibelle (Ischnura) seien die Druckwassertümpel ein wahres Paradies, in ein bis zwei Monaten kommt ihr Nachwuchs dort zur Entwicklung. Aber auch Kolbenwasserkäferlarven finden sich – oder, Deibles wohl beeindruckendster Fund in diesem Jahr: eine gerandete Jagdspinne (Dolomedes), die ihm ebenfalls in Steinmauern vor die Linse lief. Die Raubspinne gehört mit bis zu 25 Millimetern (nur der Körper) zu den größten Arten in Deutschland und lebt am Ufer stehender oder langsam fließender Gewässer. Feuchtwiesen oder Hochmoore sind ihr bevorzugtes Habitat. „Es ist faszinierend, wie die Spinne trotz ihrer Größe übers Wasser laufen kann. In der Größe habe ich sie zum ersten Mal gesehen.“

In überfluteten Flächen können neue Generationen schlüpfen, selbst wenn die Eier jahrelang auf dem Trockenen lagen. Foto: Rainer Deible

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In überfluteten Flächen können neue Generationen schlüpfen, selbst wenn die Eier jahrelang auf dem Trockenen lagen. Foto: Rainer Deible

Und auch den Laubfröschen (Hyla) scheint das Hochwasser gut zu gefallen: Während ihre Laichzeit Ende April/Anfang Mai quasi ausfiel, weil es in diesem Jahr viel zu kalt war, genießen sie jetzt den Sommer – in vielen Tümpeln sind fast fertig entwickelte kleine Laubfröschchen zu finden.

Schnakenlarven in Hülle und Fülle

Das mit Abstand am meisten vorhandene Tier dürfte so manchem allerdings die hoffentlich zu erwartenden lauen Sommerabende vermiesen: „Schnakenlarven gibt es in solchen Massen und Mengen, ich habe große Bedenken, dass die KABS da hinterherkommt“, meint Deible. Dafür seien es allein schon zu viele überflutete Flächen – man rede ja nicht nur von den Althreinniederungen, sondern auch von unzähligen kleinen Tümpeln jenseits des Damms. Nichts mögen die kleinen Culex-Larven nämlich lieber als ein stehendes Gewässer voll mit organischem Material. „Die neue Generation ist kräftig am Schlüpfen“, meint Deible – den Haushalten auf der Hardt sei also das Anlegen eines Mückenspray-Vorrats empfohlen.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Yvonne Hauptmann

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Erstellt:
28. Juli 2021, 15:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 27sec

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Eine gerandete Jagdspinne (Dolomedes). Sie kann auch übers Wasser laufen. Foto: Rainer Deible

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In vielen Überflutungsbereichen gibt es den Branchipus, manchen auch als „Urzeitkrebs“ bekannt. Foto: Rainer Deible

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Stets mit der Bauchseite nach oben: Der Rückenschwimmer (Notonecta). Foto: Rainer Deible

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Aus dieser Larve wird ein Kleiner Kolbenwasserkäfer. Foto: Rainer Deible

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Auch dem Laubfrosch scheint das Hochwasser zu gefallen. Foto: Rainer Deible

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Bald gibt’s Pechlibellen-Nachwuchs. Foto: Rainer Deible

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