Regierung steckt hinter „The Länd“

Rastatt/Baden-Baden (dm) – „Willkommen in the Länd“: Hinter den Tafeln, die Ende vergangener Woche an Ortsschildern auftauchten, steckt eine Werbekampagne der Landesregierung. Eine Glosse.

Das Rätsel ist zum Teil gelüftet: Die Aktion, auf die auch eine Tafel in Haueneberstein hinweist, läutet eine Kampagne für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg ein. Foto: Daniel Melcher

Das Rätsel ist zum Teil gelüftet: Die Aktion, auf die auch eine Tafel in Haueneberstein hinweist, läutet eine Kampagne für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg ein. Foto: Daniel Melcher

So geheim war die Geheim-Aktion, dass nicht nur die gemeine Öffentlichkeit nicht Bescheid wusste, sondern auch weder die Kommunen noch die Polizei in Mittelbaden. „Willkommen in the Länd“: Solche rätselhaften Tafeln, die Ende vergangener Woche unter mehreren Ortseingangsschildern zwischen Au am Rhein und Hügelsheim auftauchten, ließen wohl nicht nur in Mittelbaden zahlreiche Stirnen runzeln. Das BT hatte am Samstag in einer Glosse bereits scherzhaft gemutmaßt, ob nicht Stuttgart nach dem Motto „wir können alles außer Hochdeutsch“ dahinter stecken könnte. Und ja, so ist es tatsächlich! Sie können alles außer Hochdeutsch... auch Straßenguerilla-Marketing auf Denglisch.

Selbst die Polizei wusste nicht Bescheid

Die Guerilla-Werbung war vom Staatsministerium initiiert, aber musste sie denn so top secret sein? Zumal Polizei und betroffene Kommunen in diesem Zusammenhang durchaus schon Zeit und Personal investiert haben. Es wäre schön gewesen, wenn man zuvor Informationen darüber gehabt hätte, heißt es aus den Reihen des Polizeipräsidiums Offenburg. Beamte waren am Freitag an die gemeldeten Orte gefahren; und die Kommunen hatten zum Teil die Plakate, die unter den jeweiligen Ortseingangsschildern gehängt waren, bereits wieder entfernt. In Mannheim, wo ein großes Länd-Banner am Hauptbahnhof hing, recherchierte das dortige Polizeipräsidium (immerhin gab es dort einen QR-Code neben der Willkommens-Botschaft) und leitete seine Erkenntnisse dann auch an die Offenburger Dienststelle weiter. Auf den Ortsschildern am Freitag hatte es noch keinerlei Hinweise gegeben. Inzwischen hängen nun zwar auch großformatige Plakate, auf denen auf die Rätsel-Homepage www.thelaend.de hingewiesen wird und der QR-Code aufgedruckt ist.

Der Countdown läuft

Doch dort erfährt der geneigte Neugierige zunächst nur, dass die Zeichen auf Veränderung stehen und man dabei sein solle. Zu Filmschnipseln mit Kapuzenmännern, die einem Verschwörungsthriller entstammen könnten und auffordern, der Spur von The Länd zu folgen und das Geheimnis zu lüften, läuft ein Countdown, der Tage, Stunden, Minuten und Sekunden herunterzählt. Die Null wird am kommenden Freitagmittag erreicht. Dann soll die eigentliche Kampagne starten, mit der – psst, das muss jetzt aber erst mal noch ein bisschen unter uns bleiben – die Regierung das Land als Wirtschaftsstandort noch besser in Position bringen will angesichts des Fachkräftemangels und Wettbewerbs um die besten Köpfe. Beim Auftakt in Stuttgart sind Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) und Daimler-Chef Ola Källenius dabei. Am Nachmittag werde dann ein Teilbereich der Kampagne vor dem Neuen Schloss vorgestellt, heißt es.

Am Rande: Die Stadt Rastatt hatte am Freitag noch überlegt zu prüfen, ob eine Ordnungswidrigkeit vorliegt, sobald man Hinweise auf den bis dato noch unbekannten Schilderaufsteller habe. Dass nun aber tatsächlich ein Bußgeldbescheid aus Rastatt dem Staatsministerium in Stuttgart ins Haus flattert, damit ist dann doch nicht zu rechnen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Daniel Melcher

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Erstellt:
25. Oktober 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 24sec

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