Regierungssprecher: Notfalls Gemeinden abriegeln

Baden-Baden/Stuttgart (fk) - Die Regularien von Bund und Ländern sehen vor, dass ab einem Wert von 50 Corona-Infektionen pro 100 000 Einwohner wieder ein Shutdown gelten müsste. „Eine Blaupause für ein Vorgehen gibt es allerdings nicht“, unterstreicht der Stuttgarter Regierungssprecher Rudi Hoogvliet auf Anfrage des Badischen Tagblatts. Es müsse von Fall zu Fall überlegt und entschieden werden.

Gesperrter Spielplatz: Ein Archivbild aus dem März, aber auch in Zukunft zumindest lokal begrenzt nicht undenkbar. Foto: Murat/dpa/Archiv

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Gesperrter Spielplatz: Ein Archivbild aus dem März, aber auch in Zukunft zumindest lokal begrenzt nicht undenkbar. Foto: Murat/dpa/Archiv

Auf dem Papier sind die Regeln für die Lockerung der Corona-Schutzmaßnahmen klar – doch in der Realität ist der weiße Zellstoff oft geduldig und biegsam. Das zeigt sich gerade im thüringischen Landkreis Greiz. Denn dort lag die Zahl der Corona-Neuinfektionen am Donnerstag bei einem Wert von 87,6 pro 100000 Einwohner. Die angedachten Lockerungen sollten trotzdem umgesetzt werden, obwohl die Regularien von Bund und Ländern vorsehen, dass ab einem Wert von 50 Infektionen pro 100000 Einwohner wieder ein Shutdown gelten müsste. Was also nun? Eine Frage, die sich auch die mittelbadischen Landkreise und das Land Baden-Württemberg stellen.

Isolierung von Einrichtungen möglich

„Eine Blaupause für ein Vorgehen gibt es nicht“, unterstreicht denn auch der Stuttgarter Regierungssprecher Rudi Hoogvliet am Freitag auf Anfrage des Badischen Tagblatts. Es müsse von Fall zu Fall überlegt und entschieden werden.

Wie das aussehen könnte, konnte auch Hoogvliet nur spekulieren, es seien aber recht deutliche Maßnahmen denkbar. Trete der Fall mit einer hohen Zahl an Infizierten ein, müsse „klar gehandelt“ werden. Die entscheidende Überlegung in einem solchen Fall sei, ob man die Infektionskette nachvollziehen und eingrenzen könne. Sei das möglich, etwa bei einer Welle an Erkrankten in einem Pflegeheim oder einer Flüchtlingsunterkunft, müssten diese Einrichtungen streng isoliert werden. Sei die Nachvollziehbarkeit hingegen nicht gegeben, sei es auch denkbar, dass ganze Kommunen isoliert werden müssten. „Für die entsprechenden Gemeinden würden dann auch Ein- und Ausreisebeschränkungen gelten. Das ist nicht schön, aber unumgänglich“, so Hoogvliet gegenüber dem BT.

Positiv zu werten sei aber, dass es im Moment keinen solchen Fall gebe und man auch weit davon entfernt sei. Selbst im Problemlandkreis Zollern-Alb entspanne sich die Situation aktuell wieder. Die Behörden seien zudem in der Lage, die Infektionsketten wieder weitestgehend nachvollziehen zu können. „Das verbessert die Identifizierbarkeit von Erkrankten und die lokale Eingrenzung.“ Deswegen müssten mögliche Corona-Ausbrüche immer regional betrachtet werden, so Hoogvliet.

Stadt- und Landkreis erarbeiten Plan

Einen konkreten Plan haben auch der Landkreis Rastatt und der Stadtkreis Baden-Baden noch nicht. Beide wollen sich in ihren Gremien und in Stabsitzungen in der kommenden Woche mit dem Thema befassen.

Aktuell sehen aber auch die beiden Kreise gute Entwicklungen bei den Infektionszahlen, im Stadtkreis Baden-Baden gab es der Stadtpressestelle zufolge schon seit fast einer Woche keine neue Infektion mehr und auch die Zahl der im Krankenhaus behandelten Patienten nehme deutlich ab (wir berichteten). Von der als gefährlich festgelegten Grenze der 50 Infizierten pro 100000 Einwohner – diese Zahl gilt übrigens nur auf Kreisebene und wird nicht auf einzelne Kommunen runtergerechnet – sei man daher weit entfernt, so der Baden-Badener Stadtpressesprecher Roland Seiter.


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